Zu Hause in der Welt – die Tradition der Gastspiele der Bayerischen Staatsoper im In- und Ausland
Seit ihren Anfängen gehört es zur Aufgabe und zum Selbstverständnis der Bayerischen Staatsoper und des Bayerischen Staatsorchesters – vor 1918: der Hofoper und der Hofkapelle der Wittelsbacher – ihre künstlerischen Fähigkeiten und den Glanz des Münchner Musiklebens auch jenseits der bayerischen Landeshauptstadt unter Beweis zu stellen.
In ihren frühen Zeiten reiste die Hofkapelle zur kulturellen Repräsentation in der Begleitung der bayerischen Kurfürsten, wenn diese sich etwa zum Reichstag nach Augsburg oder zu einer Kaiserkrönung nach Frankfurt begaben. Einzelne Musiker wurden im 17. und 18. Jahrhundert auch explizit mit Fortbildungsreisen oder Konzerttourneen beauftragt und teils viele Monate dafür freigestellt, um das musikalische Können der Stadt in die Welt und musikalische Neuerungen aus Italien oder Frankreich nach München zu tragen.
Als das Reisen in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der Eisenbahnlinien auch für Gruppen einfacher und schneller wurde, wurden auch die Reisen der Hofkapelle zahlreicher – ein Konzert der Hofkapelle in Augsburg 1849 anlässlich von „Mozart’s Gedächtniss-Feier“ gilt als erstes Gastspiel der Hofkapelle in neuerer Zeit.
1882 stellte Ludwig II. Richard Wagner sein Hofopernorchester und den Hofopernchor den Sommer über zur Verfügung, damit er mit ihnen bei den Bayreuther Festspielen seinen Parsifal proben und uraufführen konnte. Ein Arrangement, das auch für die folgenden beiden Sommer Bestand hatte.
1913 begab sich das gesamte Ensemble der Bayerischen Staatsoper nach Nürnberg, um dort anlässlich der Enthüllung der Wagner-Büste in der Walhalla Wagners Die Meistersinger von Nürnberg aufzuführen. 1917 reiste man mit Hans Pfitzners eben in München uraufgeführter Oper Palestrina nach Bern, Zürich und Basel.
Wenn die Bayerische Staatsoper auf Reisen geht, dann tut sie dies also meist als Anwältin ihrer „Hausgötter“ Mozart, Wagner und Strauss oder von Werken, die mit diesem Theater eng verbunden sind, und mit dem unverwechselbaren Klang eines an Mozart, Wagner, Strauss geschulten Orchesters von Weltrang.
Das erste Auslandsgastspiel nach dem Zweiten Weltkrieg führte das Ensemble 1953 mit einem breiten Programm von Mozart bis Puccini nach Irland, ein zweites im selben Jahr ans Royal Opera House Covent Garden nach London, im Gepäck drei Strauss-Opern: Arabella, Capriccio und die erst im Vorjahr in Salzburg uraufgeführte Liebe der Danae, die damit ihre bis heute einzige Londoner Aufführung erlebte.
Auch in den anderen europäischen Musikmetropolen war und ist die Bayerische Staatsoper regelmäßig zu Gast, etwa im Teatro alla Scala in Mailand und im Théâtre des Champs-Elysées in Paris.
Zahlreich sind auch im 20. und 21. Jahrhundert die Gastspiele innerhalb Deutschlands, von der Eröffnung des eben neu errichteten Stadttheaters Lindau 1951 mit Le nozze di Figaro bis zum ersten Gastspiel der Bayerischen Staatsoper in Ostberlin anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin bei den Berliner Festspielen 1987 mit Cardillac und La Cenerentola.
Eine ganz eigene Tradition sind die Gastspiel-Tourneen der Bayerischen Staatsoper und des Bayerischen Staatsorchesters nach Asien: Einer ersten Einladung in die NHK-Halle nach Tokio 1974 mit Le nozze di Figaro, Don Giovanni, Die Walküre und Der Rosenkavalier folgten bislang sechs weitere Gesamtgastspiele in Japan, zuletzt 2017.
1984 fand die erste Reise der Bayerischen Staatsoper nach China statt, gleichzeitig das erste Gastspiel eines westeuropäischen Opernhauses in China überhaupt: In Shanghai und Peking spielte man Le nozze di Figaro und Die Zauberflöte sowie ein Konzertprogramm mit Werken von Weber, Mozart und Bruckner. 2012 gastierte die Bayerische Staatsoper mit Così fan tutte in Hongkong. Die Süddeutsche Zeitung titelte: „Die Bayerische Staatsoper entdeckt Neuland: in Hongkong. Mit Mozart. Das Publikum staunt und jubelt.“ 2024 eröffnete die Münchner Inszenierung von Ariadne auf Naxos das Hongkong Arts Festival.
Neben den szenischen Gesamtgastspielen der Bayerischen Staatsoper gastiert auch das Bayerische Staatsorchester regelmäßig und mit vielfältigen Konzertprogrammen in den Konzerthäusern der Welt. Zuletzt bei der großen Europatournee 2023 unter Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski anlässlich des fünfhundertjährigen Bestehens des Bayerischen Orchesters, die die Musiker:innern von Meran und Luzern über Bukarest, Berlin und Hamburg nach London und Paris und schließlich nach Linz und Wien führte.























