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Die unmögliche Enzyklopädie Nr. 50: Abschied
Die unmögliche Enzyklopädie Nr. 50: Abschied

Ein schier unmögliches Unterfangen: Schon die französischen Aufklärer d’Alembert und Diderot hatten die Idee, sämtliches Wissen der Welt festzuhalten und für alle systematisch aufzuarbeiten. Die Enzyklopädie wurde ein großer Erfolg – als gedankliches Projekt hingegen ist sie natürlich bis heute nicht abgeschlossen. Die Dramaturgie der Staatsoper lädt ein, Begriffen nachzugehen, die sich in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Werken einer Spielzeit aufdrängen. Eine Entdeckungsreise – zusammen mit Künstlern und Musikern unseres Opernhauses sowie mit Experten unterschiedlichster Profession und Passion.
Abschied
Das aktuelle Spielzeitmotto „Kill your Darlings“ beinhaltet die Aufforderung, von etwas oder auch jemandem Abschied zu nehmen: Als alltäglicheres Phänomen begegnet uns Loslassen, wenn wir uns beim Ausmisten von überflüssigem Besitz trennen, um Platz zu schaffen. Das Abschiednehmen ist ein aktiver Prozess und meint die vorübergehende Trennung von Menschen, bevor man sich wiedersieht ebenso wie das beschlossene Ende einer Partnerschaft oder gar den endgültigen Abschied von Verstorbenen, also das Akzeptieren des Todes. So löst sich Paul in Erich Wolfgang Korngolds Oper Die tote Stadt von der Fixierung an seine tote Frau Marie und den daran gekoppelten Totenkult: Abschied als psychoanalytische Verarbeitung des Todes und gleichzeitig lebensbejahender Aufbruch. Ist Abschied damit ein zwangsläufiges Arrangieren mit der Vergänglichkeit oder ein bewusstes Annehmen der Flüchtigkeit allen Seins?