Gwyneth Jones zum 90. geburtstag
Es war eine musikalische Sternstunde, als sich unter den federnden fanfarengleichen Anfangstakten am 20. April 1972 der Vorhang des Nationaltheaters zur Premiere von Richard Strauss’ Der Rosenkavalier hob. Am Pult der rasch zum Regie-Klassiker avancierenden Produktion von Otto Schenk stand kein Geringerer als Carlos Kleiber; den Octavian sang und spielte Brigitte Fassbaender, als Sophie war Lucia Popp zu erleben, und die Marschallin war Gwyneth Jones. Glücklicherweise existiert ein Mitschnitt einer späteren Aufführung (von 1979, auf Staatsoper.tv).
Ihr eigenes Denkmal setzte sich die im walisischen Pontnewynydd geborene Sängerin vier Jahre später als Brünnhilde in Patrice Chéreaus Deutung von Wagners Ring des Nibelungen in Bayreuth. Ihre Münchner Aufführungen haben neben der Marschallin die Geschichte der Bayerischen Staatsoper mitgeprägt. In der Titelpartie von Richard Strauss’ selten gespielter Ägyptischer Helena beeindruckte sie ebenso wie als Puccinis Turandot. Die Queen of Hearts war ihre Rolle in der Uraufführung von Unsuk Chins Alice in Wonderland, aber sie war auch eine Königin der Herzen beim Münchner Publikum und lebte eine Zeit lang in der bayerischen Hauptstadt.
Gwyneth Jones – 1986 von Königin Elisabeth in den Adelsstand erhoben – war auch im italienischen Fach erfolgreich, etwa als Leonora in Verdis Il trovatore, als Aida oder Lady Macbeth. Selten gab es eine intensivere, glaubwürdigere Darstellerin. Ihre Schallplatteneinspielungen – darunter Cherubinis Medea und Beethovens Fidelio – geben Zeugnis von der kraftvollen, oft leidenschaftlich flammenden Stimme der Sopranistin. Fotos lassen ihre schauspielerischen Fähigkeiten auch heute noch erahnen.
Wir wünschen Dame Gwyneth, die am 7. November ihren 90. Geburtstag feiert, ein herzliches „Happy Birthday“. Long live this Queen of Opera.
Dr. Olaf Roth







