Cyrus Edaru – 27, Schlagzeug

Ich wuchs in einer Familie auf, in der es vor allem ums Überleben ging. Mein Vater hatte große Mühe, für uns zu sorgen. Einen Großteil meiner Kindheit verbrachte ich in den schmutzigen Slums, watete durch Schlamm, um Altmetall zu sammeln – nur um mir Essen, Kleidung oder Schulmaterial leisten zu können.

Schon früh liebte ich Musik und träumte davon, Schlagzeug zu spielen. Da ich keinen Zugang zu Instrumenten oder Unterricht hatte, schnitzte ich mir Drumsticks aus Ästen und spielte auf alten Holztischen und Plastikeimern. Meine Altersgenossen verspotteten mich und hielten mich für verrückt.

Doch der Rhythmus war das Einzige, was mich weitermachen ließ.

Alles änderte sich, als ich Brass for Africa kennenlernte. Zum ersten Mal sah ich eine echte Chance, meinen Traum zu verwirklichen. Ich wurde Musiker. Man gab mir nicht nur ein Instrument, sondern auch einen Ort, an dem ich angenommen und gesehen wurde. Ich lernte, dass meine Geschichte keine Schande ist, sondern meine Stärke.

Heute kämpfe ich nicht mehr ums Überleben, sondern inspiriere meine Schüler – denn ich bin nun Musik- und Life-Skills-Lehrer. Ich stehe für all die Kinder, die noch immer in diesen Verhältnissen leben und dennoch träumen.

ENOCK OKECHA MUKISA – 23, KORNETT

Ich bin unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen. Meine Mutter starb früh, und einen großen Teil meiner Kindheit verbrachte ich in einem Waisenhaus. Mein Leben war nicht leicht, und die Möglichkeiten waren begrenzt.

Als ich Zugang zu musikalischer Bildung bekam, veränderte sich alles. Ich entwickelte Disziplin, Selbstvertrauen und Bewusstsein für meinen Lebensweg. Durch Musik lernte ich nicht nur Noten und Rhythmen, sondern auch wichtige Lebenskompetenzen wie Zusammenarbeit im Team und den Glauben an mich selbst. Sie eröffnete mir Bildungswege und schenkte mir eine Zukunft, die ich mir zuvor nicht vorstellen konnte.

Heute bin ich ausgebildeter Musik- und Life-Skills-Lehrer sowie Trompetensolist. Ich liebe meine Arbeit, und mein Leben ist erfüllt – ich arbeite in einem Team, das sich wie eine Familie anfühlt. Gemeinsam proben, lernen und treten wir auf und erzählen Geschichten durch Klang, Bewegung und Energie.
Durch die Musik möchte ich andere inspirieren, besonders junge Menschen, an sich zu glauben und über ihre Umstände hinaus Chancen zu erkennen. Mein Weg ist der Beweis dafür, dass sich Leben durch Möglichkeiten, Unterstützung und Disziplin verändern können – genau dafür stehen Brass for Africa und Music Connects.

Barbra Were Amanya – 22, Tuba

Ich bin in Namuwongo aufgewachsen, einer großen informellen Siedlung in Kampala – einem „Slum“, wie wir in Uganda sagen. Das Leben war ein täglicher Kampf, und Hoffnung schien weit entfernt.

Schon früh träumte ich davon, eine wichtige Persönlichkeit zu werden. Doch viele glaubten nicht an mich – vor allem, weil ich ein Mädchen bin. In unserer Gesellschaft überwiegt die Meinung, dass Mädchen und Frauen in die Küche gehören und sich um den Haushalt kümmern sollen.

Musik und Instrumente zu lernen, ist in Uganda teuer und für viele Familien – auch für meine – unerschwinglich. Es schien, als sei Musik nur für andere bestimmt.

Ich kam über eine lokale Organisation, die von Brass for Africa unterstützt wurde, zur Band. Zunächst faszinierten mich die goldenen Blechblasinstrumente – sie waren so schön und in meiner Umgebung völlig unerwartet.

Hier begann meine Reise. Ich lernte, an mich zu glauben, meine Stimme zu finden und in jeder Situation weiterzumachen. Musik wurde für mich mehr als Klang – sie wurde zu Hoffnung und Perspektive.

Nach meiner Ausbildung zur Musik- und Life-Skills-Lehrerin kehrte ich zurück, um junge Menschen zu unterstützen, die ähnliche Herausforderungen erleben wie ich damals. Als Lehrerin, Mentorin und Tubacoach in der reinen Mädchenband „Tayside Pearls“ übernahm ich Verantwortung und wuchs in eine Führungsrolle hinein.

Als Solistin durfte ich mit dem North Netherlands Orchestra auftreten und meine Musik auch in Europa präsentieren.

Heute bin ich eine selbstbewusste Musikerin, Pädagogin und ein Vorbild – dankbar dafür, dass Musik mir den Weg dafür bereitet hat.

LUKYAMUZI HAROLD – 26, KORNETT

Ich bin in Nakawa aufgewachsen, einer informellen Siedlung in Kampala. Meine Großmutter zog mich gemeinsam mit meinem Bruder und Cousin groß. Sie war unsere einzige Versorgerin und kämpfte täglich darum, uns durch den Verkauf auf dem Markt zu ernähren.

Schulgeld und selbst tägliche Mahlzeiten waren oft unsicher.

Dank eines Stipendiums konnte ich eine weiterführende Schule besuchen, die eine Blaskapelle hatte. Ich war tief beeindruckt davon, wie die Schüler mit ihren Instrumenten Menschen begeistern konnten. Aus Neugier wurde Leidenschaft.

Durch diese Band kam ich zu Brass for Africa, wo ich zunächst Teil der All-Star-Band wurde und später das Ausbildungsprogramm für Lehrkräfte absolvierte.

Mein Wunsch, etwas zurückzugeben, führte dazu, dass ich selbst Lehrer wurde, um Kinder in meiner Gemeinschaft zu inspirieren.

WERE EVELYN – 20, POSAUNE

Ich wurde von meiner Mutter allein großgezogen – wir waren fünf Kinder und lebten in einem der größten Slums Ugandas. Das Leben war hart, da meine Mutter allein für uns sorgen musste.

Wir hatten kaum Zugang zu Bildung oder medizinischer Versorgung, und oft fehlte es sogar an Nahrung.

Ich träumte davon, Sängerin oder Musikerin zu werden, wurde jedoch entmutigt, weil ich ein Mädchen bin. Viele glauben, dass Jungen mehr Recht auf Bildung hätten, während Mädchen auf Ehe und Hausarbeit vorbereitet werden sollen.

Wegen der schlechten Lebensbedingungen war ich oft krank.

Eines Tages hörte ich Musik – harmonisch und melodisch – und folgte den Klängen. Ich fand eine Gruppe junger Menschen beim Musizieren und war sofort fasziniert von den glänzenden Instrumenten.

Ich wurde in die GLONEVA Brass Band aufgenommen, die von Brass for Africa unterstützt wird. Dort lernte ich Posaune und entwickelte wichtige Lebenskompetenzen.

Zum ersten Mal hatte ich Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

2025 durfte ich als Solistin mit dem North Netherlands Orchestra in den Niederlanden auftreten.

Heute inspiriere ich junge Mädchen in meiner Gemeinschaft und gebe ihnen eine Stimme.

Ich bin stolz, Teil von Brass for Africa zu sein – und ich glaube fest daran: Durch Musik ist alles möglich.

NATASHA JOY KILANDE – 22, TENORHORN

Ich lebte wie eine Prinzessin – bis mein Vater starb, als ich vier Jahre alt war. Danach verloren wir alles. Verwandte beschuldigten meine Mutter, ihn aus Habgier getötet zu haben, und nahmen uns unser Eigentum weg.

Wir mussten ins Dorf zurückkehren, wo das Leben sehr hart war.

Ich dachte daran, die Schule abzubrechen, um meine Mutter zu unterstützen, die als Schneiderin arbeitete. Mein älterer Bruder brach die Schule ab, er wurde drogenabhängig und gewalttätig.

Mit 17 verließ ich mein Zuhause und versuchte, allein zu überleben. Ich begann aber selbst mit dem Alkohol- und Drogenkonsum. In dieser Zeit schlug ich mich mit Gelegenheitsjobs durch.

Mein Leben änderte sich grundlegend, als ich der GLONEVA Brass Band beitrat. Ich war fasziniert von den Fähigkeiten der anderen und von der Kraft der Musik.

Die Disziplin in der Band half mir, mein Leben neu auszurichten. Ich hörte auf, Drogen und Alkohol zu konsumieren.

Früher schämte ich mich für meine Geschichte – heute nutze ich sie, um anderen Mut zu machen. Ich bin ein Vorbild und inspiriere andere.