Lynn Seymour

Lynn Seymour, eine der großen dramatischen Ballerinen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde 1939 in Kanada, geboren. Kaum fünfzehnjährig, ging sie mit einem Stipendium an die Sadler?s Wells Ballet School nach London, wurde 1957 ans Sadler?s Wells Opera Ballet engagiert und tanzte im selben Jahr bereits bei der Touring Company des Royal Ballet, wo sie 1958 zur Solistin, 1959 zum Principal Dancer ernannt wurde, als die sie dann auch beim Royal Ballet Covent Garden auftrat.

Schon 1957 begann die Zusammenarbeit mit dem Choreographen Kenneth MacMillan (in The Borrow), die sich zu einer der wichtigsten kreativen Partnerschaften dieser Jahrzehnte zwischen einem Choreographen und seiner Ballerina entwickelte. (The Invitation, Kuss der Fee, Romeo und Julia, Anastasia, Dornröschen, Schwanensee, Mayerling u.a.) Aber auch zwischen Seymour und Frederick Ashton entstand eine reiche künstlerische Beziehung, die 1961 mit The Two Pigeons begann und später in A Month in the Country und den Five Brahms Waltzes in the Manner of Isadora Duncan kulminieren sollte. 1966 folgte Lynn Seymour Kenneth MacMillan als Primaballerina an die Deutsche Oper in Berlin und kehrte 1971 nach London ans Royal Ballet zurück.

1978 berief August Everding sie zur Direktorin des Balletts der Bayerischen Staatsoper in München. Hier kämpfte sie zwei Jahre lang gegen die notorischen, verhängnisvollen Abhängigkeiten des Balletts von der alles dominierenden Oper, die erst zehn Jahre später mit der Gründung des Bayerischen Staatsballetts überwunden werden sollten. Trotzdem brachte Lynn Semour während ihrer kurzen Direktionszeit in München u.a. zwei Uraufführungen von William Forsythe heraus (Joyleen?, und Love Songs, letzteres mit Tänzern des Stuttgarter Balletts) sowie das lange im Repertoire bleibende La Sylphide. Auch ihre Auftritte als Crankos Julia in diesen Jahren (an der Seite von Richard Cragun) werden die, die dabei waren, kaum vergessen. Der Rückkehr nach London folgte ihr Abschied als Ballerina, wobei sie sporadische Charakterauftritte, so zeitweilig als Königin-Mutter in der legendären Schwanensee-Produktion von Matthew Bourne, immer wieder auf die Bühne führten. In der kanadischen Fernsehserie The Little Vampyr konnte sie ihr Talent zur Groteske unvergleichlich einbringen.<o:p></o:p>

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Lynn Seymour, Mutter von drei erwachsenen Söhnen und immer noch in London zu Hause, gibt heute vor allem ihre Erfahrungen mit den Balletten von Kenneth MacMillan und Frederick Ashton als Coach an jüngere Tänzergenerationen in der ganzen Welt weiter. Ihre bereits 1984 erschienene Autobiographie Lynn bleibt ein faszinierend-unterhaltsames und aufschlussreiches Buch, auch wenn sich die Künstlerin bereits bei Erscheinen von dem ausgesprochen reißerischen Ton, den Verlag und Co-Autor für unabdingbar gehalten hatten, entschieden distanzierte.<o:p></o:p>