Zum Tod von Thomas J. Mayer
Er war ein Wotan, wie er im Buche steht: ein Hüne von Gestalt, zu zartesten Regungen fähig, dabei begnadet mit einer raumfüllenden Stimme, die über die feinsten Zwischentöne verfügte. In vollem Flug seiner Laufbahn ist Thomas J. Mayer am Montag, dem 15. Dezember 2025, im Alter von nur 56 Jahren völlig überraschend in seinem Zuhause verstorben. Er war gerade aus Japan von einem Wozzeck-Gastspiel in Tokio zurückgekehrt.
1969 in Bensheim geboren, studierte er zunächst Philosophie, Geschichte und Musikwissenschaft; die intensive geistige Durchdringung des Gesangstextes war fortan ein Markenzeichen seiner Interpretationen. Seine Stimme ließ er an der Musikhochschule Köln von Lieselotte Hammes und Kurt Moll ausbilden. Auf dieser Grundlage stand ihm die Opernwelt offen. Engagements in Basel, Karlsruhe und Hamburg waren seine festen Stationen, seitdem war er in Europa und international an den bedeutenden Bühnen zu Gast; eine enge Beziehung verband ihn auch mit den Wagner-Festspielen in Bayreuth.
An der Bayerischen Staatsoper hat er seit seinem Debüt als Peter, dem Besenbinder, in Hänsel und Gretel – im Dezember 2006 – rund fünfzig Vorstellungen gesungen, stets große Hauptpartien. Darunter war ein Dr. Falke in der Fledermaus, als der er seine komischen Fähigkeiten unter Beweis stellte, ebenso wie seriöse Partien wie Carlo Borromeo in Palestrina und Telramund in Lohengrin. 2015 verlieh er dem Mandryka in Andreas Dresens Neuinszenierung von Arabella eine menschlich anrührende Verletzlichkeit; im Zusammenspiel mit der von Anja Harteros verkörperten Titelheldin ergab sich ein Rollenprofil, das diese Oper aus ihren Rollenklischees weit heraushob. Alles aber überragten am Nationaltheater seine Wotan-Darstellungen im Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg. Die Partie interpretierte er in der Walküre und in Siegfried von der Premiere an in sämtlichen Vorstellungen, im Rheingold außerdem in den vier Zyklen unter der Musikalischen Leitung von Kirill Petrenko im Frühjahr 2015.
Sein plötzlicher Tod hinterlässt eine Lücke, die schwer zu schließen sein wird. Wir verdanken ihm Aufführungen, die allen, die sie miterlebt haben, noch lange im Gedächtnis bleiben werden, und wir wollen ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Malte Krasting









