3. Themenkonzert - Musik und Gedächtnis
Einlass ab 18:30 Uhr.
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3. Themenkonzert - Musik und Gedächtnis
Einlass ab 18:30 Uhr.


Wissenschaft und Kunst treffen auf kreative Weise in den Themenkonzerten zusammen. Die 2010 begründete Reihe wird seit 2024 in enger Kooperation zwischen der Bayerischen Staatsoper und ihrem Innovationspartner Brainlab AG ausgerichtet und findet in der Unternehmenszentrale am Tower des ehemaligen Flughafens München-Riem statt.
Die Abende sind Dialoge zwischen zwei Ausprägungen des menschlichen Forscherdrangs: von der einen Seite her in Form von Berichten aus der Grundlagenforschung und der angewandten Wissenschaft, von der anderen mit Musik am Puls ihrer Zeit für Kammerensembles und ähnliche Besetzungen. In der Spielzeit 2024–25 widmen sich die Themenkonzerte – ausgehend von den beiden Opernpremieren bei Ja, Mai und dem Rahmenthema „Illusionen“ – dem Phänomen von Wahrnehmung und Gedächtnis. Die Musik als vergänglichste aller Künste, die im Moment ihres Erklingens schon wieder verschwindet, funktioniert wesentlich über die Erinnerung und fungiert als künstlerischer Kontrapunkt. Damit im Zusammenhang steht die schon in der vorangegangenen Saison begonnene Beschäftigung mit der Frage, wie durch das menschliche Gedächtnis individuelle und kollektive Erinnerung geformt wird, ob auf neurophysiologischer oder gesellschaftlicher Ebene. Verschiedene Disziplinen aus dem weitgespannten wissenschaftlichen Netzwerk der Brainlab AG nähern sich diesem Thema in erhellenden Vorträgen. Die Premiere von Thomas Larchers Kammeroper Das Jagdgewehr gibt im Rahmen des Ja, Mai-Festivals Anlass, sich mit dem Schaffen des österreichischen Komponisten näher auseinanderzusetzen. So sollen die Themenkonzerte aus dem Zusammenspiel von Kunst und Wissenschaft Sinne und Geist gleichermaßen ansprechen.
Thomas Larcher (geb. 1963)
Kraken für Klaviertrio (1994–97)
Gabriel Fauré (1845–1924)
Paradis. Nr. 1 aus La Chanson d'Ève op. 95 (1906)
Vortrag
Prof. Dr. Stefan Kölsch
Professor für Medizinische Psychologie und Musikpsychologie an der Universität Bergen (Norwegen)
Musik und Gedächtnis – Wie Klänge verlorene Erinnerungen neu beleben
Pause
Gespräch
Gabriel Fauré (1845–1924)
Klaviertrio d-Moll op. 120 (1923)
Thomas Larcher
My Illness is the Medicine I Need für Sopran, Violine, Violoncello und Klavier (2002)
I Schnell
II Zu sich selber sprechend/singend
III Schnell
IV
V Langsam, unsicher
VI Heftig
Haben Sie sich jemals gefragt, weshalb ein bestimmter Song Erinnerungen und Gefühle in uns weckt, selbst wenn er auf den ersten Blick wenig mit unserer aktuellen Lebenssituation zu tun hat? In seinem Vortrag erkundet Stefan Kölsch die faszinierende Verbindung zwischen Musik und Gedächtnis – mit besonderem Fokus auf den Einsatz von Musik bei Demenzerkrankungen. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen mit Demenz – insbesondere Alzheimer-Patienten – oft bemerkenswerte Fähigkeiten im Umgang mit Musik besitzen. Sie erinnern sich nicht nur lebhaft an Lieder aus ihrer Vergangenheit, sondern vermögen es auch, neue Melodien und Texte zu erlernen, selbst wenn andere Erinnerungen zu verblassen scheinen. Musik wirkt dabei wie ein Schlüssel, der die Türen zu Vergessenem öffnet: Ein Lied kann Ereignisse aus längst vergangenen Zeiten heraufbeschwören, auch wenn die Musik nicht unmittelbar mit dem Erlebten verknüpft ist. Ein eindrucksvolles Beispiel aus der Musiktherapie veranschaulicht diese Wirkung: Ein ehemaliger Profi-Cellist, der infolge einer schweren Hirnerkrankung sein autobiographisches Gedächtnis nahezu verloren hatte, fand mit Hilfe von Musik und gezielter Therapie zurück zu sich selbst. Die Klänge unterstützten ihn dabei, bedeutende Lebensstationen wiederzuerkennen und neu zu erleben.
Zudem kennen wir alle das besondere Gefühl, wenn uns Musik aus unserer Jugend begleitet – Lieder, die uns prägen, die ein Leben lang nachhallen. In dem Vortrag wird auch anhand neuester Studie gezeigt, welche heilsamen Wirkungen Musik im Gehirn von Alzheimer- und Demenzpatienten entfalten kann. Diese Untersuchung beleuchtet, wie musikalische Interventionen nicht nur emotionale Reaktionen hervorrufen, sondern auch aktiv zur Wiedererlangung verlorener Erinnerungen beitragen. So lässt sich entdecken, wie Musik als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart fungiert und dazu beiträgt, die Schätze unserer Erinnerungen zu bewahren – selbst in Zeiten, in denen andere Gedächtniswege zu versagen beginnen.
Prof. Dr. Stefan Kölsch (geb. 1968 in Wichita Falls, Texas) zählt zu den international führenden Wissenschaftlern im Bereich der Musik- und Hirnforschung sowie der therapeutischen Wirkungen von Musik. Er ist Professor für Medizinische Psychologie und Musikpsychologie an der Universität Bergen (Norwegen). Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Violinstudium erwarb er Diplome in Psychologie und Soziologie und wurde am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig promoviert. Seine internationale Karriere umfasst Forschungsaufenthalte an der Harvard Medical School sowie Engagements im Exzellenzcluster „Languages of Emotion“ der Freien Universität Berlin, bevor er 2015 den Ruf aus Norwegen annahm.