FSJ und Praktikum beim Bayerischen Staatsballett
Wie sieht eigentlich ein FSJ und Praktikum beim Bayerischen Staatsballett aus?
Wir haben unsere aktuelle FSJlerin und Praktikantin gefragt. Welche Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten die einzelnen Tätigkeiten mit sich bringen, haben sie uns in einem Interview verraten.
Wer bist du und was machst du hier am Bayerischen Staatsballett?
Constanze: „Hallo, ich bin Constanze und ich absolviere gerade mein Freiwilliges soziales Jahr Kultur beim Bayerischen Staatsballett."
Jule: „Hi, ich bin Jule und mache gerade ein dreimonatiges freiwilliges Praktikum im Bereich Marketing und Presse beim Bayerischen Staatsballett."
Wie bist du auf das Bayerische Staatsballett aufmerksam geworden?
Constanze: „Ich habe mich generell nach FSJ-Kultur-Stellen umgeschaut und bin dabei auf das Bayerische Staatsballett (BSB) gestoßen. Ich habe selbst viele Jahre Ballett getanzt und die Begeisterung dafür war für mich immer eine Konstante in meinem Leben. Außerdem finde ich es schön, in Bereichen zu arbeiten, zu denen man einen direkten Bezug hat."
Jule: „Ich tanze auch schon Ballett, seit ich drei Jahre alt bin und habe nie damit aufgehört, weil es für mich einfach ein unglaublich schöner Sport ist. Deshalb bin ich auch in meiner Freizeit schon immer gerne ins Theater gegangen. Das Bayerische Staatsballett hat mich daher sofort sehr begeistert."
Warum hast du dich für ein FSJ/Praktikum im Kulturbereich entschieden?
Constanze: „Ich finde den Kulturbereich persönlich sehr interessant und glaube, dass oft unterschätzt wird, wie wichtig Kultur für eine Gesellschaft ist. Sie bringt unterschiedlichste Menschen und Kunstformen zusammen. Einen Einblick in diesen Bereich zu bekommen, hat mich daher sehr gereizt."
Jule: „Während und nach meinem Bachelorstudium habe ich bereits erste Erfahrungen im Marketing gesammelt und bin dann auf die Idee gekommen, meine Leidenschaft für Ballett bzw. Tanz mit der Arbeitswelt zu verbinden. So bin ich auf das Praktikum am BSB gestoßen. Die Stelle hat einfach perfekt gepasst und ich wusste sofort, dass ich hier unbedingt ein Praktikum machen möchte. Mit Pressearbeit hatte ich bisher kaum Berührungspunkte, daher wollte ich auch in diesem Bereich Einblicke gewinnen. Außerdem ist es sehr spannend zu sehen, wie an einem renommierten Haus die Abläufe hinter den Kulissen funktionieren."
Was sind deine Aufgaben?
Constanze: „Ich unterstütze vor allem im Künstlerischen Betriebsbüro (KBB), wo ich kann. Es gibt einige feste, vorstellungsbezogene Aufgaben, wie das Überprüfen und Korrigieren von Besetzungszetteln und Heute-Zetteln. Außerdem übernehme ich die Anwesenheitskontrolle der Tänzerinnen und Tänzer sowie einen Teil der Krankmeldungen. Auch bei der Veröffentlichung von Besetzungen und Probenplänen helfe ich mit und unterstütze meine Kolleg:innen generell bei verschiedenen Aufgaben."
Jule: „Ich kümmere mich unter anderem um den Pressespiegel. Das bedeutet, dass ich alle Berichte über das Bayerische Staatsballett sammle, ablege und aushänge. Außerdem beantworte ich Anfragen von Besucher:innen oder Journalist:innen und buche Pressekarten für Vorstellungen. Ich gestalte zudem Marketing- und Presse-Newsletter und betreue die Website, indem ich dort beispielsweise Fotos, Banner, Ankündigungen und Besetzungszettel aktualisiere oder Bilder in die Tänzer- und Pressemediathek hochlade. Auch Postkarten und Flyer für Produktionen gestalte ich. Gelegentlich unterstütze ich außerdem das Social-Media-Team bei Projekten."
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Constanze: „Morgens schaue ich zunächst die Krankmeldungen durch, um zu sehen, ob sich Tänzer:innen gemeldet haben. Anschließend mache ich eine kleine Tour durch das morgendliche Training, um die Anwesenheit zu kontrollieren. Diese Informationen leite ich dann an alle weiter, die sie benötigen. Falls es Krankmeldungen gibt, melde ich die Tänzer:innen außerdem offiziell in der Personalabteilung der Oper krank. Wenn an dem Tag eine Vorstellung stattfindet, überprüfe ich zusätzlich den Besetzungszettel, den ich bereits am Vorabend an die Druckerei geschickt habe, noch einmal auf Richtigkeit und gebe ihn anschließend zum Druck frei. Im Laufe des Tages kommen außerdem verschiedene Aufgaben hinzu, zum Beispiel das Veröffentlichen korrigierter Probenpläne, das Besorgen von Büromaterial für Kolleg:innen oder das Erstellen und Verteilen kleiner Informationsaushänge."
Jule: „Ich schaue morgens zunächst in die Zeitungen, ob es Berichte über das Bayerische Staatsballett, Tänzer:innen oder allgemein zum Thema Tanz gibt. Zusätzlich nutze ich verschiedene Online-Clipping-Dienste, um weitere Veröffentlichungen zu finden. Anschließend erstelle ich den Pressespiegel. Die Beiträge werden dann im Archiv abgelegt, an die Presseabteilung der Staatsoper weitergeleitet und hier am Platzl sowie im Nationaltheater ausgehängt. Außerdem gehe ich am Vormittag meine E-Mails durch und beantworte verschiedene Anfragen. Wenn Constanze die Anwesenheit der Tänzer:innen kontrolliert, begleite ich sie häufig, um die Compagnie besser kennenzulernen und so die Tänzer:innen beispielsweise auf Fotos und Videos identifizieren zu können. Nachmittags kümmere ich mich meistens um Änderungen auf der Website, das Auswählen und Hochladen von Fotos, die Buchung von Pressekarten oder Erstellung von Newslettern. An Vorstellungstagen lade ich außerdem den entsprechenden Besetzungszettel für das Publikum auf die Website hoch. Je nach Tag bin ich noch im Marketing- oder Ballett-Jour fixe mit der Oper dabei, in denen aktuelle Themen besprochen. Auch ein Protokoll wird geführt. Dabei wechseln wir Praktikant:innen uns ab."
Mit welchen Bereichen oder Abteilungen arbeitest du am meisten zusammen?
Constanze: „Am meisten arbeite ich mit dem Künstlerischen Betriebsbüro (KBB) zusammen, da ich auch direkt in deren Büro sitze."
Jule: „Da ich im Bereich Marketing und Presse tätig bin, bekomme ich Einblicke in beide Bereiche und sitze auch mit den jeweiligen Verantwortlichen im Büro. Zusätzlich stehe ich in regelmäßigem Kontakt mit der Presseabteilung der Oper. Darüber hinaus arbeite ich gelegentlich auch mit dem Social-Media-Team zusammen, zum Beispiel bei Fotoanfragen oder Trailern."
Gibt es Aufgaben oder Projekte, die dir besonders Spaß machen?
Constanze: „Mir macht es besonders viel Spaß, wenn ich sehr nah am Vorstellungsgeschehen beteiligt bin. Auch wenn die Zeit kurz vor einer Premiere manchmal stressig sein kann, ist es für mich sehr spannend, den gesamten Prozess von den ersten Proben bis hin zu den Besetzungen und Bühnenproben mitzuerleben."
Jule: „Besonders Spaß machen mir Aufgaben, bei denen ich eigene Ideen und Kreativität einbringen kann, zum Beispiel bei der Gestaltung von Newslettern. Auch der Kontakt und die Kommunikation mit so vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten sind sehr spannend. Organisatorische und strukturierende Aufgaben übernehme ich auch gerne."
Was hat dich am Arbeitsalltag am meisten überrascht?
Constanze: „Am meisten überrascht hat mich, wie schnell man eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Aufgaben entwickelt, die mir am Anfang noch Unsicherheit bereitet haben. Mit der Zeit konnte ich diese jedoch gut meistern. Auch aus Fehlern konnte ich meist schnell lernen und mich weiterentwickeln."
Jule: „Mich hat überrascht, wie wichtig es ist, Beziehungen aktiv zu pflegen. In der Pressearbeit hat man mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, daher ist ein guter und nachhaltiger Kontakt besonders wichtig. Außerdem war ich erstaunt, dass die gesamte Ballettverwaltung aus nur etwa 13 Personen besteht. Ich hatte deutlich mehr Mitarbeitende hinter den Kulissen erwartet."
Was war bisher dein besonderster Moment am BSB?
Constanze: „Für mich war es besonders spannend, ein Ballettstück nicht nur in einer Bühnenprobe, sondern schließlich auch in der Vorstellung zu sehen. Da ich zuvor noch nicht viel Kontakt mit Vorstellungen hatte, hat es mich sehr beeindruckt, wie sich alles Schritt für Schritt zusammenfügt. Die anfänglichen Proben hätte ich niemals mit dem Ergebnis in Verbindung gebracht, das am Ende daraus entstanden ist. Das hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie viel Arbeit und wie viele Beteiligte hinter einer Produktion stehen."
Jule: „Obwohl ich erst einen Monat hier war, konnte ich bereits aktiv bei der Planung des Teamtags unterstützen. Das war für mich etwas Besonderes. Von Beginn an wurde mir viel Verantwortung übertragen und großes Vertrauen in meine Fähigkeiten geschenkt. Das Gefühl habe ich sehr geschätzt."
Hast du ein persönliches Highlight aus deiner Zeit hier?
Constanze: „Ein persönliches Highlight war für mich, dass ich mir das Kostümlager von Ballett und Oper anschauen durfte. Das war wirklich cool."
Jule: „Das sind definitiv die Probenbesuche und Vorstellungen. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Arbeit in jedem Detail steckt und mit welchem Einsatz die Tänzerinnen und Tänzer sowie das gesamte Team jeden Tag daran arbeiten. Das hautnah mitzuerleben, war für mich ein ganz besonderes Highlight."
Welche Einblicke bekommt man hinter die Kulissen des Balletts?
Constanze: „Ich denke, wenn man nicht selbst mit Produktionen in einem solchen Ausmaß zu tun hat, kann man sich kaum vorstellen, wie viel Arbeit dahintersteckt. Ich hatte viele Möglichkeiten, Einblicke hinter die Kulissen zu bekommen, zum Beispiel durch Bühnenproben, die ich begleiten konnte. Außerdem konnte ich die Werkstätten in Poing besuchen, in denen die Bühnenbilder und Requisiten hergestellt werden. Auch eine Führung durch das Kostüm- und Schuhlager war möglich. Die meisten Einblicke habe ich jedoch in die organisatorischen Abläufe erhalten. Dabei habe ich gelernt, dass die Planungen für manche Projekte bereits bis zu zwei Jahre im Voraus beginnen."
Jule: „Dadurch, dass man mit dem Büro direkt im Probenhaus sitzt, begegnet man natürlich regelmäßig Tänzerinnen und Tänzern oder hört die Musik aus den Ballettsälen. Das schafft eine ganz besondere Atmosphäre am Platzl. Außerdem hat man die Möglichkeit, bei Proben zuzusehen. Das ist besonders spannend, weil man einen Eindruck davon bekommt, wie wichtig selbst kleinste Details sind und wie kurzfristig Änderungen noch vorgenommen und umgesetzt werden können. Außerdem bekomme ich im Praktikum viele Einblicke in die organisatorischen und kommunikativen Abläufe rund um die Vorstellungen. So habe ich miterlebt, wann bestimmte Maßnahmen ergriffen werden und zu welchem Zeitpunkt es zum Beispiel sinnvoll ist, Produktionen noch einmal gezielt zu bewerben."
Wie lief der Bewerbungsprozess ab?
Constanze: „Ich habe das BSB über den Träger Spielmobile entdeckt. Auf dessen Website konnte man direkt zwei Motivationsfragen beantworten und sich für die Stelle bewerben. Einige Wochen später habe ich eine E-Mail mit der Einladung zu einem Bewerbungsgespräch erhalten. Die Zusage kam dann auch sehr schnell. Alles Weitere, wie die Vertragsunterzeichnung, konnte ich in den letzten beiden Monaten der vorherigen Spielzeit erledigen. Der gesamte Bewerbungsprozess lief für mich unkompliziert und zügig. Auch wenn das jetzt sehr einfach klingt, habe ich es tatsächlich genau so in Erinnerung."
Jule: „Ich habe die Stelle auf der Webseite des BSB gefunden und mich dann mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen per Mail beworben. Dann wurde ich zu einem Gespräch vor Ort eingeladen und habe ein paar Wochen später Bescheid bekommen. Der Vertrag wurde dann ca. 1-2 Monate vorher unterschrieben. Es lief also alles relativ einfach und strukturiert ab."
Welche Seminare oder Angebote gibt es (für FSJler:innen)?
Constanze: „Über das Jahr verteilt gibt es vier Seminare, die jeweils eine Woche dauern. Zusätzlich finden sogenannte Wahlbildungstage statt, die sich über drei Tage erstrecken. Dabei kann man aus verschiedenen Workshops wählen und sich drei Tage lang intensiv mit einem Thema beschäftigen. Außerdem kann man für einen Tag eine andere Einsatzstelle kennenlernen und dort den Arbeitsalltag begleiten. So bekommt man auch Einblicke in andere Bereiche und kann neue Erfahrungen sammeln."
Jule: „Ich durfte als Praktikantin beispielsweise auch bei einer Führung durch das Nationaltheater dabei sein."
Welche Benefits oder besonderen Möglichkeiten bietet das BSB?
Constanze: „Als Mitarbeiterin habe ich die Möglichkeit, Vorstellungen des Balletts und der Oper kostenfrei zu besuchen. Dafür kann ich Hauskarten anfragen, was in der Regel sehr unkompliziert funktioniert. Darüber hinaus kann ich auch General- und Bühnenproben besuchen. Ich glaube, dass ich nur selten wieder die Gelegenheit haben werde, so viele Ballettaufführungen zu sehen wie während dieser Spielzeit. Das ist für mich definitiv ein besonderer Benefit."
Jule: „Genau, auch während des Praktikums kann man alle Vorstellungen kostenlos besuchen. Das ist auf jeden Fall ein großer Vorteil. Die Probenbesuche bieten wirklich eine besondere Möglichkeit, die Arbeit hinter den Kulissen kennenzulernen und einen tieferen Einblick in die Entstehung einer Produktion zu erhalten. Ein weiteres Highlight ist die Gelegenheit, die Compagnie des Bayerischen Staatsballetts im Arbeitsalltag zu erleben und über die Zeit besser kennenzulernen. Diese Nähe zum künstlerischen Geschehen macht das Praktikum auf jeden Fall sehr spannend und einzigartig."
Hast du ein Lieblingsballett oder eine Lieblingsproduktion?
Constanze: „Mir hat besonders der dreiteilige Abend Waves and Circles gefallen, da ich zuvor nur wenig Berührungspunkte mit zeitgenössischem Tanz hatte. Bei den klassischen Stücken war Onegin mein Favorit."
Jule: „Ich würde Die Kameliendame und den zeitgenössischen, dreiteiligen Abend Common Ground nennen."
Würdest du dich nochmal für das BSB entscheiden und warum?
Constanze: „Ja, auf jeden Fall. Ich mag meine Kolleginnen und Kollegen sehr gerne, ebenso die Arbeit an sich und die Möglichkeit, Teil solcher Produktionen zu sein."
Jule: „Klar, gerade für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten bekommt man viele Einblicke hinter die Kulissen und in das gesamte Haus."
Was würdest du zukünftigen Bewerber:innen oder neuen FSJler:innen mitgeben?
Constanze: „Ich denke, alle, die sich für Ballett begeistern und bereit sind, bei den vielen organisatorischen Abläufen hinter einer Vorstellung mitzuwirken, sind beim BSB gut aufgehoben. Ich würde außerdem sagen: Genießt die Zeit, denn sie vergeht viel schneller, als man denkt."
Jule: „Wenn euch das Ballett begeistert und ihr einen umfassenden Einblick hinter die Kulissen bekommen möchtet, ist ein Praktikum am BSB auf jeden Fall eine tolle Möglichkeit."
Fotos: Miljana Bernal