Trauer um Dieter Rexroth
Er war Musikwissenschaftler und Autor von hohen Graden, er war programmatischer Berater und Kurator von größter Kreativität, er war auch beneideter, ja gefürchteter Strippenzieher – denn er war überall vor allen anderen und hatte im Zweifel die im Feuilleton gefeierten Sensationen schon um Wochen vorhergeahnt. Oder sie überhaupt selbst geplant. Er hat das Hindemith-Institut in Frankfurt a. M. mitgegründet und dort auch in anderen Funktionen das Neue in der Musik unters Volk gebracht (die "Frankfurter Feste" waren seine Erfindung); die akademischen Würden hat er sich fast nebenbei erworben – das "Dr." vor seinem Namen war aber für seine Achtung in der Musikwelt gänzlich belanglos. Nach einem Intermezzo in der österreichischen Provinz holte er als Direktor des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (und gleichzeitig als Intendant der Dachorganisation ROC, Rundfunkorchester und -chöre Berlin) Kent Nagano nach Deutschland und blieb fortan einer der engsten Weggefährten des amerikanischen Maestros. Als solcher hat Dieter Rexroth auch an der Bayerischen Staatsoper tiefe und bis heute nachwirkende Spuren hinterlassen: Die Themenkonzerte, einst als "Oktobermusikfest" in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft gestartet, gehen beispielsweise auf seine Initiative zurück. In Berlin hat er auch das Nachwuchsorchesterfestival "Young Euro Classic" ins Leben gerufen. Er war ein geborener Netzwerker, so feinsinnig wie hartnäckig. Gerade deshalb konnte er so viel ermöglichen. Nun ist der gebürtige Dresdner am 9. April 2024 im Alter von 83 Jahren gestorben. Wir wissen, was wir ihm zu verdanken haben, und trauern um einen bedeutenden Musikgestalter unserer wechselhaften Zeit.
Malte Krasting