Celebrating Sir Peter

Benefizveranstaltung in Gedenken an Sir Peter Jonas (* 14. Oktober 1946 in London; † 22. April 2020 in München)

Der Erlös des Konzerts wird an German doctors gespendet. Eine Organisation, die Sir Peter Jonas immer sehr am Herzen lag. German doctors sind eine inter­national tätige Nicht­regierungs­organisation, die un­ent­geltlich arbeitende Ärztinnen und Ärzte zu Projekten auf den Philippinen, in Indien, Bangladesch und Kenia ent­sendet, um vor Ort die gesundheitliche Versorgung nachhaltig zu verbessern. Weitere Informationen und Details zur Organisation finden Sie hier: https://www.german-doctors.de/de/ueber-uns

Rede zum Gedenken an Sir Peter Jonas

Rede zum Gedenken an Sir Peter Jonas

Julia Glesner, Biographin von Sir Peter Jonas, spricht im Rahmen des Gedenkkonzerts über das Wirken und die letzten Tage von Sir Peter Jonas. Mit bewegenden Worten ehrt sie ihn und seine Liebe zur Oper. Den Wortlaut der Rede können Sie nun hier noch einmal nachlesen oder als PDF herunterladen. 

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Eine Feier für Sir Peter

Wer ihn einmal reden gehört hat, wer womöglich eine seiner Ansprachen bei Premierenfeiern erlebt hat, wer seine Augen hat blitzen sehen, ja wer ihm auch nur einmal im Foyer des Nationaltheaters begegnet ist, wird immer die Energie, die gespannte Neugier, das unbändige Interesse am Menschen im Gedächtnis behalten, die Sir Peter Jonas ausgezeichnet haben und mit denen er alle angesteckt hat, die sich in seinem Radius bewegten.

Dreizehn Jahre lang, von 1993 bis 2006, war der in London geborene Brite mit deutsch-jüdisch-jamaicanisch-libanesischen Wurzeln Intendant der Bayerischen Staatsoper. Nach Stationen beim Chicago Symphony Orchestra und bei der English National Opera war er bestens präpariert für diese Aufgabe. Von den Münchnern zunächst ein wenig als Exot betrachtet und bald geschätzt, ja verehrt, hat er das ehrwürdige Nationaltheater in die Zukunft geführt, das Repertoire runderneuert und erweitert, hierzulande noch unbekannte ästhetische Zugänge eröffnet und gleichzeitig die jahrhundertealte Tradition und Exzellenz auf höchstem Niveau fortgesetzt. Dabei brachte er so verschiedene Regisseure wie David Pountney, Herbert Wernicke, Peter Konwitschny und David Alden an die Staatsoper, entdeckte Sänger wie Anja Harteros, befeuerte die Händel-Renaissance im Musiktheater und gab nicht weniger als 14 Uraufführungen in Auftrag. Mit Zubin Mehta holte er einen bedeutenden Dirigenten als Chef nach München und stiftete damit eine künstlerische Freundschaft zwischen ihm und dem Haus, die bis heute anhält; in Ivor Bolton hatte er einen starken Partner für die Barockmusik gewonnen. Er hat die Aufführungen von „Oper für alle“ an der Bayerischen Staatsoper zu einer Institution gemacht, um die München von der Welt beneidet wird (und die inzwischen Schule gemacht hat). Er hat das Haus bis an seine Grenzen gefordert (wofür sein Dank an die technischen Abteilungen bei den erwähnten Premierenreden denn auch überschwenglich ausfiel) und das Publikum mit unzähligen Überraschungen konfrontiert. Weit über seine Amtszeit hinaus war er an diesem Haus präsent, und bis heute ist der Geist, den er ihm eingepflanzt hat, zu spüren; allen seinen Nachfolgern hat er sein Ohr geliehen und überall mitdiskutiert, wo man ihn um Rat und Meinung gefragt hat. „Die Toten leben noch“ – so begrüßte er bisweilen Bekannte, die ihn lange nicht gesehen hatten. Er, dem die Ärzte schon mit 29 Jahren nur noch wenige Monate zu leben gegeben hatten, schien schier unverwüstlich; selbst die Wanderung von Schottland bis Sizilien hat er seiner schwächer werdenden Konstitution abgetrotzt. Doch im Frühjahr 2020 wurden die Attacken der tückischen Krankheit zu stark. Als am 22. April 2020 der Tod die Überhand behielt, trauerte die ganze Welt der Opern- und Musikfreunde mit seiner Frau und seinen Angehörigen und all denen, die ihm nahestanden. Die Corona-Pandemie hat es bislang nicht gestattet, dass sich die in dieser Trauer vereinten Menschen versammeln, um gemeinsam von Sir Peter Abschied zu nehmen. Nun, da das wieder möglich scheint, ist eine solche Feier geplant – eine Zusammenkunft, die sein Leben und Schaffen in Erinnerung ruft: mit Musik, die er selbst ausgewählt hat, interpretiert von Künstlern, die seinen Weg begleitet haben, mit Filmausschnitten, die sein Wirken dokumentieren, und einer Rede, seiner Biografin Julia Glesner, die an seine Anliegen und seine eigenen großen Reden erinnert. Seine Liebe zur Oper und sein Enthusiasmus für die Kunst mögen an diesem Tag neu aufleben.