Inhaltsangabe: „Andrea Chénier“

Anja Harteros und Jonas Kaufmann (Foto: Wilfried Hösl)

Die Handlung

1. Bild, in der Provinz im Schloss der Gräfin Coigny, 1789

Im Schloss der Coigny wird das sich zuspitzende Missverhältnis zwischen dem Adel und dem Dritten Stand bei den Vorbereitungen zu einem pompösen Fest deutlich: Der Diener Gérard ist angesichts des dekadenten Überflusses einerseits sowie seines greisen Vaters, der trotz Gebrechlichkeit und Schwäche arbeiten muss, andererseits, davon überzeugt, dass das Ende der Adelsherrschaft gekommen ist. Die anwesenden Gäste tauschen sich über die sich andeutenden gesellschaftlichen Umbrüche aus und werden anschließend durch den Vortrag von Schäferlyrik abgelenkt und erheitert. Auf dem Fest verweigert der junge Dichter Andrea Chénier zunächst, spontan ein Gedicht vorzutragen, was ihm als Unhöflichkeit ausgelegt wird. Angestachelt von Maddalena, der Tochter der Gräfin Coigny, hält Chénier schließlich ein als Gedicht getarntes Plädoyer für die von den Aristokraten zynisch verspottete Liebe und übt Kritik an der Erbarmungslosigkeit des Adels den unteren sozialen Ständen gegenüber. Die Anwesenden übergehen Chénier, woraufhin der Dichter das Fest verlässt. Lediglich zwei Personen stimmen ihm zu: Maddalena, die ihre Begeisterung Chénier gegenüber ausspricht, und Gérard, der das Geschehen im Hintergrund beobachtet hat. Letzterer platzt im Anschluss zusammen mit Bettlern und armen Leuten in die Feierlichkeiten, um den Adligen das von ihnen verursachte Leid vor Augen zu führen. Angewidert von dem Anblick des Elends schickt die Gräfin die Menge sofort wieder aus dem Haus und entlässt Gérard, damit das Fest ungestört fortgesetzt werdenkann.

2. Bild, Straße in Paris, 1794
In der Überwachung der Öffentlichkeit durch Robbespierres Spione zeigt sich deutlich die Misere der schlimmsten Monate der Französischen Revolution. Maddalenas Dienerin, die Mulattin Bersi, gerät an einen spionierenden Incroyable, der in ihr die Vertraute der von ihm gesuchten Maddalena erkennt und sie als verdächtige Person registriert. Chénier, der von der Richtung, die die Revolution eingeschlagen hat, enttäuscht ist, wird ebenfalls polizeilich gesucht und daher von seinem Freund Roucher dazu gedrängt, aus Paris zu fliehen. Der Dichter zögert jedoch, da eine innere Stimme ihm sagt, dass er endlich das erste Mal in der Realität Liebe erfahren könne: Eine Unbekannte hat ihm nämlich einen Brief geschrieben und er ist entschlossen, sie zu treffen. Bei der Begegnung mit der geheimnisvollen Frau offenbart sich diese als die hilfesuchende Maddalena. Sie berichtet Chénier von ihrer prekären Situation: Während der Revolution wurde ihre gesamte Familie ermordet und deren Schloss niedergebrannt. Besitzlos und als Adlige nach wie vor besonders gefährdet wendet sich Maddalena an den Dichter. Ihre Schutzlosigkeit spornt Chénier zu grenzenloser Hilfsbereitschaft an und entfacht in ihm das Feuer der Leidenschaft. Maddalena und Chénier schwören sich Liebe bis in den Tod. Plötzlich erscheint Gérard, der während der Revolution zum Vertrauten Robespierres wurde und vom Incroyable Maddalenas Aufenthaltsort erfahren hat. Seit seiner Zeit als Diener auf dem Schloss Coigny liebt er die junge Frau und hat die Spione darauf angesetzt, sie zu finden. Der Versuch Gérards, sich nun seiner ehemaligen Herrin zu bemächtigen, wird von Chénier vereitelt. Es kommt zum Duell zwischen den beiden Männern. Der verwundete Gérard erkennt seinen Bezwinger und fordert ihn auf zu fliehen. Den hinzueilenden Wachen verschweigt Gérard, dass es sich bei dem flüchtenden Mann um den gesuchten Chénier handelt.

3. Bild, vor dem Wohlfahrtsausschuss des Revolutionstribunals, 1794
Nach einem Appell Gérards an das Volk, in einer Zeit der Bedrohung Frankreichs durch andere Länder das letzte Hab und Gut sowie die eigenen Söhne dem Vaterland zu überlassen, spenden Bürgerinnen ihren Schmuck, und die alte Frau Madelon übergibt ihren Enkel, das letzte noch lebende Kind ihrer Familie, dem Wohlfahrtsausschuss als Soldaten. Gérard muss als Mitglied des Revolutionstribunals die Anklageschrift gegen den mittlerweile gefassten Chénier aufsetzen und beschuldigt ihn, seinen Sympathien für den Dichter zum Trotz, des Hochverrats. Maddalena sucht Gérard auf, der für die Rettung Chéniers von ihr fordert, sich ihm hinzugeben. Sie ist bereit, auf seine Bedingungen einzugehen. Von dieser Opferbereitschaft ergriffen, entschließt sich Gérard reumütig, sich mit ganzer Kraft für Chéniers Freilassung einzusetzen. Vor dem Tribunal akzeptieren jedoch weder dessen Mitglieder noch das Volk die Einwände und Selbstbezichtigungen des Anklägers. Chénier wird zusammen mit anderen zum Tod verurteilt.

4. Bild, im Gefängnis St. Lazare, 1794
Während Chénier dem Freund Roucher seine letzten Verse, einen Hymnus auf die Poesie, vorträgt, erreichen Gérard und Maddalena St. Lazare. Sie bestechen den Gefängnisaufseher Schmidt, damit Maddalena zu Chénier ins Gefängnis gelangen und den Platz einer zum Tod verurteilten Gefangenen einnehmen kann. Im Angesicht der Hinrichtung beschwören Chénier und Maddalena noch einmal ihre gegenseitige Liebe bis in den Tod.