#WirSindBSO

Die Berufe an der Bayerischen Staatsoper sind so vielseitig und bunt wie ihre Mitarbeiter:innen und so spannend und abwechslungsreich wie der abendliche Zauber auf der Bühne. Doch wer sind die Menschen, die täglich dafür sorgen, dass der Vorhang sich öffnet? Und wie sieht der Alltag hinter den vielfältigen Berufsbildern unseres Opernhauses aus?

Wir stellen Ihnen hier regelmäßig Mitarbeiter:innen vor, die aus verschiedenen Bereichen des Hauses auf unserer "Seufzerbrücke" zusammenkommen – der Verbindung zwischen dem Nationaltheater und dem dahinterliegenden Proben-Neubau. Denn selbst wer sich schon Jahre lang kennt, weiß oft nicht, welche Geschichten und Überraschungen sich hinter den Tätigkeit der Kolleg:innen verbergen.

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#2 WirSindBSO

mit Katarina Ravlic (Ausstattungsassistentin) und Serge Honegger  (Dramaturg Bayerisches Staatsballett)

Serge Honegger und Katarina Ravlic auf der „Seufzerbrücke“

Es kommt eigentlich nie vor, dass sich die Wege der Ausstattungsassistentin und des Ballett-Dramaturgen im Arbeitsalltag kreuzen. Umso interessanter also, dass sie sich jetzt kennen lernen. Warum ist Serge fasziniert von einem Ballett, das keine Geschichte erzählt? Und wofür braucht Katarina eigentlich einen Dreikant?

K: Serge, was ist denn dein Job?
 
S: Ich bin seit eineinhalb Jahren Dramaturg beim Bayerischen Staatsballett. Im Moment betreue ich Cinderella. Und was machst du?
 
K: Ich bin seit der Spielzeit 2018/19 Bühnenbildassistentin in der Oper, also das Bindeglied zwischen Technik und Kunst. Wir sind dafür zuständig, dass der Entwurf des Bühnenbildners so umgesetzt wird, wie es seiner Idee entspricht.
 
S: Und womit hast du dich denn ganz konkret heute beschäftigt?
 
K: Heute war ich in Poing in den Werkstätten. Denn neben dem Bühnenbild und den Bühnenbildnern sind wir auch dafür zuständig, dass die Werkstätten alle Infos bekommen. Und auch, dass wir da einfach zwischen Bühnenbildnern und den einzelnen Gewerken vermitteln. Wie sah dein Tag heute aus?
 
S: Vermittlung ist bei mir auch immer ein großes Thema. So hatten wir heute eine Gruppe Studierender hier, denen wir Besonderheiten von Oper und Ballett erklärt haben. Und gleich nach unserem Gespräch muss das Cinderella-Programmheft in den Druck. Gibt es etwas, was dir besonders Spaß macht, Katarina?
 
K: Am meisten Spaß macht mir die Arbeit mit den vielen unterschiedlichen Menschen. Also erstens einmal die Künstler aus aller Welt, von denen man wirklich wahnsinnig viel lernen kann. Und dann natürlich auch die einzelnen Gewerke hier, das ist so vielseitig und wirklich sehr spannend. Und bei dir?
 
S: Wenn wir anfangen zu proben, gibt es oft noch gar kein Stück. Zum Beispiel wenn wir auf eine bestimmte Musik ein neues Ballett machen, gibt es noch gar keine Geschichte oder erst eine ungefähre Struktur. Das mit den Choreographen zu entwickeln, ist für mich immer ein sehr faszinierender Prozess.
 
K: Dann entwickelt sich oft die Geschichte aus dem Tanz und der Musik, oder?
 
S: Ja, meistens fängt es mit einer Musik an und dann bespricht man, was das für ein Ablauf sein könnte. Manchmal wird es zu einer Erzählung und manchmal bleibt es abstrakt. Diesen Austausch mit dem Choreografen, das finde ich toll. Ich selber kann nicht tanzen, gar nicht. Nur im Traum.
 
K: Was ist dein Lieblingsort in der Oper?
 
S: Mein Lieblingsort ist die Kaffeebar in der Kantine. Da fühle ich mich ganz wie in Italien. Und deiner?
 
K: Ich habe viele Lieblingsorte, aber ein sehr interessanter Ort ist die Unterbühne. Zu sehen, wie dieser ganze Mechanismus, dieser Apparat funktioniert. Das ist schon sehr beeindruckend.
 
S: Was hast du denn für ein Objekt zu diesem Gespräch mitgenommen?
 
K: Das ist der Dreikant hier. Der hat sechs verschiedene Maßstab-Skalen und den benötigen wir ziemlich häufig bei Besprechungen, weil ja die Bühnenbildner ihre Pläne abgeben und wir dann in verschiedenen Maßstäben diese Maße auslesen. Und dein Gegenstand?
 
S: Mit den Kopfhörern bereite ich die meisten Stücke vor. Da sitze ich im Zug und höre mir die Musik an und bin ganz bei Prokofjew oder was auch immer. Dabei entwickeln sich meistens schon einige Bilder oder ein paar Themen.
 
K: Und was ist dein Lieblingsstück, oder auch aus dramaturgischer Sicht, das ausdrucksstärkste?
 
S: Ich war vor kurzem in Jewels - man denkt, Jewels sieht so klassisch aus. Aber es ist total modern. Gerade weil es nicht mit einer Geschichte spielt. Es sieht so glitzerig aus, aber es ist ein Kommentar zu unserer Zeit. Es stellt die Frage nach den Körpern. Und das hat mich total fasziniert. Hast du eine Produktion oder ein Bühnenbild, die dir besonders nahe stehen?
 
K: Oh, das ist wahnsinnig schwer. Aber Das schlaue Füchslein, was dann im Januar kommt, hat eine sehr besondere Ästhetik. Es ist funkelnd und glitzernd und abstrahiert diese Waldszene sehr. Das finde ich wahnsinnig interessant.

Das Protokoll führte Franziska Häberlein, Praktikantin im Pressebüro der Bayerischen Staatsoper.

#1 WirSindBSO

mit Mia Huppert (Assistentin der Musikalischen Direktion) und Nico Sutter (Referent des Technischen Direktors)

Mia Huppert und Nico Sutter auf der "Seufzerbrücke"

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen technischer und musikalischer Direktion? Welche Büros haben den schönsten Alpenblick? Und warum haben Mia und Nico Kastagnetten und einen Feuerlöscher mitgebracht? Die beiden haben sich verabredet, um über ihre Aufgaben an der Bayerischen Staatsoper zu sprechen und sind gespannt, was der bzw. die andere denn eigentlich so den lieben langen Tag macht.

M: Nico, was machst du hier eigentlich den ganzen Tag?
 
N: Ich bin Referent des technischen Direktors, kümmere mich zum Beispiel um den Brandschutz, die Budgets bei den Neuproduktionen und den Kontakt zu den externen Spielstätten. Ich bin sozusagen der zentrale Ansprechpartner für die Technik. Und du?
 
M: Ich bin eigentlich das Pendant zu dir in der musikalischen Direktion. Ich kümmere mich um die Belange von unseren Orchestermitgliedern, bin zuständig für die komplette Organisation der Orchesterakademie, mache auch bei uns die Budgets und sonst alles, was an Administrativem fürs Orchester anfällt.
 
N: Wie lange bist du denn schon da, Mia?
 
M: Ich bin seit 2017 da. Allerdings war ich das erste Jahr noch die persönliche Assistentin vom damaligen Generalmusikdirektor, Kirill Petrenko. Wie lange bist du schon da?
 
N: Seit Januar 2012 - ich gehöre schon bald zum Inventar. Fest eingebaut, aber trotzdem flexibel.
 
M: Bald Zehnjähriges! Und was macht dir hier Spaß an der Arbeit?
Für mich ist es vor allem die Abwechslung: Dadurch, dass man sich um 140 Musiker:innen kümmert, kann man morgens nie genau sagen, was passieren wird. Es ist irgendwie immer spannend und immer anders. Und natürlich die Nähe zu den Künstler:innen und zur Musik. Ja und was macht dir Spaß?
 
N: Bei mir ist es auch sehr ähnlich. Ich habe immer mit neuen Herausforderungen zu tun. Von Anträgen für Portalfahnen bis hin zur Sicherheitsbegehung… Außerdem man darf nie vergessen: Wir sind ja extrem privilegiert hier - wir dürfen hauptberuflich Kunst machen! Und das ist ein Privileg, das ich auch als solches empfinde.
 
M: Ja, das sehe ich ganz genauso. Und was ist dein Lieblingsort im ganzen Theater?
 
N: Ich bin zum Beispiel sehr gerne auf unserem grünen Grasdach bei den Bienen. Das gefällt mir sehr gut. Wo ich immer ein bisschen „fremdgehe“, das ist bei den Schuhmachern. Die haben einen so unglaublich tollen Arbeitsplatz. Die sehen über die ganze Alpenkette - und dort oben Kaffee zu trinken, das ist fast wie Urlaub. Und du?
 
M: Das ist schwer. Ich finde, es gibt ganz viele tolle Orte in der Oper. Aber einen, den ich besonders mag, ist die Engelsloge. Da ist die Akustik besonders gut. Und da ist man irgendwie so schön oben versteckt…
 
N: Was hast du denn da überhaupt dabei?
 
M: Ich habe da ein paar nigelnagelneue Kastagnetten dabei. Zu meinem Job gehört unter anderem auch Instrumente zu kaufen. Eigentlich liegt jede Woche irgendwas an Schlagwerk auf meinem Schreibtisch… Und die Anwesenheitsliste der Musiker:innen. Die brauche ich echt jeden Tag.
 
M: Und du? Feuerlöscher! Damit habe ich ja fast gerechnet.
 
N: Ich bin seit 2015 Brandschutzbeauftragter hier am Haus. Das ist eine große Aufgabe, deswegen der Feuerlöscher! Für die Pyrotechnik auf der Bühne müssen wir oft Handfeuerlöscher direkt daneben stellen, um zu verhindern, dass irgendein Funkenregen etwas anzündet.
 
M: Was war die bisher aufwändigste oder spektakulärste Produktion aus technischer Sicht für dich?
 
N: Da fallen mir mehrere ein. Tannhäuser. Oder Babylon zum Beispiel. Da ist zum Schluss die Mauer von Babylon umgefallen, Richtung Zuschauer, da haben wir vorne ein großes Netz aufgespannt. Und dann ist richtig so eine neun Meter hohe Mauer nach vorne weggekippt. Das war ziemlich beeindruckend.

Das Protokoll führte Franziska Häberlein, Praktikantin im Pressebüro der Bayerischen Staatsoper.