#4 WirSindBSO

mit Theresa Kellner (Mitarbeiterin Maske) und Catherine Leiter (Leitung Community/Kind&Co)

TK Theresa Kellner
CL Catherine Leiter

Welchen Gegenstand habt ihr zum Interview mitgebracht und warum habt ihr euch genau für diesen entschieden?

TK: Ich habe eine Knüpfnadel dabei, weil wir hier am Haus die Perücken selber herstellen und mit dieser kleinen Nadel die Haare einzeln in die Perücke einknoten. Eine Perücke dauert ungefähr zwei Wochen und ist deshalb ein großer Teil unserer Arbeit.

CL: Ich habe eine Kind & Co. Broschüre mitgebracht, von der wir drei pro Jahr herausgeben. Dafür ist hauptsächlich meine Kollegin Julia zuständig. In dieser Broschüre kann man sich über das Programm der nächsten drei Monate informieren: Es gibt einen bunten Mix aus Reportagen aus dem Haus, Spiele für die Kinder und Vorankündigungen. Besondere Highlights sind unsere Kinderprojekte, Tanzprojekte und Workshops mit begleitendem Programm. Manchmal auch Reportagen aus dem Haus, so wie in der aktuellen Broschüre über unsere Rüstmeister.

 

Was sind eure täglichen Aufgaben?

TK: Also wir unterscheiden zwischen Tagesdienst und Vorstellungsdienst. Zum Tagesdienst gehört hauptsächlich Haarteile aufbereiten, Perücken herstellen, Perücken frisieren und alles für die Vorstellung organisieren und vorbereiten. Beispielsweise müssen Prosthetics produziert, Masken repariert und alles sauber gehalten werden.

Während des Vorstellungsdienstes sind wir eine der letzten Anlaufstellen für die Darsteller:innen, bevor es auf die Bühne geht. Hierbei ist unsere Aufgabe, mit Frisur, Make-up und gelegentlich Gesichtsteilen den zuspielenden Charakter der Künstler:innen zu unterstreichen.

CL: Wir sind zu viert in der Abteilung Community Kind & Co. und haben zwei Schwerpunkte. Einerseits das ganze Kinder- und Jugendprogramm von Kind & Co. und andererseits das Community-Programm. Das heißt, wir erstellen Konzepte für neue Formate, also für neue Kinderopern. Gemeinsam mit dem Ballett schaffen wir Tanzstücke für Kinder und konzipieren zusammen mit dem Orchester kleinere und größere Kinderkonzerte. Darüber hinaus erstellen wir jede Menge Workshops im Haus zu unseren Familienvorstellungen und bieten zu diesen auch Einführungen für Kinder an. Außerdem haben wir ein sehr großes Schulprogramm, beschäftigen uns also auch mit kultureller Bildung.

Und dann gibt es noch das ganze Community-Programm. Da ist ein ganz großer Schwerpunkt im Moment <30, also wie wir uns neue Formate auch für jüngere Leute ausdenken und diese somit langfristig für das Haus begeistern können. Das ist ein abteilungsübergreifendes Projekt mit der Kommunikationsabteilung. Die Zusammenarbeit mit mehreren Abteilungen bereitet uns besonders viel Freude. Außerdem machen ein ganz spannendes Community-Projekt in Freiham, ganz im Westen von München, welches sich Westwind nennt. Dort läuft ein Bürger:innen-Chor, den wir aufgebaut haben, sowie ein Kinderchor und ein Theatercamp. Wir laden die Freihamer auch immer wieder gerne zu uns ein. Schlussendlich sollen in Freiham 35.000 Menschen leben, also eine Kleinstadt. Wir bauen uns hier ein Netzwerk auf, mit sozialen und kulturellen Einrichtungen vor Ort, sprechen mit den Menschen und suchen Multiplikator: innen, die die Bayerische Staatsoper in den neuen Stadtteil bringt.

 

Was an eurer Arbeit bereitet euch besonders viel Freude? (Gibt es etwas an eurer Arbeit was euch besonders viel Freude bereitet?)

TK: Desto größer die Veränderung am Menschen, desto mehr Spaß macht es! Wenn man am Ende das Ergebnis sieht und den Menschen, der vorher da saß nicht mehr erkennt, beispielsweiße bei der Verwandlung in ein Monster oder in eine alte Frau. Aber eine Balletttänzerin schön herzurichten, um ihr Selbstbewusstsein zu unterstützen macht auch sehr viel Spaß! Die Abwechslung ist das Schöne an meinem Job.

CL: Bei uns ist es hauptsächlich, diese Begeisterung zu schaffen und direkt immer etwas zurückzubekommen. Wenn wir sehen, dass das Konzept aufgeht und die Kinderopern die Kinder begeistern. Wie jetzt bei Max und die Superheld:innen, als die Kinder strahlend das Haus verlassen haben und immer noch die Melodien trällern. Auch der Kontakt mit Menschen, die zum ersten Mal hier bei uns in der Oper sind und dann ganz verwundert sind was hier alles passiert. Das ist eigentlich eines der schönsten Dinge, auch bei uns.

 

Könnt ihr von einem besonders herausfordernden Projekt, an dem ihr gearbeitet habt, erzählen oder von bestimmten Herausforderungen oder Schwierigkeiten mit denen ihr regemäßig konfrontiert werdet und wie ihr damit umgeht?

TK: Schwierigkeiten sind unter anderem, dass wir viel mit giftigen Gefahrenstoffen arbeiten und diese natürlich so reduzieren müssen, dass wir uns selbst nicht in Gefahr begeben. Oder auch die Größe unseres Chores. Wenn es beispielsweise kurzfristig Änderungen gibt - schnell mal eine Perücke herzustellen, ist nicht so leicht. Dann geht es darum Alternativen zu finden, wie zum Beispiel eine andere Perücke einfach abzuändern. Deswegen wird dann aus dem Fundus gearbeitet.

CL: Bei uns sind die größten Herausforderungen Formate, die nicht im Haus stattfinden, so wie Westwind. Da wir erstmal die Leute alle kennenlernen müssen und schauen, wie dort vor Ort alles funktioniert. Letztes Jahr hatten wir eine Jugendoper, im Backstage Kulturzentrum. Da die verschiedenen Welten zusammenzubringen, das war auch eine sehr große Herausforderung, aber schön!

 

Wie wichtig ist es, eine gute Beziehung zu den Künstler:innen aufzubauen?

TK: Wenn ein Mensch mit einer positiven Stimmung reinkommt, dann macht die Arbeit auch gleich mehr Spaß! Also ich finde eine gute Beziehung zu den Künstler:innen ist sehr wichtig. Und natürlich die gegenseitige Wertschätzung.

CL: Absolut, da kann ich nur zustimmen! Bei uns ist auch sehr wichtig, mit den Künstler:innen eine gute Beziehung aufzubauen. Wir entwickeln ja ganz viele gemeinsame Projekte, da geht's gar nicht anders.

 

Äußern Künstler:innen oftmals ihre Wünsche und inwiefern beeinflussen diese eure Arbeit?

TK: Also bei uns kommt es schon vor, dass Künstler:innen manchmal bestimmte Schminke nicht vertragen oder Frauen denen ein Bart geklebt wurde damit nicht singen können, da müssen wir Alternativen finden. Aber wir sind im Endeffekt nur die ausführende Kraft.

CL: Bei uns ist es oft schwierig, weil Kinderoper natürlich hier im gesamten Betrieb mit funktionieren muss und oft in kleinen Nebenräumen, wie beispielsweise auf der großen Probebühne, stattfindet. Dann geht es darum, einen guten Kompromiss mit den Künstler:innen zu finden, die natürlich manchmal gerne eine größere Bühne hätten. Aber das gelingt meistens ganz gut.

 

Gibt es Überschneidungen zwischen der Maske und Kind &Co Community?

TK: Wir betreuen solche Stücke wie Max und die Superheld:innen und machen Frosch-Masken, Tiere und ganz große lustige Perücken, was sehr viel Spaß macht. So eine verrückte große Perücke ist mit mehr Witz verbunden, als eine schöne Opern-Perücke.

CL: Und bei uns gibt es natürlich direkt die schönen Rückmeldungen. Beim Mondbär zum Beispiel oder bei Max und die Superheld:innen durfte auch der Kinderchor selbst diese Masken aufsetzen. Das war herrlich, das haben sie geliebt! Also, sie sind sehr dankbar.

 

Gibt es einen Tag, der euch besonders in Erinnerung geblieben ist?

CL: Für mich tatsächlich Max und die Superheld:innen, als die Kinder die Masken gesehen haben. Diese Begeisterung, sich in Tiere zu verwandeln. Die Kinder im Publikum waren auch wahnsinnig fasziniert, als sie die Tiere raus hoppeln gesehen haben. Und man konnte niemanden erkennen.

TK: Meine allererste Oper generell, und auch hier im Haus, war Die Vögel. Ich war von Anfang dabei und habe alles miterlebt, wie dieses ganze Stück entstanden ist. Das war sehr, sehr beeindruckend. Ich habe auch viel Probe-Maske mitgemacht und immer bei den Proben mitgeschminkt.

CL: Oh voll gut, klingt super spannend!

TK: Das war richtig schön!

CL: Ja, bei Die Vögel gab es auch wirklich viel zu sehen und zu tun!

 

Welche Opern mögt ihr selbst am liebsten?

TK: Lieblingsballett könnte ich sagen! Alice im Wunderland finde ich absolut schön. Liebe ich total!

CL: Ich habe ganz viele Lieblingsopern. Ich mag besonders gerne Barock und Händel-Opern. Dieses Jahr freue ich mich besonders auf Le Grand Macabre. Aber auch Die Fledermaus, die ja gerade am Haus läuft, kann mich begeistern. Ich habe lange in Wien gewohnt und bin dadurch natürlich sehr verbunden damit. Peter Grimes und Porgy und Bess gefallen mir auch besonders gut.

 

Wie würdet ihr die einzigartige Atmosphäre an der Oper beschreiben?

CL: Ich würde sagen es bleibt immer spannend!

TK: Man selbst ist ein kleiner Teil eines großen Ganzen, aber wenn man wegfällt funktioniert es trotzdem nicht.

Wie gefällt Ihnen der Artikel?

137 Reaktionen