Nachruf Stefan Erler
Das Bayerische Staatsballett trauert um Stefan Erler, der am 16. August 2025 in München verstorben ist. Stefan Erler war der Bayerischen Staatsoper in vielerlei Hinsicht verbunden, als Tänzer, Ballettmeister, Leiter der Elevenklasse, Leiter des Opernballetts und nicht zuletzt als kommissarischer Ballettdirektor in der Zeit von September 1986 bis August 1989.
Ausgebildet im Kinderballett und in der Elevenklasse der Bayerischen Staatsoper, erhielt Erler unter Ballettdirektor Heinz Rosen ein Engagement als Gruppentänzer. Nach seinem Amtsantritt 1968 ernannte John Cranko Erler zum Solisten, daraufhin wurde er unter anderem in Begegnung in drei Farben (1968) und Katalyse (1968) prominent besetzt, mit Gislinde Skroblin als seiner Partnerin. In Crankos Fassung von Romeo und Julia (1968) übernahm er die Partie des Benvolio, in Daphnis und Chloé (1969) die des Bryoxis. Wichtige Partien der folgenden Jahre umfassten Balanchines Divertimento No. 15 (1970), Ronald Hynds Pas de trois (1971), Gerhard Bohners Die Folterungen der Beatrice Cenci (in der Rolle des Olimio, 1972) und Jochen Ulrichs Lyrische Suite (1974).
Nachdem Ronald Hynd seine zweite Münchner Amtszeit (1894-1986) vorzeitig beendet hatte und die Verhandlungen zur Gründung des Bayerischen Staatsballetts noch im Gange waren, betraute der damalige Staatsoperndirektor Wolfgang Sawallisch Stefan Erler kommissarisch mit der Leitung des Balletts. In Erlers Amtszeit fielen unter anderem die Premieren des Programms 3x David Bintley (April 1988) sowie Wiederaufnahmen von Crankos Ebony Concerto und Begegnung in drei Farben, bei denen Erler selbst für die Einstudierung (mit-)verantwortlich zeichnete. Während seiner Amtszeit erfolgten im Rahmen der Ballettfestwochen auch das kontrovers aufgenommene Gastspiel der Compagnie Maguy Marin (1987) und des Kirow-Balletts aus Leningrad (1988), weiterhin ein Gastspiel des Nederlands Dans Theater in der Saison 1989/90.
Stefan Erler, Jahrgang 1944, hat als Tänzer, Ballettmeister und Pädagoge Herausragendes geleistet und in einer schwierigen Situation der Übergangs mit kühlem Kopf und ruhiger Hand die Geschicke der Ballettcompagnie an der Bayerischen Staatsoper gelenkt. Direktion, Stab und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.