AUDIOFEATURE

der Bayerischen Staatsoper

Gleich vorweg: Die Komplexität einer abendfüllenden Oper passt natürlich nicht in ein 15-minütiges Audiofeature. Aber die Lust darauf, den Abend in der Oper zu verbringen vielleicht schon. Der Musikjournalist Holger Noltze, Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund, kreiert eine maßgeschneiderte Audioreihe zu den diesjährigen Premieren. Immer ab dem jeweiligen Premierentag ist das Feature online abzurufen. Dort wird es neben den Stückbasics – Handlung, Rezeption, Komposition und Libretto – auch um die Münchner Besonderheiten der Inszenierung gehen. Neben Stimmen aus der Produktion wird vor allem eine Akteurin zu hören sein: Die Musik. Und zwar nicht nur im Hintergrund oder als Nebenbei, sondern als das, was alles zusammenhält. Die Grenzen werden fließend: Information, starke Stimmen und Audiokunst.

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AUDIOFEATURE zu DIE TEUFEL VON LOUDUN

#9 AUDIOFEATURE zu DIE TEUFEL VON LOUDUN

Schlaflos liegt die Priorin Jeanne in ihrer Zelle, bedrängt von Visionen: Bis zum Wahnsinn begehrt sie den Pater Grandier, den attraktiven, charismatischen Prediger der Kleinstadt Loudun. Weil er für sie unerreichbar ist, wird sie ihn denunzieren, die Nonnen im Kloster zur Wollust behext zu haben. Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki schuf 1969 aus Aldous Huxleys Skandalroman The Devils of Loudun seine erste, kühnste Oper: Die Teufel von Loudun. Radikales Musiktheater, maßlos in seinen Mitteln, erschütternd in der Darstellung dessen, was Menschen Menschen antun. Am Ende steht der Scheiterhaufen.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Vladimir Jurowski, Simon Stone
Sprecherin: Cathrin Störmer
Schnitt: Rheinklang Agentur
Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth

AUDIOFEATURE zu THOMAS

#8 AUDIOFEATURE zu Thomas

Viel wird gestorben in der Oper; fast immer, wenn es nicht gut ausgeht. Durch Gift und Dolch, an Lungenkrankheit oder an gebrochenem Herzen, aus Liebe oder aus Versehen. Hier ist das anders: Ein Mensch im Sterben, so, wie heute meistens gestorben wird, in einem Krankenhausbett. Und noch etwas ist anders: Sonst kommt der Tod am Ende eines Opernabends, hier ereignet er sich zu Beginn. Hier kommt ein atmender Organismus zu seinem Ende. Thomas - vom Komponisten Georg Friedrich Haas und Librettisten Händl Klaus - ist ein Musiktheater vom Sterben des Menschen Matthias und, mehr noch, der Trauer seines Partners Thomas. Fein oszilliert, was im Sterbezimmer des Matthias zu hören und zu sehen ist, zwischen der sogenannten realen Welt und ihren Besorgungen und Beileids-Banalitäten und der Durchlässigkeit für das extrem Übernatürliche, als das uns das Sterben in einer Welt vorkommt, die den Tod abgeschafft hat. Und es geschieht am Ende das Ungeheuerliche. Allein mit dem Toten, erscheint es Thomas, sein geliebter Matthias beginne wieder zu atmen, so wie es Isolde erscheint, wenn sie Brustkorb des toten Tristan sich wieder bewegen zu sehen meint.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Händl Klaus
Sprecherin: Cathrin Störmer, Anna-Sophie Mahler
Schnitt: Sven Eckhoff
Betreuung: Anna Blei
Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth

AUDIOFEATURE zu BLUTHAUS

 #7 AUDIOFEATURE zu Bluthaus

Nadja möchte ihr Haus abstoßen. Das hat gewichtige Gründe: Es ist ihr Elternhaus. Ein Bluthaus. Nadjas Eltern sind tot, das Blut der Eltern wird während der ganzen Oper von ihr von den Fliesen geschrubbt. Aber warum sind Nadjas Eltern tot? Die Musik vom Komponisten Georg Friedrich Haas lässt es erahnen, es ist etwas Grauenhaftes passiert. Nadja wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht. Ob sie oder ihre Mutter den Vater erstochen hat, bleibt ungewiss. Dass er ermordet wurde, ist klar. Das Unheil sitzt in den Wänden, und wenn sie noch so weiß gestrichen sind. Der Makler Axel Freund ist beauftragt das Haus zu veräußern, die Menschen, die das Haus besichtigen scheinen wie ein allegorischer Zusammenschnitt der österreichischen Gesellschaft. Böse Nachbarn stoßen hinzu und verraten, dass es sich bei diesem Haus um ein Bluthaus handle, weil es besudelt ist mit dem Blut der Eltern, die als Untote immer noch hier spuken. Am Ende sind die Interessenten geflohen, auch für das persische Ehepaar, das zu spät kam, als hier alles schon in Entsetzen und Auflösung war, dass sich nicht so leicht schrecken lässt, weil es selbst einem Schrecken entflohen ist, auch für sie wird das Bluthaus keine Zukunft sein. 

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Claus Guth, Händl Klaus
Sprecherin: Cathrin Störmer
Schnitt: Sven Eckhoff
Betreuung: Anna Blei
Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth

AUDIOFEATURE zu LES TROYENS

 #6 AUDIOFEATURE zu Les Troyens

Hier sind zwei Welten festgehalten: eine im Krieg, eine im Frieden - in der riesenhaften französischen Grand Opéra Les Troyens von Hector Berlioz. Es ist ein Wahnsinn der Extreme. Wohl kein Komponist tauchte je tiefer in die Stoffe, die ihn zu Musik bewegten, und bei Berlioz sind es immer die größten: Faust, Romeo und Julia, Hamlet, darunter macht er es nicht – doch der Untergang Trojas, des trojanischen Feldherren Aeneas‘ Flucht nach Karthago, wo er die Königin Dido liebt und sie verlässt, weil er nach Italien weitermuss, seinem Auftrag folgen, ein Held sein, Rom, die Stadt und ein Weltreich zu gründen – diese Geschichte durchdrang den romantischen Extremisten Hector Berlioz ein Künstlerleben lang.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Daniele Rustioni
Sprecherin: Cathrin Störmer
Schnitt: Jan Beckhaus
Betreuung: Anna Blei
Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth

AUDIOFEATURE zu L'INFEDELTÀ DELUSA

 #5 AUDIOFEATURE zu L'infedeltà delusa 

Männer und Frauen: eine beliebig verwirrende Geschichte, schon in Joseph Haydns 18. Jahrhundert, und heute erst recht. In München haben gottlob einstweilen die jungen Frauen in L’Infedeltà delusa die Nase vorn. Die Geschichte ist ein typischer Opera buffa-Stoff: Nannis Vater Felippo hat einen reichen Mann für seine Tochter Sandrina erkoren. Sinn und Zweck der Ehe ist alles, nur eben nicht ihre Selbstbestimmung oder gar Selbstverwirklichung. Aber hier zum Glück mitnichten! Sandrina hat sich nämlich bereits verliebt. Und zwar in eine junge Frau. Denn es wird in der Münchner Inszenierung Zeit für soziale Grenzüberschreitungen. Regisseurin Marie-Eve Signeyrole knöpft sich die patriarchale Grundstruktur der Oper vor und besetzte Nanni, das Objekt der Begierde Sandrinas, in eine Frau um. Aus einem Bass wird ein Mezzosopran, die Liebe der Sandrina damit eine lesbische. So wird aus der Coming of Age- obendrein eine Coming Out-Tragödie in einem Mädcheninternet der 1950er. Es ist ein Blick in das männliche und heteronormativ dominierte Korsett unserer Vergangenheit und mitunter Gegenwart. Happy End: Leider Fehlanzeige.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecherin: Marie-Eve Signeyrole
Sprecherin: Cathrin Störmer
Schnitt: Sven Eckhoff
Betreuung: Anna Bleib
Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth

AUDIOFEATURE zu PETER GRIMES

 #4 AUDIOFEATURE zu Peter Grimes 

Die Masse gegen den Einzelnen! Peter Grimes, ein im britischen Küstenort Aldeburgh festverwurzelter Fischer, wird verdächtigt, für den Tod seines Fischerlehrlings verantwortlich zu sein. Der richterliche Freispruch interessiert die Dorfgemeinschaft herzlich wenig, für sie stand bereits vor Prozessbeginn fest, dass der sonderbare Grimes schuldig ist. Und so entlädt sich der Hass. Rumor has it! Peter Grimes, die erste Oper von Benjamin Britten, 1945 uraufgeführt, seziert die Mechanismen, die greifen, wenn Menschen sich zu einem Kollektiv gegen ein einzelnes Individuum zusammenschließen. Es ist ein feinfühliger, mitunter verstörender Blick auf die Natur des Menschen – so unkontrollierbar und erbarmungslos wie die See selbst.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Stefan Herheim
Sprecherin: Cathrin Störmer
Schnitt: Thomas Rott, Sven Eckhoff
Betreuung: Anna Bleib
Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth

AUDIOFEATURE zu DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN

 #3 AUDIOFEATURE zu Das schlaue Füchslein

Was ist der Mensch doch für ein seltsames Tier? Der passionierte Waldgänger, Vogelstimmensammler und Komponist Leoš Janáček versammelt schwermütige Hunde, kreischende Hühner, stotternde Froschkinder und im Zentrum von all dem eine schlauköpfige Füchsin zu einem der witzigsten und weisesten Stücke über das Menschsein und den Kreislauf allen Lebens. Sein Schlaues Füchslein von 1924 tönt traumhaft, fantastisch, düster bedrohlich und hell leuchtend. Wie Regisseur Barrie Kosky sich der Aufgabe stellte, all das ohne Waldkulissen und Tierkitsch zu erzählen, davon ist im neuen Audiofeature der Bayerischen Staatsoper zu hören.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Barrie Kosky
Sprecherin: Mirga Gražinytė-Tyla
Sprecherin: Cathrin Störmer
Dramaturgie: Christopher Warmuth
Schnitt: Thomas Rott
Betreuung: Anna Bleib
Projektleitung: Kathrin Zeitler

AUDIOFEATURE zu GIUDITTA

 #2 AUDIOFEATURE zu GIUDITTA

Diese Liebesgeschichte ist ein Zeitpanorama von 1920-35! Wie klingt eine Liebe? Wie eine ganze Zeit? GIUDITTA war ein sensationeller Erfolg, mehr als 120 Radioanstalten sendeten 1934 die Uraufführung der Spieloper von Franz Lehár in die Welt hinaus. Ein italienischer Hauptmann, dem das Leben betont lebenswert erscheint, verliebt sich, verlässt die Geliebte, weil er in ein Militärkommando nach Libyen zieht. Die Liebe zerbricht an dieser Entscheidung. Für immer. Die Münchner Neuinszenierung verbindet und verblendet dieses Werk mit anderen künstlerischen Reaktionen auf die damalige Zeit von Kollegen Lehárs, nicht als Demontage. Nein, Montage! Christoph Marthalers Radikalität bedeutet radikale Poetisierung. So landet das Stück bei uns im Heute. Was das alles bedeuten soll und warum Ödön von Horváth eine so bedeutende Rolle spielt, das alles ist im Audiofeature der Bayerischen Staatsoper nachzuhören.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Malte Ubenauf, Thomas Anzenhofer
Dramaturgie: Christopher Warmuth
Schnitt: Sven Eckhoff
Projektleitung: Kathrin Zeitler

AUDIOFEATURE zu DIE NASE

 #1 AUDIOFEATURE zu DIE NASE

Nase weg! Was passiert, wenn ein 22-jähriger junger Wilder eine Oper komponiert auf der Grundlage einer absurden Geschichte: Ein Mensch verliert seine Nase? Dmitri Schostakowtisch rüttelt 1928 an den Konventionen der Operngeschichte, komponiert wild mit Faggotfürzen, einer singenden Säge, einem Personalbedarf auf der Bühne, der seinesgleichen sucht. Wie das klingt, was das alles soll und wieso in der Münchner Neuinszenierung von Kirill Serebrennikow zeitgleich zum Nasenverlust hingegen unzählige Polizist:innen mit Nasen im Gesicht übersät sind, ist im Audiofeature der Bayerischen Staatsoper nachzuhören.

 

Autor und Sprecher: Holger Noltze
Sprecher: Kirill Serebrennikow
Sprecherin: Cathrin Störmer
Dramaturgie: Christopher Warmuth
Schnitt: Thomas Rott
Projektleitung: Kathrin Zeitler