„Das Märchen ist gedichtet, das Lied aber ist eine wahre Geschichte.“

Vorwort zur Oper
von Nikolai Rimski-Korsakow


Foto: Siora Photography

„Koljada singen heißt bei uns, am Vorabend von Weihnachten vor den Fenstern Lieder zu singen, die Koljadki heißen. Man sagt, es habe einmal einen Götzen Koljada gegeben, den man für Gott hielt, und dass davon die Koljada-Lieder stammen. Wer weiß das schon? Nicht wir einfachen Leute sollten darüber urteilen.“ So spricht Gogol durch den Imker Panko der Rote [der Rotschopf], Erzähler der Abende auf dem Vorwerke bei Dikanjka, in der Anmerkung zur Erzählung Die Nacht vor Weihnachten.

Während in den uralten Schriften die Namen von Swarog, Stribog, Perun und anderen slawischen Götzen überliefert wurden, bewahrten die russischen Brauchlieder uns die Namen Lada, Kupala, Jarila, Owsen und Koljada. Wir wissen nicht, ob für sie Götzenbilder errichtet wurden. Viele lehnen die Existenz der Vorstellungen von diesen Gottheiten vollends ab und führen die Namen auf Sprachklang, Liederreime oder Ausrufe zurück. Und doch, alte Brauchlieder deuten klar auf die mit diesen Namen verbundenen Vorstellungen von gewissen mythischen Wesen hin. Sie alle werden als handelnde Wesen in Liedern erwähnt. Möglicherweise stammt eine klare Vorstellung von ihnen und ihre Anbetung als Götter aus einer noch weiter zurückliegenden Vorzeit, als die Götzenverehrung, die von den Geschichtsschreibern oder im Lied von der Heerfahrt Igors erwähnt wird.

Die Brauchlieder beschreiben diese Figuren als Götter der Sonne. Ihre Namen sind mit der lebenserschaffenden Kraft der Sonne verbunden. Kupalo und Jarilo wurden ungefähr rund um die Sommersonnenwende gefeiert, Koljada und Owsen rund um die Wintersonnenwende.

Brauchlieder mit den Namen von Koljada (in Groß- und Kleinrussland) und Owsen (in Großrussland) werden von Heiligabend an während der Swjatki [Abende zwischen Heiligabend und dem 6. Januar] gesungen.

Die Geburt der Sonne wurde in den alten Zeiten an Koljada [hier gemeint wie „beim Fest der Koljada“] gefeiert, wenn sie sich zum Sommer wendet; aber diese Wende fällt mit dem kältesten Frost, stärksten Schneestürmen und dem Wüten der Geister und Hexen zusammen. Deren rasende Gelage finden dreimal im Jahr statt: an Koljada, bei der Ankunft des Frühlings und in der Johannisnacht. Den hellen Sonnengöttern zugeordnet bilden Koljada und Owsen einen Gegensatz zum Schaffen der dunklen Kräfte, Dämonen, Hexenmeister, Hexen und Hexer, die die Himmelsleuchten stehlen und Schneestürme und Frost herbeiführen. *)

*) Siehe Alexander Afanassjew: Die poetische Naturbetrachtung der Slawen. (Anmerkung von Rimski-Korsakow).

Wie gefällt Ihnen der Artikel?

439 Reaktionen

DIE NACHT VOR WEIHNACHTEN