#WirSindBSO

Die Berufe an der Bayerischen Staatsoper sind so vielseitig und bunt wie ihre Mitarbeiter:innen und so spannend und abwechslungsreich wie der abendliche Zauber auf der Bühne. Doch wer sind die Menschen, die täglich dafür sorgen, dass der Vorhang sich öffnet? Und wie sieht der Alltag hinter den vielfältigen Berufsbildern unseres Opernhauses aus?

Wir stellen Ihnen hier regelmäßig Mitarbeiter:innen vor, die aus verschiedenen Bereichen des Hauses auf unserer "Seufzerbrücke" zusammenkommen – der Verbindung zwischen dem Nationaltheater und dem dahinterliegenden Proben-Neubau. Denn selbst wer sich schon Jahre lang kennt, weiß oft nicht, welche Geschichten und Überraschungen sich hinter den Tätigkeit der Kolleg:innen verbergen.

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#4 WirSindBSO

mit Theresa Kellner (Mitarbeiterin Maske) und Catherine Leiter (Leitung Community/Kind&Co)

 

Welchen Gegenstand habt ihr zum Interview mitgebracht und warum habt ihr euch genau für diesen entschieden?

TK: Ich habe eine Knüpfnadel dabei, weil wir hier am Haus die Perücken selber herstellen und mit dieser kleinen Nadel die Haare einzeln in die Perücke einknoten. Eine Perücke dauert ungefähr zwei Wochen und ist deshalb ein großer Teil unserer Arbeit.

CL: Ich habe eine Kind & Co. Broschüre mitgebracht, von der wir drei pro Jahr herausgeben. Dafür ist hauptsächlich meine Kollegin Julia zuständig. In dieser Broschüre kann man sich über das Programm der nächsten drei Monate informieren: Es gibt einen bunten Mix aus Reportagen aus dem Haus, Spiele für die Kinder und Vorankündigungen. Besondere Highlights sind unsere Kinderprojekte, Tanzprojekte und Workshops mit begleitendem Programm. Manchmal auch Reportagen aus dem Haus, so wie in der aktuellen Broschüre über unsere Rüstmeister.

 

Was sind eure täglichen Aufgaben?

TK: Also wir unterscheiden zwischen Tagesdienst und Vorstellungsdienst. Zum Tagesdienst gehört hauptsächlich Haarteile aufbereiten, Perücken herstellen, Perücken frisieren und alles für die Vorstellung organisieren und vorbereiten. Beispielsweise müssen Prosthetics produziert, Masken repariert und alles sauber gehalten werden.

Während des Vorstellungsdienstes sind wir eine der letzten Anlaufstellen für die Darsteller:innen, bevor es auf die Bühne geht. Hierbei ist unsere Aufgabe, mit Frisur, Make-up und gelegentlich Gesichtsteilen den zuspielenden Charakter der Künstler:innen zu unterstreichen.

CL: Wir sind zu viert in der Abteilung Community Kind & Co. und haben zwei Schwerpunkte. Einerseits das ganze Kinder- und Jugendprogramm von Kind & Co. und andererseits das Community-Programm. Das heißt, wir erstellen Konzepte für neue Formate, also für neue Kinderopern. Gemeinsam mit dem Ballett schaffen wir Tanzstücke für Kinder und konzipieren zusammen mit dem Orchester kleinere und größere Kinderkonzerte. Darüber hinaus erstellen wir jede Menge Workshops im Haus zu unseren Familienvorstellungen und bieten zu diesen auch Einführungen für Kinder an. Außerdem haben wir ein sehr großes Schulprogramm, beschäftigen uns also auch mit kultureller Bildung.

Und dann gibt es noch das ganze Community-Programm. Da ist ein ganz großer Schwerpunkt im Moment <30, also wie wir uns neue Formate auch für jüngere Leute ausdenken und diese somit langfristig für das Haus begeistern können. Das ist ein abteilungsübergreifendes Projekt mit der Kommunikationsabteilung. Die Zusammenarbeit mit mehreren Abteilungen bereitet uns besonders viel Freude. Außerdem machen ein ganz spannendes Community-Projekt in Freiham, ganz im Westen von München, welches sich Westwind nennt. Dort läuft ein Bürger:innen-Chor, den wir aufgebaut haben, sowie ein Kinderchor und ein Theatercamp. Wir laden die Freihamer auch immer wieder gerne zu uns ein. Schlussendlich sollen in Freiham 35.000 Menschen leben, also eine Kleinstadt. Wir bauen uns hier ein Netzwerk auf, mit sozialen und kulturellen Einrichtungen vor Ort, sprechen mit den Menschen und suchen Multiplikator: innen, die die Bayerische Staatsoper in den neuen Stadtteil bringt.

 

Was an eurer Arbeit bereitet euch besonders viel Freude? (Gibt es etwas an eurer Arbeit was euch besonders viel Freude bereitet?)

TK: Desto größer die Veränderung am Menschen, desto mehr Spaß macht es! Wenn man am Ende das Ergebnis sieht und den Menschen, der vorher da saß nicht mehr erkennt, beispielsweiße bei der Verwandlung in ein Monster oder in eine alte Frau. Aber eine Balletttänzerin schön herzurichten, um ihr Selbstbewusstsein zu unterstützen macht auch sehr viel Spaß! Die Abwechslung ist das Schöne an meinem Job.

CL: Bei uns ist es hauptsächlich, diese Begeisterung zu schaffen und direkt immer etwas zurückzubekommen. Wenn wir sehen, dass das Konzept aufgeht und die Kinderopern die Kinder begeistern. Wie jetzt bei Max und die Superheld:innen, als die Kinder strahlend das Haus verlassen haben und immer noch die Melodien trällern. Auch der Kontakt mit Menschen, die zum ersten Mal hier bei uns in der Oper sind und dann ganz verwundert sind was hier alles passiert. Das ist eigentlich eines der schönsten Dinge, auch bei uns.

 

Könnt ihr von einem besonders herausfordernden Projekt, an dem ihr gearbeitet habt, erzählen oder von bestimmten Herausforderungen oder Schwierigkeiten mit denen ihr regemäßig konfrontiert werdet und wie ihr damit umgeht?

TK: Schwierigkeiten sind unter anderem, dass wir viel mit giftigen Gefahrenstoffen arbeiten und diese natürlich so reduzieren müssen, dass wir uns selbst nicht in Gefahr begeben. Oder auch die Größe unseres Chores. Wenn es beispielsweise kurzfristig Änderungen gibt - schnell mal eine Perücke herzustellen, ist nicht so leicht. Dann geht es darum Alternativen zu finden, wie zum Beispiel eine andere Perücke einfach abzuändern. Deswegen wird dann aus dem Fundus gearbeitet.

CL: Bei uns sind die größten Herausforderungen Formate, die nicht im Haus stattfinden, so wie Westwind. Da wir erstmal die Leute alle kennenlernen müssen und schauen, wie dort vor Ort alles funktioniert. Letztes Jahr hatten wir eine Jugendoper, im Backstage Kulturzentrum. Da die verschiedenen Welten zusammenzubringen, das war auch eine sehr große Herausforderung, aber schön!

 

Wie wichtig ist es, eine gute Beziehung zu den Künstler:innen aufzubauen?

TK: Wenn ein Mensch mit einer positiven Stimmung reinkommt, dann macht die Arbeit auch gleich mehr Spaß! Also ich finde eine gute Beziehung zu den Künstler:innen ist sehr wichtig. Und natürlich die gegenseitige Wertschätzung.

CL: Absolut, da kann ich nur zustimmen! Bei uns ist auch sehr wichtig, mit den Künstler:innen eine gute Beziehung aufzubauen. Wir entwickeln ja ganz viele gemeinsame Projekte, da geht's gar nicht anders.

 

Äußern Künstler:innen oftmals ihre Wünsche und inwiefern beeinflussen diese eure Arbeit?

TK: Also bei uns kommt es schon vor, dass Künstler:innen manchmal bestimmte Schminke nicht vertragen oder Frauen denen ein Bart geklebt wurde damit nicht singen können, da müssen wir Alternativen finden. Aber wir sind im Endeffekt nur die ausführende Kraft.

CL: Bei uns ist es oft schwierig, weil Kinderoper natürlich hier im gesamten Betrieb mit funktionieren muss und oft in kleinen Nebenräumen, wie beispielsweise auf der großen Probebühne, stattfindet. Dann geht es darum, einen guten Kompromiss mit den Künstler:innen zu finden, die natürlich manchmal gerne eine größere Bühne hätten. Aber das gelingt meistens ganz gut.

 

Gibt es Überschneidungen zwischen der Maske und Kind &Co Community?

TK: Wir betreuen solche Stücke wie Max und die Superheld:innen und machen Frosch-Masken, Tiere und ganz große lustige Perücken, was sehr viel Spaß macht. So eine verrückte große Perücke ist mit mehr Witz verbunden, als eine schöne Opern-Perücke.

CL: Und bei uns gibt es natürlich direkt die schönen Rückmeldungen. Beim Mondbär zum Beispiel oder bei Max und die Superheld:innen durfte auch der Kinderchor selbst diese Masken aufsetzen. Das war herrlich, das haben sie geliebt! Also, sie sind sehr dankbar.

 

Gibt es einen Tag, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

CL: Für mich tatsächlich Max und die Superheld:innen, als die Kinder die Masken gesehen haben. Diese Begeisterung, sich in Tiere zu verwandeln. Die Kinder im Publikum waren auch wahnsinnig fasziniert, als sie die Tiere raus hoppeln gesehen haben. Und man konnte niemanden erkennen.

TK: Meine allererste Oper generell, und auch hier im Haus, war Die Vögel. Ich war von Anfang dabei und habe alles miterlebt, wie dieses ganze Stück entstanden ist. Das war sehr, sehr beeindruckend. Ich habe auch viel Probe-Maske mitgemacht und immer bei den Proben mitgeschminkt.

CL: Oh voll gut, klingt super spannend!

TK: Das war richtig schön!

CL: Ja, bei Die Vögel gab es auch wirklich viel zu sehen und zu tun!

 

Welche Opern mögt ihr selbst am liebsten?

TK: Lieblingsballett könnte ich sagen! Alice im Wunderland finde ich absolut schön. Liebe ich total!

CL: Ich habe ganz viele Lieblingsopern. Ich mag besonders gerne Barock und Händel-Opern. Dieses Jahr freue ich mich besonders auf Le Grand Macabre. Aber auch Die Fledermaus, die ja gerade am Haus läuft, kann mich begeistern. Ich habe lange in Wien gewohnt und bin dadurch natürlich sehr verbunden damit. Peter Grimes und Porgy und Bess gefallen mir auch besonders gut.

 

Wie würdet ihr die einzigartige Atmosphäre an der Oper beschreiben?

CL: Ich würde sagen es bleibt immer spannend!

TK: Man selbst ist ein kleiner Teil eines großen Ganzen, aber wenn man wegfällt funktioniert es trotzdem nicht.

#3 WirSindBSO

mit Claudia Küster (Leitung des Betriebsbüros) und Klaus Müller (Stellv. Technischer Direktor)

 

KM: Claudia, seit wann bist du hier am Haus?

CK: Seit 41 Jahren, weil ich mit der Kinderstatisterie und Kinderballett angefangen habe. In meiner jetzigen Abteilung, dem KBB, bin ich seit 23 Jahren.
Bin ich länger im Haus als du?

KM: Wenn du die Kinderstatisterie mit dazu nimmst, dann ja. Ich bin seit 1988, mit einer kleinen Unterbrechung, hier am Haus.

CK: Wir sind quasi die Urgesteine hier und inventarisiert.

KM: Ja, wir sind so ziemlich die letzten unter denen, die seit der langen Zeit noch am Haus sind.

Was sind eure täglichen Aufgaben?

KM: Ich sehe dich entweder immer ganz schnell über irgendeinen Gang huschen oder hinter deinem Schreibtisch in den Rechner schauen.

CK: Und ich habe immer mindestens ein zwei Telefone dabei.

KM: Das stimmt.

CK: Oder drei.

KM: Du bist manchmal auch schwer zu erreichen, besonders mittags.

CK: Das stimmt, aber ich mache schließlich auch den Probenplan für rund 1.000 Mitarbeiter hier am Haus. Das heißt, ich habe von 9.00 Uhr bis 14.00 Hochzeit. Ich sammle alle Informationen darüber, in welchen Probenräumen und Musikzimmern hier am Haus Aktivitäten, Coachings, szenische oder musikalische Proben stattfinden.

KM: Das ist auch ein Teil meiner Aufgaben. Ich setze das um, was du in den Probenplan schreibst.

CK: Oftmals habe ich viele Fragen. Deswegen geht einer der Telefonanrufe, die ich täglich mache, mit Sicherheit an deine Nummer, um nachzufragen, welche Aktivitäten wann auf der Bühne stattfinden. Häufig frage ich auch nach, wer den technischen Vorstellungsdienst hat oder welche Details für technische Proben, Beleuchtungsproben oder Bühnenproben benötigt werden.

KM: In meiner Position als Leiter der Bühnentechnik bin ich zuständig für die tägliche Arbeit auf der Bühne und bin ich für die Planung auf der Bühne verantwortlich, also wann wird etwas aufgebaut oder abgebaut. Außerdem bin ich Teil der Spielplanerstellung und überlege, ob bestimme Bühnenkonstellationen realisierbar sind. Wir haben nämlich gewisse Parameter, wo Bühnenbilder aufgebaut werden und da muss man abwiegen, ob die Auf- und Abbauzeit funktioniert, da die Bühne auch manchmal voll belegt ist.

CK: Man kann eigentlich sagen, dass das was du langfristig planst, ich in der täglichen kurzfristigen Planung auf den Prüfstand stelle. Also es erweist sich, dass das was langfristig geplant ist, in der kurzfristigen Umsetzung funktionieren muss, damit wir uns nicht täglich bei irgendwelchen Aktivitäten selbst blockieren.

KM: Das schwierige bei der Kunst ist, dass wenn wir hier eine Neuinszenierung haben, immer noch viele Kleinigkeiten dazukommen und wir dann häufig über dem normalen Parameter von 2 Bühnenwägen sind. Der festgelegte Parameter hat die Größe 12 auf 20 Meter. Die Dekoration darf dann im auf- und abgebauten Zustand eigentlich nur so groß sein.

CK: Das sind auch die Unwägbarkeiten, die man in der langfristigen Planung noch gar nicht kennen oder wissen kann und die dann im Endeffekt genau das sind, was wir in der Umsetzung von Tag zu Tag schaffen, berücksichtigen und bewältigen müssen. Wir müssen aber auch in der langfristigen Planung schauen, dass ein bisschen Flexibilität erhalten bleibt, um dann im Bedarfsfall noch kurzfristig reagieren zu können. Manchmal haben wir eine Probe auf 10.00 Uhr angesetzt, aber dann müssen wir mit deiner Hilfe kurzfristig auf 11.00 Uhr gehen, damit dann alles rechtzeitig fertig ist, was der Bühnenbildner und Regisseur auf der Bühne haben möchten.

KM: Wir sind hier ein großer Tanker, der auch verhältnismäßig schwerfällig ist, da so viele verschiedene Abteilungen an einem Werk arbeiten. All das unter einen Hut zu bekommen ist langfristig nicht planbar. Deswegen haben wir auch öfter Verschiebungen, da wir nicht rechtzeitig fertig werden. Das kann daran liegen, dass ein Werk am Vorabend länger gedauert hat oder der Abbau länger dauert. Auch wenn ein Regisseur am nächsten Morgen die Originaldekoration auf der Bühne braucht kann es zu Verzögerungen kommen. Der Tag hat auch nur 24 Stunden und auch wir schaffen es nicht den Tag auf 36 Stunden auszudehnen, auch wenn wir das öfter müssten.

CK: Aber, wenn es um einen Tanker geht, haben wir beide unser Logbuch dabei, in dem alle Details eingetragen werden und dann alle detaillierten Informationen zielgerichtet an die einzelnen Abteilungen, die an einer Probe oder Vorstellung beteiligt sind, weitergereicht werden. Damit weiß jeder genau wie und wo er sein sollte.

KM: Wenn alles perfekt klappt, gehen unsere Planungen hoffentlich genau auf.

Was macht euch beiden besonders Spaß an der Arbeit?

CK: Besonders Spaß macht die Zusammenarbeit mit vielen netten Kollegen und Kolleginnen, denn nur, wenn wir uns im Kollegenkreis gut verstehen und uns miteinander austauschen können funktioniert dieses System Tanker. Dabei unterstützt eine Hand die andere und man eilt einander zur Hilfe, damit man nicht kentert oder scheitert. Das ist besonders wichtig.
Oder auch an jedem Tag mit Dingen zu tun zu haben, mit denen man nicht gerechnet hat, aber die eigentlich immer etwas Schönes sind. Wir haben ja hier einen Arbeitsplatz an dem wir mit guten und schönen Dingen zu tun haben und das ist eine Bereicherung und ein großes Geschenk.

KM: Da muss ich der Claudia zustimmen. Es ist ein freudiger Arbeitsplatz und man ärgert sich zwar sehr oft am Tag, aber wenn dann wegen einer Sache und nicht wegen irgendwelchen Leuten.
Es geht rein um das Produkt und wenn dann etwas nicht richtig funktioniert, ist man ärgerlich. Man hat einen gewissen Anspruch und wir planen etwas und dann kommt etwas dazwischen, was dann keinen Spaß macht. Aber im Grunde ist es ein wunderbarer Arbeitsplatz. Und man muss fürs Theater geboren sein, sonst hält man das nicht aus.

CK: Es ist eine große Liebe und Leidenschaft und es ist schön, dass man diese täglich leben darf.

Was ist euer liebster Platz im Haus?

CK: Ich würde mal behaupten das ist für uns beide die Bühne, weil es das Zentrum des Universums ist, so wie Shakespeare sagen würde, „Die Bretter, die die Welt bedeuten“.
Aber das ist der schönste Platz, vor allem am Nachmittag, vielleicht in der Technikpause, wenn das Bühnenbild halb aufgebaut ist und der Zuschauerraum hell erleuchtet und leer ist und das, was Abend 2100 Menschen genießen können für einen ganz kurzen Augenblick für sich alleine hat. Das ist schon ein Exklusivrecht, was etwas ganz Besonderes und ein Geschenk ist.

KM: Im Lauf der Jahre lernt man so viele Opern kennen und wenn ich ehrlich bin, konnte ich bevor ich an der Bayerischen Staatsoper begonnen habe nicht viel mit klassischer Musik anfangen, aber im Laufe der Jahre lernt man es lieben und durch meine verschiedenen Aktivitäten in verschiedenen Opernhäusern ist Richard Wagner ganz schwer zu meinem Favoriten geworden. Ich liebe Wagner und wir hier am Haus hatten eine ganz tolle Ringinszenierung in den 80er Jahren, Ring of Wonder, was eines meiner Lieblingsstücke hier an der Bayerischen Staatsoper ist, wie auch auch Cardillac.
Das sind meine Highlights.

Was sind außer den eben schon genannten Stücken eure Lieblingsopern?

CK: Das ist quasi der einzige Punkt, in dem wir unterschiedlicher Meinung sind, aber auch sehr bemüht sind, uns gegenseitig an die jeweils andere Materie heranzuführen. Ich liebe Barockopern und bin sozusagen der Händeliander, nicht der Wagnerianer.
Wir haben aber auch schon versucht, uns gegenseitig in Händel Werke, oder Wagner Stücke mitzunehmen, aber Gegensätze ziehen sich ja an.
Bei den Festspielen freut er sich auf Tristan und Lohengrin und ich freue mich auf Semele und Dido.

KM: Genau da hat jeder etwas.

CK: Auch da haben wir gut geplant.

Gibt es einen Tag, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

KM: Ja, mein erster Arbeitstag an der Bayerischen Staatsoper. Da habe ich gesagt, ich bleibe keine Woche am Theater, weil du zuerst 20 motivierte Techniker hast und dann kommt ein Container mit Einzelteilen rein und plötzlich entsteht völliges Chaos. Irgendwie aber ein geordnetes Chaos.
Aber wenn du nicht vom Theater kommst, dann kennst du das nicht und denkst dir nur, was passiert hier. Und das war mein erster Arbeitstag, der mir so in Erinnerung geblieben ist und ich dachte, das halte ich nicht aus. Und jetzt sind es doch ununterbrochen 35 Jahre Theater.

CK: Ganz ehrlich, ich werde ja nie die Holländer Premiere vergessen. Er spricht gerade so schön von den Technikkollegen, ohne die wir ja hier gar nicht auskämen, die aber natürlich auch im Streikfall, oft auch trotz Streik so viel Unterstützung bieten, dass eine Vorstellung nicht abgesagt werden, sondern stattfinden kann. In dem Fall springen dann all jene, die NV-Bühnen- oder Soloverträge haben, so wie ich, in die Bresche und übernehmen Aufgaben im Backstage Bereich, im technischen Bereich oder im Kostümbereich, die man als Laie übernehmen kann, ohne in irgendeiner Form Abläufe zu gefährden.
Und damals hatten wir hier am Haus Holländer Premiere während dem Streik, und die Frau von Klaus Müller, die auch hier arbeitet und ich standen unter seiner Ägide und mussten bei einem sehr schwierigen technischen Umbau schnell nach seinen Anweisungen handeln. Ich kann sagen, es ist uns gelungen, denn wir hatten einen guten Chef. Wir beide, Sabi und ich, erinnern uns noch sehr gerne und oft gemeinsam daran.

KM: Das stimmt. Es war ein besonderes Erlebnis in der Streikphase eine Premiere zu machen. Es war zwar nicht toll für die Kollegen, dass man das trotz Streik gemacht hat, da man ihnen damit eigentlich an den Karen fährt damit, aber es war trotzdem eine Herausforderung, mit vielen Kollegen aus anderen Abteilungen auf der Bühne mal schnell Verwandlung zu machen, in der ein komplettes Bühnenbild gewechselt wird. Es war eine Herausforderung.

CK: Wir hatten die bestmögliche Anleitung, das muss man schon sagen. Aber das war ein ganz spezieller Moment, und ich glaube auch, das ist ein bisschen typisch für das Münchner Publikum, die in diesen Situationen sehr verständnisvoll und kulant reagieren, aber auch sehr schätzen, wie sehr man sich einsetzt, damit eine Vorstellung gut über die Bühne gehen und gelingen kann

KM: Und es hat hervorragend funktioniert.

Das Gespräch führte Anna Weigelt, Praktikantin im Pressebüro.

#2 WirSindBSO

mit Katarina Ravlic (Ausstattungsassistentin) und Serge Honegger  (Dramaturg Bayerisches Staatsballett)

 
Serge Honegger und Katarina Ravlic auf der „Seufzerbrücke“

Es kommt eigentlich nie vor, dass sich die Wege der Ausstattungsassistentin und des Ballett-Dramaturgen im Arbeitsalltag kreuzen. Umso interessanter also, dass sie sich jetzt kennen lernen. Warum ist Serge fasziniert von einem Ballett, das keine Geschichte erzählt? Und wofür braucht Katarina eigentlich einen Dreikant?

K: Serge, was ist denn dein Job?
 
S: Ich bin seit eineinhalb Jahren Dramaturg beim Bayerischen Staatsballett. Im Moment betreue ich Cinderella. Und was machst du?
 
K: Ich bin seit der Spielzeit 2018/19 Bühnenbildassistentin in der Oper, also das Bindeglied zwischen Technik und Kunst. Wir sind dafür zuständig, dass der Entwurf des Bühnenbildners so umgesetzt wird, wie es seiner Idee entspricht.
 
S: Und womit hast du dich denn ganz konkret heute beschäftigt?
 
K: Heute war ich in Poing in den Werkstätten. Denn neben dem Bühnenbild und den Bühnenbildnern sind wir auch dafür zuständig, dass die Werkstätten alle Infos bekommen. Und auch, dass wir da einfach zwischen Bühnenbildnern und den einzelnen Gewerken vermitteln. Wie sah dein Tag heute aus?
 
S: Vermittlung ist bei mir auch immer ein großes Thema. So hatten wir heute eine Gruppe Studierender hier, denen wir Besonderheiten von Oper und Ballett erklärt haben. Und gleich nach unserem Gespräch muss das Cinderella-Programmheft in den Druck. Gibt es etwas, was dir besonders Spaß macht, Katarina?
 
K: Am meisten Spaß macht mir die Arbeit mit den vielen unterschiedlichen Menschen. Also erstens einmal die Künstler aus aller Welt, von denen man wirklich wahnsinnig viel lernen kann. Und dann natürlich auch die einzelnen Gewerke hier, das ist so vielseitig und wirklich sehr spannend. Und bei dir?
 
S: Wenn wir anfangen zu proben, gibt es oft noch gar kein Stück. Zum Beispiel wenn wir auf eine bestimmte Musik ein neues Ballett machen, gibt es noch gar keine Geschichte oder erst eine ungefähre Struktur. Das mit den Choreographen zu entwickeln, ist für mich immer ein sehr faszinierender Prozess.
 
K: Dann entwickelt sich oft die Geschichte aus dem Tanz und der Musik, oder?
 
S: Ja, meistens fängt es mit einer Musik an und dann bespricht man, was das für ein Ablauf sein könnte. Manchmal wird es zu einer Erzählung und manchmal bleibt es abstrakt. Diesen Austausch mit dem Choreografen, das finde ich toll. Ich selber kann nicht tanzen, gar nicht. Nur im Traum.
 
K: Was ist dein Lieblingsort in der Oper?
 
S: Mein Lieblingsort ist die Kaffeebar in der Kantine. Da fühle ich mich ganz wie in Italien. Und deiner?
 
K: Ich habe viele Lieblingsorte, aber ein sehr interessanter Ort ist die Unterbühne. Zu sehen, wie dieser ganze Mechanismus, dieser Apparat funktioniert. Das ist schon sehr beeindruckend.
 
S: Was hast du denn für ein Objekt zu diesem Gespräch mitgenommen?
 
K: Das ist der Dreikant hier. Der hat sechs verschiedene Maßstab-Skalen und den benötigen wir ziemlich häufig bei Besprechungen, weil ja die Bühnenbildner ihre Pläne abgeben und wir dann in verschiedenen Maßstäben diese Maße auslesen. Und dein Gegenstand?
 
S: Mit den Kopfhörern bereite ich die meisten Stücke vor. Da sitze ich im Zug und höre mir die Musik an und bin ganz bei Prokofjew oder was auch immer. Dabei entwickeln sich meistens schon einige Bilder oder ein paar Themen.
 
K: Und was ist dein Lieblingsstück, oder auch aus dramaturgischer Sicht, das ausdrucksstärkste?
 
S: Ich war vor kurzem in Jewels - man denkt, Jewels sieht so klassisch aus. Aber es ist total modern. Gerade weil es nicht mit einer Geschichte spielt. Es sieht so glitzerig aus, aber es ist ein Kommentar zu unserer Zeit. Es stellt die Frage nach den Körpern. Und das hat mich total fasziniert. Hast du eine Produktion oder ein Bühnenbild, die dir besonders nahe stehen?
 
K: Oh, das ist wahnsinnig schwer. Aber Das schlaue Füchslein, was dann im Januar kommt, hat eine sehr besondere Ästhetik. Es ist funkelnd und glitzernd und abstrahiert diese Waldszene sehr. Das finde ich wahnsinnig interessant.

Das Protokoll führte Franziska Häberlein, Praktikantin im Pressebüro der Bayerischen Staatsoper.

#1 WirSindBSO

mit Mia Huppert (Assistentin der Musikalischen Direktion) und Nico Sutter (Referent des Technischen Direktors)

 
Mia Huppert und Nico Sutter auf der "Seufzerbrücke"

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen technischer und musikalischer Direktion? Welche Büros haben den schönsten Alpenblick? Und warum haben Mia und Nico Kastagnetten und einen Feuerlöscher mitgebracht? Die beiden haben sich verabredet, um über ihre Aufgaben an der Bayerischen Staatsoper zu sprechen und sind gespannt, was der bzw. die andere denn eigentlich so den lieben langen Tag macht.

M: Nico, was machst du hier eigentlich den ganzen Tag?
 
N: Ich bin Referent des technischen Direktors, kümmere mich zum Beispiel um den Brandschutz, die Budgets bei den Neuproduktionen und den Kontakt zu den externen Spielstätten. Ich bin sozusagen der zentrale Ansprechpartner für die Technik. Und du?
 
M: Ich bin eigentlich das Pendant zu dir in der musikalischen Direktion. Ich kümmere mich um die Belange von unseren Orchestermitgliedern, bin zuständig für die komplette Organisation der Orchesterakademie, mache auch bei uns die Budgets und sonst alles, was an Administrativem fürs Orchester anfällt.
 
N: Wie lange bist du denn schon da, Mia?
 
M: Ich bin seit 2017 da. Allerdings war ich das erste Jahr noch die persönliche Assistentin vom damaligen Generalmusikdirektor, Kirill Petrenko. Wie lange bist du schon da?
 
N: Seit Januar 2012 - ich gehöre schon bald zum Inventar. Fest eingebaut, aber trotzdem flexibel.
 
M: Bald Zehnjähriges! Und was macht dir hier Spaß an der Arbeit?
Für mich ist es vor allem die Abwechslung: Dadurch, dass man sich um 140 Musiker:innen kümmert, kann man morgens nie genau sagen, was passieren wird. Es ist irgendwie immer spannend und immer anders. Und natürlich die Nähe zu den Künstler:innen und zur Musik. Ja und was macht dir Spaß?
 
N: Bei mir ist es auch sehr ähnlich. Ich habe immer mit neuen Herausforderungen zu tun. Von Anträgen für Portalfahnen bis hin zur Sicherheitsbegehung… Außerdem man darf nie vergessen: Wir sind ja extrem privilegiert hier - wir dürfen hauptberuflich Kunst machen! Und das ist ein Privileg, das ich auch als solches empfinde.
 
M: Ja, das sehe ich ganz genauso. Und was ist dein Lieblingsort im ganzen Theater?
 
N: Ich bin zum Beispiel sehr gerne auf unserem grünen Grasdach bei den Bienen. Das gefällt mir sehr gut. Wo ich immer ein bisschen „fremdgehe“, das ist bei den Schuhmachern. Die haben einen so unglaublich tollen Arbeitsplatz. Die sehen über die ganze Alpenkette - und dort oben Kaffee zu trinken, das ist fast wie Urlaub. Und du?
 
M: Das ist schwer. Ich finde, es gibt ganz viele tolle Orte in der Oper. Aber einen, den ich besonders mag, ist die Engelsloge. Da ist die Akustik besonders gut. Und da ist man irgendwie so schön oben versteckt…
 
N: Was hast du denn da überhaupt dabei?
 
M: Ich habe da ein paar nigelnagelneue Kastagnetten dabei. Zu meinem Job gehört unter anderem auch Instrumente zu kaufen. Eigentlich liegt jede Woche irgendwas an Schlagwerk auf meinem Schreibtisch… Und die Anwesenheitsliste der Musiker:innen. Die brauche ich echt jeden Tag.
 
M: Und du? Feuerlöscher! Damit habe ich ja fast gerechnet.
 
N: Ich bin seit 2015 Brandschutzbeauftragter hier am Haus. Das ist eine große Aufgabe, deswegen der Feuerlöscher! Für die Pyrotechnik auf der Bühne müssen wir oft Handfeuerlöscher direkt daneben stellen, um zu verhindern, dass irgendein Funkenregen etwas anzündet.
 
M: Was war die bisher aufwändigste oder spektakulärste Produktion aus technischer Sicht für dich?
 
N: Da fallen mir mehrere ein. Tannhäuser. Oder Babylon zum Beispiel. Da ist zum Schluss die Mauer von Babylon umgefallen, Richtung Zuschauer, da haben wir vorne ein großes Netz aufgespannt. Und dann ist richtig so eine neun Meter hohe Mauer nach vorne weggekippt. Das war ziemlich beeindruckend.

Das Protokoll führte Franziska Häberlein, Praktikantin im Pressebüro der Bayerischen Staatsoper.