Zum Tod von Peter Seiffert

Im vergangenen Jahr konnte er noch seinen 70. Geburtstag feiern. Nun ist Peter Seiffert, der hochgeschätzte Heldentenor, nach schwerer Krankheit am Abend des 14. April 2025 gestorben.

Der gebürtige Düsseldorfer, Kind einer Musikerfamilie, wurde in seiner Heimatstadt ausgebildet und machte auch dort seine ersten beruflichen Schritte, als Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein, wo er 1978 sein Debüt gab. Zwei Jahre später wechselte er an die Deutsche Oper Berlin, wo der Intendant Götz Friedrich die Entwicklung seiner Stimme vom lyrischen über den jugendlichen bis zum Heldentenor verantwortungsvoll begleitete. Bis zuletzt war Peter Seiffert dem Charlottenburger Opernhaus als dessen Ehrenmitglied verbunden. Auch den endgültigen Durchbruch zur Weltkarriere konnte er dort feiern: Mit seinem Lohengrin im Jahr 1990 begannen zweieinhalb Jahrzehnte, in denen Peter Seiffert in der internationalen Opernwelt eine rare feste Größe war.

An allen internationalen Bühnen und Festivals war er fortan begehrt, darunter die Salzburger Festspiele und die Wagner-Festspiele in Bayreuth. Natürlich führte ihn sein Weg auch nach München. Der 1992 verliehene Titel Bayerischer Kammersänger war das äußere Signum seiner engen Beziehung zur Bayerischen Staatsoper. Am Max-Joseph-Platz debütierte er 1983 als Fenton in Otto Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor; daran schlossen sich nicht weniger als über 150 Opernvorstellungen im Nationaltheater und bei Gastspielen (in Bayreuth, Tokio und Osaka) an, außerdem Liederabende und Konzerte. Man konnte sein stimmliches Wachsen anhand der allmählich sich wandelnden Partien verfolgen. Während Wolfgang Sawallisch, als Generalmusikdirektor und Intendant in jeder Hinsicht verantwortlich für seine Gäste, ihn zunächst in Mozart-Partien einsetzte (Tamino, Don Ottavio), Seiffert hier auch zwanzig Mal den Nureddin in Peter Cornelius’ Der Barbier von Bagdad und Matteo in Arabella sang, kamen bald „schwerere“ Aufgaben hinzu. Sawallisch war es auch, der Peter Seiffert – noch vor dem Berliner Sensationserfolg – mit dessen Rollendebüt als Lohengrin betraute und so die Grundlage für seine Weltkarriere als Heldentenor legte. Alle großen Wagner-Partien seines Fachs hat er an der Bayerischen Staatsoper interpretiert, Erik, Tannhäuser, Siegmund, Tristan, Walther von Stolzing, Parsifal, dazu Florestan (Fidelio) und Max (Der Freischütz); sogar als Otello konnte man ihn hier 2012 erleben. Den Wechsel ins neue Jahrtausend besang er mit Beethovens neunter Symphonie, und bei „Oper für alle“ erfreute er Tausende auf dem Max-Joseph-Platz mit seinen größten Wagner-Erfolgen.

Seine letzten Auftritte in München galten Richard Strauss (Bacchus in Ariadne auf Naxos, Oktober 2015), Ludwig van Beethoven (Florestan, Februar 2016) und Gustav Mahler: An der Seite von Christian Gerhaher sang er unter der Musikalischen Leitung von Kirill Petrenko am 14. und 15. März 2016 den Tenorpart im Lied von der Erde. „Der Trunkene an den Frühling“ ist das letzte Lied des Tenors, und inmitten der frühlingstrunkenen Zeilen stehen die Worte: „Und wenn ich nicht mehr singen kann, so schlaf’ ich wieder ein.“ Niemand hätte geahnt, dass es sein Abschied von der Münchner Bühne sein sollte.

In erster Ehe war Peter Seiffert bis zu ihrem Tod mit der slowakischen Sopranistin Lucia Popp verheiratet. Seine zweite Frau, Petra-Maria Schnitzer, ist ebenfalls Sängerin. Mit ihr zusammen hat er unzählige Male als Opernpaar auf der Bühne gestanden, in Aufführungen der Bayerischen Staatsoper beispielsweise bei Festspielvorstellungen von Tannhäuser (1994), den Meistersingern von Nürnberg (bei Gastspielen in Japan, 2004) und der Verkauften Braut (Premierenserie 1994 und zuletzt 2006); gemeinsam haben sie auch einen Liederabend im Prinzregententheater gestaltet.

Sein Porträt, erschaffen von dem Schweizer Künstler Daniele Buetti, hängt seit 2013 im Nationaltheater im Balkon rechts; „not ALL a matter of taste“ steht dort in leuchtender Punktschrift über seinem Konterfei, das skeptisch-freundlich den Blick des Betrachters erwidert. Wenn an der Bayerischen Staatsoper die Rede auf ihn kommt, leuchten die Augen von denjenigen, die mit ihm bei seinen vielen Auftritten zu tun hatten. Seine rheinische Frohnatur hatte er sich selbst bei Proben zu den strapaziösesten Wagner-Dramen stets bewahrt. Ein Requisiteur, bei dessen erster Produktion Peter Seiffert den Max verkörperte, brachte es bei der Nachricht seines Todes auf den Punkt: „So ein guter Mensch!“ In der Trauer über den Verlust dieses großen Sängers gilt unser Mitgefühl seiner Familie und allen seinen Angehörigen.

Malte Krasting