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Komponist Erich Zeisl / Jan Duszynsk

Montag, 21. Juli 2014
20.00 Uhr – 22.30 Uhr
Prinzregententheater

Dauer ca. 2 Stunden 30 Minuten

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Besetzung

Solist
Michael Volle
Pianist
Helmut Deutsch
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Als der Schriftsteller Joseph Roth 1939 vereinsamt im Pariser Exil stirbt, führen Schauspieler des Reinhardt-Ensembles seinen Roman Hiob szenisch auf. Der Komponist Erich Zeisl, selbst nach Paris emigriert, schreibt Musik dafür. Roths Geschichte des „einfachen Mannes“ Mendel Singer, der nach Amerika auswandert, und den dort Schicksalsschläge an die Grenzen seines Glaubens führen, bis ihn ein Wunder von seinem Zweifel erlöst, lässt Zeisl nicht mehr los. Er gewinnt den befreundeten Dichter Hans Kafka für seine Idee zu einer Oper nach dem Roman. Ihr Projekt begleitet die beiden an die nächsten Stationen des eigenen Exils – New York, dann Los Angeles. Als Zeisl dort 1959 stirbt, ist nur die erste Hälfte der Oper vollständig komponiert und orchestriert. Wir führen die bestehende Musik erstmals vollständig auf und wagen die Forterzählung der Oper, in deren Hauptfigur sich die Biographien Roths, Hans (John) Kafkas und Erich Zeisls begegnen.

 

Mendel Singer, der in einem kleinen russischen Schtetl den jüdischen Jungen das Lesen der Bibel beibringt, begegnet den Widernissen des Lebens mit Gottvertrauen. Selbst, dass sich sein viertes Kind als zurückgeblieben erweist und seine gesunden Söhne zur Armee einrücken sollen, sieht er gleichmütig als gottgegeben an.

Als seine Tochter Mirjam wechselnde Liebesaffären mit Kosaken beginnt, entschließt sich Mendel zum ersten Aufbruch seines Lebens. Er folgt seinem ältesten, vor der Armee geflohenen Sohn Schemariah und wandert mit Frau und Tochter nach Amerika aus. Den behinderten Menuchim muss er wegen der Einreisebestimmungen in Russland zurücklassen.

Obwohl es der Familie in Amerika finanziell besser geht, wird Mendel dort nicht heimisch. Ihn quälen Sehnsucht nach Menuchim und ein Gefühl großer Schuld. Dann zerbricht Mendels Glück: in Europa bricht der erste Weltkrieg aus, der Kontakt zum als Soldat dienenden Jonas und die Nach-richten über den Verbleib Menuchims reißen ab, Schemariah fällt als amerikanischer Soldat, die Tochter Mirjam wird an eigenen Schuldgefühlen wahnsinnig, Deborah geht an dem Verlust ihrer Söhne zugrunde.

Mendel, der sich sein ganzes Leben lang in sein Dasein gefügt hat, bricht angesichts dieser Schick-salsschläge mit Gott und versinkt in Resignation. Ein Wunder erlöst ihn aus seiner großen Verlas-senheit: Zu Beginn des Pessachfestes, an dem Mendel lustlos teilnimmt, taucht sein Sohn Menuchim auf, an einem Sederabend, einem Fest der Erlösung, bei dem der Prophet Elijah erwartet wird. Der verloren Geglaubte ist inzwischen erwachsen und geheilt – er hat die Musik für sich entdeckt und ist erfolgreicher Komponist geworden. Angesichts dieser Wiederbegegnung findet Mendel seinen Frieden mit sich und seinem Schicksal.

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Biografien

Alisa Kolosova studierte Gesang in Moskau. 2009 nahm sie am Young Singers Project der Salzburger Festspiele teil und war in der Spielzeit 2009/10 Mitglied im Atelier Lyrique der Opéra National de Paris. Von 2011 bis 2014 war sie Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Sie gastierte u. a. am Théâtre des Champs-Elysées, an der Staatsoper Hamburg, am Teatro alla Scala in Mailand und an der Washington National Opera sowie bei den Festspielen in Salzburg, Glyndebourne, Pesaro und Ravenna. Zu ihrem Repertoire zählen Partien wie Orphée (Orphée et Eurydice), Fenena (Nabucco), Polina (Pique Dame), Samaritana (Francesca da Rimini) und Suzuki (Madama Butterfly) sowie die Titelpartie in Carmen. An der Bayerischen Staatsoper sang sie u. a. bereits Olga (Eugen Onegin). (Stand: 2018)

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