Infos

Drama lyrique in vier Akten

Komponist Jules Massenet · Libretto von Edouard Blau, Paul Milliet, Georges Hartmann, basierend auf Johann Wolfgang von Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werthers"
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Samstag, 10. Mai 2008
19.00 Uhr – 22.00 Uhr
Nationaltheater

Dauer ca. 3 Stunden · 1 Pause zwischen 1. Teil und 2. Teil (ca. 20.30 - 21.10 Uhr)

Preise K

ausverkauft

Download Besetzungszettel (PDF) zur Stücknavigation

Besetzung

Musikalische Leitung
Patrick Fournillier
Inszenierung, Bühne, Lichtkonzept und Kostüme
Jürgen Rose
Mitarbeit Inszenierung
Franziska Severin
Licht
Michael Bauer
Dramaturgie
Ingrid Zellner
Kinderchor
Stellario Fagone

Werther
Piotr Beczala
Albert
Robert Bork
Amtmann
Christoph Stephinger
Schmidt
Kevin Conners
Johann
Thomas Gazheli
Brühlmann
Adrian Sâmpetrean
Charlotte
Daniela Sindram
Sophie
Adriana Kucerová
Käthchen
Stephanie Hampl
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Kinderchor der Bayerischen Staatsoper
zur Stücknavigation

Mediathek

zur Stücknavigation

Mehr dazu

Der berühmteste Selbstmord der Weltliteratur als große französische Oper: Werther liebt Charlotte, diese heiratet Albert. Der schwärmerische und zerrissene Werther verzweifelt und – erschießt sich. Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ hatte eine ganze Selbstmordmode unter jungen Liebenden zur Folge. Jules Massenets Oper führt zu weniger suizidalen Ergebnissen beim Publikum – das Werk etablierte sich als eines der Schönsten des französischen Repertoires. Große Duett-Szenen des liebeskranken Tenors und seiner angebeteten Charlotte: pure Schönheit, sinnlich französischer Klangrausch. Oper, die ans Herz rührt. Gefühle, die bewegen!

 

Die Handlung spielt in Wetzlar

Erster Akt

Der Amtmann lebt seit dem Tod seiner Frau allein mit seinen neun Kindern. Charlotte, die Älteste, führt den Haushalt. Sophie, die Zweitälteste, hilft ihr dabei. Obwohl es erst Mitte Juli ist, übt der Amtmann mit seinen kleineren Kindern bereits ein Weihnachtslied – sehr zum Amüsement seiner Freunde Schmidt und Johann.

Verwandte und Nachbarn kommen, um Charlotte zu einem ländlichen Sommerfest abzuholen. Ihnen zuvorgekommen war Werther, ein melancholischer, naturverbundener Einzelgänger und sensibler Künstler, der in der Kleinstadt fremd wirkt. Als er sieht, wie liebevoll Charlotte ihre kleinen Geschwister umsorgt, verliebt er sich in sie und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Teil dieser Familienidylle zu werden. Charlotte bittet Sophie, sie beim Vater und den Kindern zu vertreten und verlässt mit Werther das Haus.

Während Charlotte mit Werther und den Freunden auf dem Fest weilt, kehrt Albert, Charlottes Verlobter, unangekündigt von einer langen Reise zurück. Er erfährt von Sophie, dass Charlotte an diesem Abend ausgegangen ist, man sich aber sehr auf seine bevorstehende Hochzeit mit ihrer Schwester freut. Zufrieden und beglückt verlässt Albert das Haus.

Werther begleitet Charlotte nach dem Fest heim und gesteht ihr seine Liebe. Charlotte ist von dem Sturm seiner Gefühle so überwältigt, dass sie vergisst, ihre Verlobung zu erwähnen. Sie fühlt sich zu diesem aussergewöhnlichen Mann hingezogen. Als der Amtmann die Nachricht von Alberts Rückkehr bringt, erfährt Werther, dass Charlotte ihrer Mutter vor deren Tod ihr Wort gegeben hat, Albert zu heiraten.


Zweiter Akt

Es ist Herbst. Im Ort wird die Goldene Hochzeit des Pastors vorbereitet, im Anschluss an den Festgottesdienst wird zu einer grossen Kaffeetafel geladen. Unter den Gästen sind Albert und Charlotte, die mittlerweile seit drei Monaten verheiratet sind, sowie Werther, der den Verlust Charlottes nicht überwinden kann. Albert spricht ihn direkt darauf an, Werther verleugnet jedoch seine Gefühle und versichert dem Paar seine Freundschaft. Als Sophie hinzutritt, nutzt Albert deren fröhliche Stimmung, um Werthers Interesse auf sie zu lenken. Werther nimmt Sophies Einladung zum Tanz nicht an, sucht stattdessen ein heimliches Gespräch mit Charlotte und erinnert sie an ihre romantische erste Begegnung. Charlotte verweist auf ihre Pflichten als verheiratete Frau und bittet Werther, sich für einige Zeit von ihr fernzuhalten. Mit dem Wunsch, er möge nicht vor Weihnachten zurückkehren, verlässt sie ihn. Werther zwingt sich, ihr zu gehorchen, weiß aber, dass auch die Distanz ihm nicht helfen wird. Eher will er sich umbringen, als auf die Liebe zu dieser Frau zu verzichten. Er verabschiedet sich von Sophie für immer. Während die Gäste das Jubiläumspaar feiern, berichtet Sophie verzweifelt der Schwester von Werthers endgültiger Abreise. Albert sieht sich in seinem Verdacht über Werthers Liebe zu Charlotte bestätigt; Charlotte kann es nicht fassen, dass sie Werther nie wiedersehen soll.


Dritter Akt

Es ist Heiligabend. Charlotte bereitet ihr erstes Weihnachtsfest mit Albert vor. Werther hat ihr aus seinem Exil mehrere Briefe geschrieben, die sie immer wieder liest. Ihr wird klar, dass auch sie ihn niemals wird vergessen können. Überraschend kommt Sophie und spürt sofort die Unruhe und Traurigkeit der grossen Schwester. Vergebens versucht sie, Charlotte ein wenig aufzuheitern, bevor sie zu ihrem Vater und ihren Geschwistern zurückkehrt. Wieder allein, bricht Charlotte an ihrer inneren Zerrissenheit zusammen.


Werther hat nicht die Kraft, seinen Vorsatz, Charlotte niemals wiedersehen zu wollen, einzuhalten und sucht sie im Hause ihres Mannes auf. Für kurze Zeit gedenken beide der schönen Stunden, in denen sie gemeinsam musizierten und Werke grosser Dichter gelesen haben. Als Charlotte Werther an die begonnene Übersetzung seines Lieblingsdichters Ossian erinnert, kommt es zum Verhängnis. Werther steigert sich derart rauschhaft in die Melancholie und Verzweiflung dieser Verse hinein, dass er Charlottes Anteilnahme als Liebesgeständnis missversteht und bedrängt sie, sich zu ihrer Liebe zu bekennen. Wieder siegt bei Charlotte ihr Pflichtbewusstsein, sie löst sich aus Werthers Umklammerung und stürzt davon. Werther sieht nun endgültig keinen Sinn mehr in seinem Leben und verlässt das Haus.

Albert kommt nach Hause. Er weiß von Werthers Rückkehr und findet seine Ehefrau in aufgelöstem Zustand vor. Als er sie zur Rede stellen will, kommt ein Bote, der einen Brief von Werther überbringt mit der Bitte, ihm seine Pistolen zu leihen. Albert zwingt Charlotte, die Pistolen auszuhändigen. Obgleich sie gehorcht, hofft Charlotte, das Schicksal doch noch aufhalten zu können...


Vierter Akt

Charlotte kommt zu spät: Werther hat sich mit der Waffe bereits schwer verwundet. Ihren Versuch, Hilfe zu holen, wehrt er ab, er möchte in ihren Armen sterben. Jetzt endlich findet Charlotte den Mut, Werther ihre Liebe zu gestehen. Die Stimmen von Charlottes Geschwistern, die man aus der Ferne das im Sommer einstudierte Weihnachtslied singen hört, erscheinen dem halluzinierenden Werther als Zeichen der himmlischen Vergebung. Mit der Bitte an Charlotte, ihn an seiner ersehnten Ruhestätte zu beweinen, stirbt Werther.

© Bayerische Staatsoper

Jürgen Rose
Gedanken, Bildideen, Fragen...
(aus den Notizen von Februar 2005 bis September 2006)

Mit (Pseudo-) Realismus und komplettem historischem Ambiente (ob nun 18., 19. oder 20. Jahrhundert) und optischen Milieuschilderungen allein (so notwendig sie für diese Geschichte sind...) kommt man dem Stück nicht nahe, – nicht an den Knackpunkt heran. Vieles würde vermutlich ablenken. Die Konzentration auf die Personen (auch die Nebenrollen) würde mich mehr interessieren! Vom ersten Moment an muss man spüren, dass Werther in dieser Bürgerwelt ein Außenseiter, – ein Fremder ist... der Künstler, den man seiner Talente wegen bewundert – zu dem man trotzdem Distanz hält!

Vielleicht braucht Werther auf der Bühne immer seinen eigenen dunklen Bereich, seine spezifische Einsamkeit, sein Ausgeschlossensein...? (Er ist ein Rastloser, Suchender, sich Verbannender...). Vielleicht steht irgendwo ein Tisch mit seinen Büchern, Notizen, Skizzen und Dichtungen?

Wie kann man einen abstrakten Spielraum für die Zustände und Konflikte der Protagonisten schaffen – und trotzdem in Ausschnitten die bürgerliche Idylle (1. Akt), die bürgerliche Gesellschaft mit Kirchgang und Jubiläumsfest (2. Akt) und das bürgerliche neue Zuhause der jungen Eheleute am Heiligabend (3. Akt) zeigen?
Alles, was in den ersten drei Akten an Ambiente notwendig war, muss im letzten Akt verschwinden! Charlotte entfernt sich aus ihrer Welt, – tritt ins Leere...

Eisig kalte Stimmung!

Die beiden allein in der Leere!

Wie mach ich den Raum für Werther spezifischer?

Inzwischen bin ich wieder bei dem weißen, sich zum Hintergrund ins Schwarze verfinsternden Lichtraum (Zeltkonstruktion mit indirekter Beleuchtung) – kombiniert mit einer schräg liegenden Drehscheibe.
Mit welchem optischen Mittel erreiche ich Werthers unverwechselbaren, nur seinem Charakter entsprechenden intimen Zustandsraum?

Der Sog in Goethes Briefroman, der Massenet ja auch fasziniert haben muss, – dieser manisch-depressive Hang Werthers, immer alles wieder formulieren, aufschreiben, festhalten zu wollen, zwingt sich auch mir immer mehr auf, – schiebt ein Kaleidoskop bunter Schriftfetzen, wirrer Linien und Skizzen vor mein Auge...

Warum nicht alle Wände, den Boden und den Plafond voll schreiben mit Werthers poetischen Sätzen, verzweifelten Schreien und Schwüren, – voll kritzeln mit unterschiedlichsten Skizzen und wieder durchgestrichenen Passagen – und somit die ganz individuelle, intime Seelenlandschaft dieses Menschen (dieses Künstlers) behaupten?

Jetzt drängt sich Werthers Platz, sein Ort im Zentrum auf. Wo anders kann sein Tisch stehen, als in der Mitte? Geht das? Wie lassen sich all die bürgerlichen Szenen arrangieren?
Zufällig sehe ich eine Postkarte mit Caspar David Friedrichs einsamem Mann auf dem Berggipfel...Das ist es!
Ich suche einen Stein, lege ihn ins Modell, – darauf Werthers Tisch und Stuhl... Selbstverständlicher geht es nicht! Nur da oben in „schwindliger Höhe“ kann Werthers Platz sein!


© Bayerische Staatsoper

zur Stücknavigation

Biografien

gewann mehrere Preise bei Dirigierwettbewerben und erhielt erste Engagements u.a. in Krakau und Warschau. Seither dirigierte er u.a. an den Opernhäusern von Genf, Zürich, Amsterdam, Oslo, Montreal, Seattle, Berlin, Venedig, Rom, Mailand, Valencia und Paris sowie bei den Festivals von Ravenna und Martina Franca. Er leitete das Massenet-Festival in Saint Etienne und das Orchestra Sinfonica Arturo Toscanini in Parma. Sein vielseitiges Repertoire reicht von Werken Massenets (Thais, Manon, Cendrillon, Don Quichotte), Rossini (La Siège de Corinthe, Il barbiere di Siviglia) bis hin zu Verdi (u.a. Un ballo in maschera, Aida, Rigoletto), Adam (Le Postillon de Longiumeau), Gounod (Faust) und Alfano (Cyrano). Dirigat an der Bayerischen Staatsoper: Werther.

zur Stücknavigation