1. Akademiekonzert 2014/15
1. Akademiekonzert 2014/15

Gustav Mahler
Fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert
Symphonie Nr. 6 a-Moll Tragische
Gustav Mahler: Rückert-Lieder
Gustav Mahlers fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert, Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, zählen zur unter dem Titel Sieben Lieder aus letzter Zeit veröffentlichten Werkgruppe – seinen tatsächlich letzten Liedkompositionen, denen gleichwohl noch die großen symphonisch-vokalen Werke wie Das Lied von der Erde und die achte Symphonie folgen sollten. Sie lassen den typischen Ton der Mahler-Vokalsphäre erkennen: Nähe zum (idealisierten) Volkslied, einfache Diktion. Von Jugendstil-Gesten und virtuosen Aufschwüngen à la Richard Strauss hält sich die sublime, diskrete Liedpoesie Mahlers fern. Noch am kräftigsten gefärbt sind das Mittelstück Um Mitternacht (das sich gegen Ende überraschend aufhellt) und das Schlusslied Ich bin der Welt abhanden gekommen. Die (bis auf Liebst du um Schönheit) von Mahler selbst orchestrierten Lieder zeigen durchweg ein behutsames, fast kammermusikalisches Kolorit.
Gustav Mahler: Symphonie Nr. 6
Mahlers sechste Symphonie a-Moll ist das Mittelstück einer Trias von Instrumentalsymphonien, deren Rahmensymphonien 5 und 7 lockerer gefügt erscheinen (in der Fünften gewinnt das berühmte ohrwurmhafte Adagietto fast zwangsläufig ein überdimensionales Eigengewicht; die Siebte wird durch zwei mehrbödig-bizarre Nachtmusiken charakterisiert), und hat, anders als diese, eine streng gehandhabte viersätzige Form mit schneidend klarer, prägnanter Themenformulierung. Schon früh bekam sie – nicht von Mahler, aber von diesem akzeptiert – den Beinamen „die Tragische“, was an die unerbittliche, rhythmusbetonte Struktur des Kopfsatzes und des Scherzos anknüpft, nicht weniger aber an den zugleich beträchtlich ausgeweiteten wie auch unheimlich verdichteten Schlusssatz, der, nach einer halben Stunde scheinbar verlöschend, mit einem jähen Tuttischlag in der Originaltonart endet. Das Andante, ein intensiver, weiträumiger Orchestergesang in der entfernten Tonart Es-Dur, nimmt auch sonst vom martialischen Grundcharakter der Symphonie Abstand. Drei Hammerschläge (der letzte davon sollte nach dem Willen Mahlers wieder wegfallen) im Finale und Herdenglocken in dreien der vier Sätze sind auch als auf die außermusikalische Transzendenz verweisende Klangsymbole zu deuten.