Nacho Duato

Nacho Duato, geboren im spanischen Valencia, begann seine professionelle Ballettausbildung im Alter von 18 Jahren an der Rambert School in London. Er setzte sie an Maurice Béjarts Mudra School in Brüssel fort und vervollständigte sein Studium am Alvin Ailey American Dance Center in New York City. Sein erstes Engagement unterzeichnete Duato 1980 beim Cullberg Ballet in Stockholm, ein Jahr später brachte ihn Jirí Kylián zum Nederlands Dans Theater, wo er sich schnell in die Compagnie und ihr Repertoire einfügte. In Anerkennung seiner Leistungen als Tänzer erhielt Nacho Duato 1987 den Golden Dance Award in Schouwburgen in den Niederlanden. Duato gehörte zu den ausdrucksstarken Interpreten des NDT und interessierte sich sehr früh für Choreographie; gleich sein erster Versuch im Jahr 1983 war ein großer Erfolg: „Jardí Tancat“ zu katalanischer Musik von Maria del Mar Bonet wurde mit dem ersten Preis beim Internationalen Choreographie-Workshop in Köln ausgezeichnet und ist heute in den Repertoires vieler großer Compagnien zu finden.
 
1988 wurde Nacho Duato zusammen mit Hans van Manen und Jirí Kylián zum ständigen Choreographen am Nederlands Dans Theater benannt (choreographer in residence). Berufen vom Instituto Nacional de las Artes Escénicas y de la Música des spanischen Kulturministeriums, ist Nacho Duato seit Juni 1990 künstlerischer Direktor der Compañía Nacional de Danza. Seine Ballette befinden sich heute im Repertoire zahlreicher Compagnien, darunter das Cullberg Ballet, das Nederlands Dans Theater, Les Grands Ballets Canadiens de Montréal, das Australian Ballet, San Francisco Ballet, Royal Ballet und nun bald auch beim Bayerischen Staatsballett.

Im Jahr 1995 erhielt Nacho Duato den Titel „Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres“, der alljährlich von der französischen Botschaft in Spanien verliehen wird. Die spanische Regierung zeichnete ihn 1998 mit der Goldmedaille für seine Verdienste um die schönen Künste aus. Im April 2000 gewann er den Prix Benois de la Danse für „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere“, das jetzt in München einstudiert wird. Im Jahr 2003 war Duato Gewinner des Spanischen Tanzpreises in der Kategorie „Kreativität“.

„In den bis heute über 50 Werken des charismatischen Choreographen sind verschiedene Einflüsse erkennbar – die Rasanz und das pulsierende Rhythmusgefühl des Amerikaners Alvin Ailey, der komisch-groteske Klassizismus des Schweden Mats Ek, sicher auch Hans van Manens Liebe zu Klarheit und Abstraktion. Vor allem aber das musikalische Fließen von Jirí Kyliáns Stil, ein Gleiten und Schweben, das kaum einen Stillstand, kaum eine Pose duldet, sondern sich stets von der Musik forttragen lässt. Nacho Duato choreographiert eher assoziativ und episodisch als in großen Strukturen, und bei aller Liebe zur geheimnisvollen Dunkelheit wirkt sein Tanz fast immer sinnlich, körperlich, kraftvoll. Duatos spanische Herkunft zeigt sich in der eleganten Haltung seiner Interpreten, in einem mediterranen Furor des Tanzes, der immer wieder auch vom afrikanischen Teil des Mittelmeers beeinflusst wird.“ (Angela Reinhard)

Nach 20 Jahren als künstlerischer Leiter der Comapnia Nacional de Danza in Madrid hat Nacho Duato 2011 die Leitung des Balletts des Michailowsky-Theaters in St. Petersburg übernommen.