KARTENVERKAUF SPIELZEITPAUSE
Während der Theaterferien sind die Tageskasse, der telefonische Kartenverkauf sowie das Abonnementbüro vom 1. August bis einschließlich 31. August 2026 geschlossen. Schriftliche Bestellungen werden weiterhin bearbeitet. Auch online können Sie weiterhin Karten erwerben.
Festspiel-Liederabend Golda Schultz

Franz Schubert (1797–1828)
Am See D 746 (Text: Johann Mayrhofer)
Auf dem Wasser zu singen D 774 (Text: Friedrich Leopold Graf zu Stolberg)
Viola D 786 (Text: Franz von Schober)
Clara Schumann (1819–1896)
Am Strande (Text: Wilhelm Gerhard)
Die Lorelei (Text: Heinrich Heine)
Rebecca Clarke (1886–1979)
The Seal Man (Text: John Masefield)
Cradle Song (Text: William Blake)
The Tiger (Text: William Blake)
Pause
Richard Strauss (1864–1949)
Vier Lieder op. 27
3. Heimliche Aufforderung (Text: John Henry Mackay)
1. Ruhe, meine Seele (Text: Karl Henckell)
4. Morgen (Text: John Henry Mackay)
2. Cäcilie (Text: Heinrich Hart)
Kathleen Tagg (geb. 1977)
This Be Her Verse (Text: Lila Palmer)
1. After Philip Larkin
2. Wedding
3. Single Bed
„Wie wäre es, wenn eine Frau ihre Geschichte selbst erzählen würde?“ – Ich erinnere mich, dass ich Jonathan Ware diese Frage stellte, als wir uns vor einigen Jahren mit dem Lied Gretchen am Spinnrade beschäftigten. Ich war fasziniert davon, wie brillant Franz Schubert den Seelenzustand eines jungen Mädchens beschreibt, das gerade seine erste Liebe erlebt. Die Besessenheit, die Unruhe und die geradezu panische Freude; das alles ohne Wertung seinerseits oder durch Johann Wolfgang von Goethe, der die Worte schrieb, die dem Lied zugrunde liegen. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlte … nicht nur die weibliche Stimme, um dem Lied einen Ausgangspunkt zu geben, von dem aus es sich weiterspinnen kann, sondern auch die Frau, die im Zentrum der Geschichte steht. Ihre wahre Stimme fehlte für mich noch immer. Diese Frage öffnete für uns eine wahre Wundertüte, die unseren Blick auf Lieder und deren Bedeutung verändert hat. Wir suchten nach Liedern, die von Frauen komponiert wurden – und diese Frauen und ihre Werke haben meine kühnsten Träume übertroffen, was für Geschichten Frauen erzählen können, wenn man ihnen nur den nötigen Raum gibt.
Als Sängerin war mir immer klar, dass es meine Aufgabe ist, die weibliche Perspektive in den von mir gesungenen Liedern zum Ausdruck zu bringen; sie ganz aus meiner eigenen Lebenserfahrung heraus zu erforschen und einen Winkel des Stücks zu finden, der noch nicht vollständig ausgeleuchtet ist. In einem Bereich, der hauptsächlich von männlichen Komponisten dominiert wird, war und ist dieser Gedanke von zentraler Bedeutung dafür, wie ich an Lieder herangehe. Aber als ich begann, mich mit Clara Schumann, Rebecca Clarke, Nadia Boulanger oder der lange vergessenen Emilie Mayer zu beschäftigen, hatte ich das Gefühl, meinen Clan gefunden zu haben: Sie alle sind Frauen, die sehr viel zu sagen hatten und denen man zu wenig zugehört hat.
In diesem Programm wollen wir jedoch Lieder interpretieren, die das Leben von beiden Standpunkten aus betrachten, die die Liebe aus männlicher wie weiblicher Perspektive beschreiben – denn beide sollten gehört werden, und beide sollten ihren Platz finden im Liedrepertoire auf den Bühnen dieser Welt. Während Franz Schubert mit seinen Liedern von der Natur bis in den Kosmos blickt und damit so viel über zwischenmenschliche Beziehungen erzählt, schildert Richard Strauss Lust und Überschwang ebenso wie die Sehnsucht nach erfüllter Zweisamkeit. Die Lieder von Clara Schumann und Rebecca Clarke sind Meditationen über das Leben aus weiblicher Sicht: Liebe, Angst, Natur und Selbstverständnis. Beide haben einen eigenen und prägnanten Stil, aber sie ergänzen einander so perfekt, dass es sich anfühlt, als befände man sich mitten in einem Gespräch über die Generationen hinweg. Für mich ist das ein Trost; Frauenstimmen gehörten schon immer zu meinen wertvollsten Erinnerungen.
Ich möchte neben Stimmen aus der Vergangenheit auch weitere aus der Gegenwart in dieses imaginäre Gespräch einbringen. Die Zusammenarbeit mit Lila Palmer und Kathleen Tagg bei der letzten Gruppe von Liedern war ein wahres Geschenk; ihren kreativen Prozess mitzuerleben, war etwas ganz Besonderes. Wir sprachen miteinander über Geschichten, Erinnerungen, Hoffnungen und Ängste, und all das gipfelte in wunderschönen Werken. So haben wir nun schon viele Antworten auf die eingangs gestellte Frage: „Wie wäre es, wenn eine Frau ihre Geschichte erzählen würde?“ Wir können ihnen zuhören, den weiblichen Stimmen aus der Vergangenheit und denen von heute, und im Austausch mit ihren männlichen Kollegen erweist sich die Universalität des großen, geschlechterübergreifenden Geschichtenerzählens, in dem jede Stimme mit ihrer besonderen Farbe und Nuance ihren Teil beiträgt. Das ist das Geschenk, das uns all jene bieten, die über das Leben und die Liebe in ihrer Musik reflektieren.
Golda Schultz