ZUM TOD VON
ANTONINO FOGLIANI

Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir vom Tod Antonino Foglianis erfahren. Im Alter von nur 50 Jahren ist ein Künstler von uns gegangen, der der Bayerischen Staatsoper über viele Jahre eng verbunden war – und weit mehr als ein regelmäßiger Gast unseres Hauses geworden ist.

Antonino Fogliani, gebürtig aus Messina und zum Dirigenten ausgebildet in Mailand, war ein Musiker im unmittelbarsten und schönsten Sinne des Wortes. Musik war für ihn keine abstrakte Kunst, sondern etwas zutiefst Lebendiges. Sie kam aus seinem Innersten, aus einer unerschöpflichen Neugier, aus Temperament und Wissen, vor allem aber aus dem Herzen. Wer mit ihm musizierte, konnte spüren, wie sehr sein Herz in der Musik schlug. Und wer ihm begegnete, erlebte einen Menschen von außergewöhnlicher Wärme, Großzügigkeit und Herzlichkeit.

Seine besondere Liebe galt dem italienischen Repertoire, dessen Sprache er mit einer Selbstverständlichkeit beherrschte, die weit über Stilkenntnis hinausging. Rossini, Donizetti, Verdi und Puccini waren für ihn keine bloße Tradition. Er ließ ihre Musik atmen, gab ihr Farbe, Leichtigkeit und Dramatik, ohne je ihre Natürlichkeit zu verlieren. Er verstand die menschliche Stimme, er liebte die Sängerinnen und Sänger und wusste, wie man sie trägt und ihnen den Raum gibt, in dem Ausdruck entstehen kann. Gleichzeitig besaß er jene rhythmische Energie und jenen Sinn für das Theater, durch die ein Opernabend im Augenblick lebendig wird.

An der Bayerischen Staatsoper hat der international erfolgreiche Maestro Antonino Fogliani über viele Jahre ein außergewöhnlich breites Repertoire dirigiert: Il barbiere di Siviglia und La Cenerentola, Lucia di Lammermoor, Lucrezia Borgia und La Fille du régiment, Verdis Macbeth, Il trovatore, Otello, Falstaff und I masnadieri, Puccinis Madama Butterfly und Turandot sowie Cavalleria rusticana / Pagliacci.  Noch im Juli stand er bei La Cenerentola am Pult des Bayerischen Staatsorchesters.

Dass wir ihn nun verlieren, trifft uns umso schmerzlicher, weil Antonino Fogliani ein Teil unserer Zukunft sein sollte. In wenigen Wochen hätte er mit Diana Damrau, Benjamin Bernheim und dem Bayerischen Staatsorchester beim großen „Oper für alle“-Konzert die neue Spielzeit eröffnet. Im Dezember sollte er mit Donizettis Maria Stuarda eine Neuproduktion an unserem Haus musikalisch erarbeiten. Die Vorfreude auf viele weitere gemeinsame Abende war groß.

Doch die Erinnerung an Antonino Fogliani wird sich nicht allein mit den Vorstellungen und Werken verbinden, die er an der Bayerischen Staatsoper dirigiert hat. Sie wird vor allem mit einem Menschen verbunden bleiben, dessen Freude an der Musik ansteckend war. Antonino Fogliani konnte Freude weitergeben, an ein Orchester, an Sängerinnen und Sänger und schließlich an ein Publikum. Dabei gab es bei ihm keine Trennung zwischen dem Künstler und dem Menschen: Dieselbe Wärme, dieselbe Offenheit und dieselbe Großzügigkeit, die seine Persönlichkeit auszeichneten, waren auch in seinem Musizieren zu hören. Vielleicht liegt darin das Kostbarste, was ein Musiker hinterlassen kann: dass etwas von seinem Wesen in der Musik weiterlebt.

Die Bayerische Staatsoper verliert mit ihm einen wunderbaren Dirigenten, einen leidenschaftlichen Musiker und einen außerordentlich warmherzigen Menschen. Wir verlieren aber auch einen Freund unseres Hauses.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

 

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