Der Freischütz (1998)
Komponist Carl Maria von Weber.
Dauer ca. 2 Stunden 50 Minuten
Während der Theaterferien sind die Tageskasse, der telefonische Kartenverkauf sowie das Abonnementbüro vom 1. August bis einschließlich 31. August 2026 geschlossen. Schriftliche Bestellungen werden weiterhin bearbeitet. Auch online können Sie weiterhin Karten erwerben.
Der Freischütz (1998)
Carl Maria von Weber
Komponist Carl Maria von Weber.
Dauer ca. 2 Stunden 50 Minuten

Die Oper mit dem Jägerchor! Hier wird scharf geschossen! Denn das Ziel ist klar: Die Frau! Doch wen oder was trifft die Freikugel? Deutscher Wald mit deutschen Jägern. Biedermeierliche Idylle - oder dämonischer Abgrund? Die bewegende Antwort gibt Webers Musik.
I. Aufzug
Der Bauer Kilian gewinnt gegen den Jäger Max das Sternschießen. Max wird vom Volk verlacht. Der Förster Kuno ist über das schlechte Abschneiden seines Jägerburschen besorgt. Denn Max soll am nächsten Tag Kunos Tochter Agathe zur Frau und zugleich das Anrecht auf dessen Nachfolge als Erbförster in Diensten des Fürsten Ottokar erhalten. Traditionelle Bedingung dafür ist ein erfolgreicher Probeschuß.
Max ist verzweifelt. Kunos Jägerbursche Kaspar, dessen frühere Verbindung mit Agathe gescheitert ist, verspricht Max, ihm mit teuflischen Freikugeln zu einem Glücksschuß zu verhelfen. Um ihm zu beweisen, wie ernst es mit seinem Angebot ist, leiht er ihm sein Gewehr und läßt ihn überraschend einen Adler treffen. Nun kann er Max auch dazu bewegen, zum Gießen neuer Freikugeln um Mitternacht in die Wolfsschlucht zu kommen. Kaspar, der sich dem schwarzen Jäger Samiel verschrieben hat, triumphiert: Auf diese Weise will er Max der Hölle zuführen und sich selbst retten.
II. Aufzug
Im Forsthaus ist Agathe von dem heruntergefallenen Bild von Kunos Urvater an der Stirn getroffen worden. Sie deutet dies als schlechtes Vorzeichen. Ännchen, die allein mit ihr im Forsthaus lebt, versucht, sie zu beruhigen. Ännchen weiß angeblich, wie man es anstellt, Braut zu werden. Agathe erzählt von ihrem Besuch bei dem Eremiten, der sie vor einer großen Gefahr gewarnt und ihr einen Strauß geweihter Rosen geschenkt hat.
Max kommt ins Forsthaus und berichtet Agathe von seinem neuen Erfolg beim Schießen, klärt sie jedoch nicht über die Hintergründe auf. Max bricht zur Wolfsschlucht auf, die beiden Frauen können ihn nicht zurückhalten.
In der Wolfsschlucht bereitet Kaspar das Ritual des Freikugel-Gießens vor. Er ruft den schwarzen Jäger: Samiel soll Kaspar die Lebensfrist noch einmal verlängern. Als Opfer bietet Kaspar ihm Max an. Max soll sieben Freikugeln erhalten, deren letzte von den Höllenkräften gelenkt wird.
Im Beisein von Max gießt Kaspar um Mitternacht die sieben Kugeln.
III. Aufzug
In der Nacht hat Agathe geträumt, sie sei eine weiße Taube, auf die Max zielte. Die Dorfmädchen bringen ihr zum Festtag ein Ständchen. Als Agathe das Brautkleid anzieht und den ihr zugedachten Jungfernkranz aus der Schachtel nehmen will, hält sie einen Totenkranz in den Händen. Schnell läßt sie sich von Ännchen die weißen Rosen des Eremiten zur Brautkrone flechten.
Bei der fürstlichen Jagd haben Max und Kaspar sechs der sieben Freikugeln verschossen. Fürst Ottokar fordert Max zum Probeschuß auf. Mit der letzten Freikugel schießt Max auf eine weiße Taube, die ihm als Ziel vorgegeben wurde. Sowohl Agathe, die überraschend hinter der Taube erscheint, als auch Kaspar sinken nieder. Agathe, durch die Rosen geschützt, lebt. Kaspar, tödlich getroffen, verflucht vor seinem Ende Himmel und Hölle. Max gesteht seine Schuld. Ottokar will ihn verbannen, aber der Eremit erhebt Einspruch: Max soll nach einem Probejahr Agathe zur Frau erhalten. Die Tradition des Probeschusses wird vom Eremiten abgeschafft.
© Bayerische Staatsoper
Thomas Langhoff. Über Einsamkeit
"O lass Hoffnung dich beleben, und vertraue dem Geschick!" So singt der Chor der Landleute und Jäger dem unglücklichen Jagdgesellen Max am Anfang der Geschichte zu. Aber warum soll er dem Geschick vertrauen, wenn er sich nicht einmal auf die Menschen verlassen kann? Die Jäger missachten ihn, die Bauern verspotten ihn, sogar mit seiner Verlobten Agathe kann er über seine Ängste nicht sprechen. Er hat eine Pechsträhne. Er trifft nicht, wie es jedem von uns einmal gehen kann: dem Fußballer, dem Sänger, dem Arzt. Max hat keinen Erfolg, weil er an der Krankheit einer neuen Zeit leidet, zu deren Beginn unsere Oper entstand: dem Einsamsein. Ein einziges Heilmittel gäbe es, das ihm helfen könnte: Vertrauen. Heinrich von Kleist hat es in seinem Werk immer gefordert und gesucht: Auch er wollte in seiner Gesellschaft akzeptiert werden und einen sicheren Stand haben, aber er verzweifelte und nahm sich das Leben. Kleist erinnert uns an den sensiblen und poetischen Jagdgesellen Max. Der überlebt – aber gibt es für ihn ein gutes Ende? Sein Freund Kaspar, der ihn verraten hat, ist tot. Seine Hochzeit ist um ein Probejahr verschoben. Der Probeschuss ist zwar aufgehoben; aber wird Max jemals wieder akzeptiert und heiratswürdig werden, wenn seine Schussschwäche anhält? Hier trifft‘s wirklich: Der Vorhang zu und alle Fragen offen, wie Brecht gesagt hat.
Ist dieser Freischütz eine Nationaloper? Die Frage stellt sich mir nicht. Wozu soll eine solche gut sein? Die wunderbaren Weisen, von denen wir meinen, dass sie unsere Gefühle widerspiegelten, sind Ausdruck des Sehnens und Hoffens der Menschen auf Harmonie, auf höhere Fügung, die uns hilft, unsere kurze Lebenszeit zu bestehen. Die Handlung des Werkes zeigt eine ganz andere Wirklichkeit: eine Welt voller Ängste, Misstrauen und Repression. Aber da ist auch die Kraft zum Überwinden. Und da ist die schöne Musik, so schön wie die Worte Kleists. Das ist doch viel.