Zwischen Caritas und Ekstase: 
Über die Liebe bei Richard Wagner und Giacomo Puccini

„Und Zärtlicheres gab es auf Erden nicht ... “: Thomas Mann lässt Hans Castorp in seinem Roman Der Zauberberg das Grammophon kurbeln und von Giacomo Puccinis La bohème schwärmen, zollt aber auch Richard Wagners heimlich liebendem Minnesänger Wolfram von Eschenbach seinen Tribut. Puccinis Bewunderung für Wagner geht so weit, dass er in Manon Lescaut den „Tristan“-Akkord zitiert. Doch knüpft der italienische Komponist, dessen Darstellung von Liebe so wirkungsvoll ist, auch an die Liebesdiskurse Wagners an, den Theodor W. Adorno einmal als „den berühmtesten erotischen Künstler der bürgerlichen Welt“ bezeichnet hat? Nachdem sich die ergänzenden Formate im Festspiel-Fokus  der vergangenen zwei Opernfestspiele Richard Strauss und der Zeit als „sonderbar Ding“ sowie Giuseppe Verdi und  Richard Wagner und der Zukunft der Oper gewidmet haben, kreist der Fokus der Münchner Opernfestspiele 2024 um die Darstellungen verschiedenster Facetten von Liebe bei Giacomo Puccini und Richard Wagner und somit um einen der zentralen Topoi der Oper überhaupt. Ein vielfältiges Rahmenprogramm ergänzt die Aufführungen von Parsifal, Tannhäuser, Tosca und La fanciulla del West. Die Reihe des Quartetts der Kritiker wird im Nationaltheater mit Eleonore Büning,  Markus Thiel, Kai Luehrs-Kaiser sowie Serge Dorny fortgeführt.

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE finden vor der jeweiligen Vorstellung im Freunde-Foyer und in der RHEINGOLD bar-bistro statt.
Eintritt frei
 

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE

LESUNG: THOMAS MANN – LEIDEN UND GRÖSSEN RICHARD WAGNER

Sa, 20.7.24, 16:15 Uhr 

Freunde-Foyer

Victoria Kraft (Schauspielerin)

Victoria Kraft studiert seit 2021 Schauspiel am Mozarteum in Salzburg und arbeitete bereits mit Kata Csató, Kai Ohrem, Hanna Binder, Jörg Lichtenstein, Volker Lösch und Christine Eder zusammen. Im Rahmen des Festspiel-Fokus liest sie aus Thomas Manns Text „Leiden und Größe Richard Wagners“, in dem sich der Literaturnobelpreisträger mit „Wagner als Mythiker, als Entdecker des Mythus für die Oper, als Erlöser der Oper durch den Mythus“ sowie mit zentralen Themen in dessen Musikdramen auseinandersetzt.

Im Anschluss: Parsifal

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE

LESUNG: FRIEDRICH NIETZSCHE – NIETZSCHE CONTRA WAGNER

SO, 21.7.24 16:15 UHR

Freunde-Foyer

Victoria Kraft (Schauspielerin)

Victoria Kraft studiert seit 2021 Schauspiel am Mozarteum in Salzburg und arbeitete bereits mit Kata Csató, Kai Ohrem, Hanna Binder, Jörg Lichtenstein, Volker Lösch und Christine Eder zusammen. Im Rahmen des Festspiel-Fokus liest sie aus Friedrich Nietzsches Text „Nietzsche contra Wagner“, einer vom Autor zusammengestellten Ansammlung von Aphorismen, in denen sich der Philosoph – einst glühender Verehrer Richard Wagners und von dessen Musiktheaterwerken – als Antipode des Komponisten inszeniert und den Wandel seines Urteils über Wagners Kunst als „Ausdruck einer dionysischen Mächtigkeit der Seele“ hin zur Gefahr der krankmachenden Musik eines „décadents“ nachzeichnet.

Im Anschluss: Tannhäuser

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE

QUARTETT DER KRITIKER

Mi, 24.7.24 16:30 Uhr

RHEINGOLD bar-bistro

Eleonore Büning, Serge Dorny, Kai Luehrs-Kaiser und Markus Thiel

Vier Kritiker über die Diskografiegeschichte von Tosca
Dauer: 90 Minuten

Im Verein „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ haben sich Musikkritiker und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen, um regelmäßig herausragende Musik- und Wortproduktionen auszuzeichnen. Seit 2010 treten die Kritiker-Juroren des Vereins öffentlich auf. Sie setzen sich zu dritt oder viert zusammen, als Terzett oder als Quartett, um live vor Publikum über ein Werk zu diskutieren und verschiedene Interpretationen in Platteneinspielungen zu vergleichen.


Im Anschluss: Tosca

Hinweis: Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und ab dem 27.7.2024 auf STAATSOPER.TV ausgestrahlt

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE

VORTRAG: MARIA CALLAS, „TOSCA“ UND ZEITENWENDEN

Sa, 27.7.24, 18:15 Uhr

Freunde-Foyer

Dr. Marcus Pyka (Historiker und Judaist)

Der Historiker und Judaist Marcus Pyka lehrt an der Franklin University Switzerland in Lugano. In seiner Forschung setzt er sich mit der Frage auseinander, wie europäische Gesellschaften Sinn stiften und vermitteln. In seinem Buch Heinrich Graetz – Jüdische Identität und Historiographie, befasst er sich mit der Konstruktion jüdischer Identität mittels Geschichtsschreibung im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Seine aktuelle Forschung konzentriert sich auf den Einsatz von narrativen Sinnstiftungsstrategien sowohl in Texten wie in visuellen Medien und wie diese Strategien in Kultur, Politik und Geschichtsschreibung benutzt und verschränkt werden – sei es für den Zusammenhalt von Stadtgesellschaften im Rahmen des modernen Nationalismus oder das moderne Verständnis der Idee „Europa“. Er unterrichtet Weltgeschichte und Weltreligionen, die Geschichte des Nationalismus, des Konzepts der Revolution sowie die Geschichte der Biografik. Daneben gehören auch Stadtgeschichte und -entwicklung sowie Musik und Theater zu seinen Forschungsinteressen. In seinem Vortrag setzt er sich mit Maria Callas auseinander, an die in Kornél Mundruczós Münchner Tosca-Inszenierung die Titelheldin der Oper Floria Tosca angelehnt ist. In Maria Callasʼ Leben und Karriere nimmt diese Puccini-Partie eine besondere Rolle ein.
 

Im Anschluss: Tosca

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE

VORTRAG: TANNHÄUSERS DILEMMA

So, 28.7.2024, 16:15 Uhr

Freunde-Foyer

Liebesutopien und Dreieckskonstellationen bei Wagner und Puccini

Prof. Dr. Arnold Jacobshagen (Musikwissenschaftler)

Arnold Jacobshagen studierte Musikwissenschaft, Geschichte und Philosophie sowie Kultur-  und Medienmanagement in Berlin, Wien, Tours und Paris. Er promovierte an der Freien Universität Berlin und war anschließend Musikdramaturg am Staatstheater Mainz. 2003 habilitierte er an der Universität Bayreuth. Seit 2006 hat er die Professur für Historische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Tanz Köln inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Oper und Musiktheater, die Musikgeschichte Frankreichs im 18. und 19. Jahrhundert, Musik im europäischen Kulturtransfer der Neuzeit, Regionale Musikgeschichte, Sozial- und Institutionengeschichte der Musik sowie Historische Aufführungs- und Interpretationsforschung. Er veröffentlichte zuletzt unter anderem die Bücher Gioachino Rossini und seine Zeit sowie im Jahr 2023 die Biografie Maria Callas. Kunst und Mythos. Im ersten seiner beiden Vorträge im Rahmen des diesjährigen Festspiel-Fokus spricht er über Liebesutopien und  Dreieckskonstellationen bei Richard Wagner und Giacomo Puccini.

Im Anschluss: Tannhäuser

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE

VORTRAG: WAGNER-REMINISZENZEN

Mo, 29.7.24, 18:15 Uhr 

Freunde-Foyer

Leitmotivtechnik und Erlösungsthematik in Puccinis La fanciulla del West.

Prof. Dr. Arnold Jacobshagen (Musikwissenschaftler)

Arnold Jacobshagen studierte Musikwissenschaft, Geschichte und Philosophie sowie Kultur-  und Medienmanagement in Berlin, Wien, Tours und Paris. Er promovierte an der Freien Universität Berlin und war anschließend Musikdramaturg am Staatstheater Mainz. 2003 habilitierte er an der Universität Bayreuth. Seit 2006 hat er die Professur für Historische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Tanz Köln inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Oper und Musiktheater, die Musikgeschichte Frankreichs im 18. und 19. Jahrhundert, Musik im europäischen Kulturtransfer der Neuzeit, Regionale Musikgeschichte, Sozial- und Institutionengeschichte der Musik sowie Historische Aufführungs- und Interpretationsforschung. Er veröffentlichte zuletzt unter anderem die Bücher Gioachino Rossini und seine Zeit sowie im Jahr 2023 die Biografie Maria Callas. Kunst und Mythos. Im zweiten seiner beiden Vorträge im Rahmen des diesjährigen Festspiel-Fokus widmet er sich der Leitmotivtechnik und Erlösungsthematik in Giacomo Puccinis La fanciulla del West.

Im Anschluss: La fanciulla del West

FESTSPIEL-FOKUS-TERMINE

VORTRAG: PASOLINIS FILM „SALÒ“ UND PUCCINIS OPER „TOSCA“

Di, 30.7.24, 18:15 Uhr 

Freunde-Foyer

Prof. Dr. Oliver Jahraus (Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftler)

Oliver Jahraus hat an der LMU München seit 2005 den Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Medien und derzeit auch das Amt des Vizepräsidenten für den Bereich Studium der LMU inne. Er promovierte mit einer Arbeit zu Thomas Bernhard und habilitierte mit einer Arbeit über Literatur als Medium. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Literaturtheorie, Medientheorie (insbesondere in der Verknüpfung mit Literaturtheorie), Kulturtheorie und Kultur der Gegenwart, Film, Filmtheorie, Filmanalyse und Film in der Kultur der Gegenwart sowie Kunst- und Avantgardetheorie. Unter seinen zahlreichen Publikationen finden sich Bücher zu Martin Heidegger, Franz Kafka, Niklas Luhmann, Jacques Derrida, über die Erzählung der Amour fou in Literatur, Oper und Film sowie Einführungen in Literaturtheorie und Literaturwissenschaft. Sein Vortrag spürt dem Beziehungsgeflecht von Pier Paolo Pasolinis Film Salò o le 120 giornate di Sodoma (Die 120 Tage von Sodom) und Giacomo Puccinis Oper Tosca nach, das in der Inszenierung des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczós eine zentrale Setzung darstellt.

Im Anschluss: Tosca

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