Wie der Fisch zum Meer fand
Tanztheater für Kinder (2022)
empfohlen ab 4 Jahren
Dauer ca. 0 Stunden 40 Minuten
als mobile Produktion buchbar
Während der Theaterferien sind die Tageskasse, der telefonische Kartenverkauf sowie das Abonnementbüro vom 1. August bis einschließlich 31. August 2026 geschlossen. Schriftliche Bestellungen werden weiterhin bearbeitet. Auch online können Sie weiterhin Karten erwerben.
Wie der Fisch zum Meer fand
Dauer ca. 0 Stunden 40 Minuten
als mobile Produktion buchbar

Der Königsaal im Nationaltheater wird für die Produktion Wie der Fisch zum Meer fand in eine Unterwasserwelt verwandelt. Dort begegnet das junge Publikum einer Gruppe von Fischen, die sich tanzend durch das Meeresreich bewegen. Darunter befindet sich auch ein Fisch, der so intensiv über seine Fähigkeit zum Schwimmen nachdenkt, dass er in Panik gerät nicht mehr weiß, wie er sich überhaupt bewegen soll. Erst nach einer längeren Suche bemerkt er, dass er im Meer genau am richtigen Ort ist. Die Inszenierung für Kinder ab vier Jahren basiert auf einem Bilderbuch mit einer Geschichte von Alan Watts, einem britischen Philosophen und Schriftsteller. Wie der Fisch zum Meer fand ist die erste und einzige Geschichte, die er für Kinder schrieb. Zentral ist in allen seinen Werken die Auseinandersetzung mit den Bedingungen für Zufriedenheit und Glück.
Die in München lebende Regisseurin Franziska Angerer integrierte in ihrer 2022 entstandenen Inszenierung Ballettszenen aus Charlotte Edmonds Generation Goldfish. Dabei handelt es sich um eine Choreographie, die die junge Choreographin 2021 im Rahmen von Heute ist morgen beim Bayerischen Staatsballett herausgebracht hatte. Klassisches und zeitgenössisches Tanzvokabular wird der Fischwelt angenähert. Es geht um die Freude am Sich-Bewegen und das Staunen über die faszinierende Welt, die sich Unterwasser entfaltet. An den Wänden des Königssaals schwimmen als Videoprojektion immer wieder einige Fische vorbei und aus den Lautsprechern gurgelt und plätschert es. Für die Inszenierung von Franziska Angerer wurden aus der ursprünglichen Ballettproduktion Generation Goldfish vier Szenen ausgewählt und vom Leitenden Ballettmeister Thomas Mayr mit Tänzer:innen des Bayerischen Staatsballetts neu einstudiert. Die elektronische Musik, die in der Produktion zu hören ist, stammt von der Komponistin Katya Richardson. Sie hat die blubbernden Wassergeräusche auf spielerische Weise in elektronische Klänge übersetzt. Für die Wiederaufnahme von Wie der Fisch zum Meer fand richtete Magdalena Padrosa die Inszenierung für den Königssaal im Nationaltheater ein.
Getanzte Fischwelt – Interview mit der Choreographin Charlotte Edmonds
Serge Honegger: Die Tanzszenen für Wie der Fisch zum Meer fand hast du 2021 für dein Ballett Generation Goldfish entwickelt. Dieses Stück kam im Juni 2021 im Rahmen der Reihe Heute ist morgen beim Bayerischen Staatsballett heraus. Am Beginn deiner Arbeit an stand eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Aufmerksamkeit. Was fasziniert dich daran?
Charlotte Edmonds: Der Tanz ist eine Quelle für Entdeckung, er kann verschiedene Gedanken auf eine menschliche Ebene bringen. Er ist ein Mittel, um unterschiedliche Welten zu vereinen. Im Fall von Generation Goldfish wollte ich wissen, wie sich die Aufmerksamkeit auf das menschliche Denken und unsere Wahrnehmungen auswirkt. Aufmerksamkeit ist für mich der Ursprung von allen wichtigen Entscheidungen, von jeder Bewegung, die einen Fokus hat. Auch empfinde ich sie als zentral für die Beziehung zwischen den Menschen im Publikum und auf der Bühne.
In unserem Musiktheater Wie der Fisch zum Meer fand ist es ja so, dass der Fisch seine Aufmerksamkeit auf seine Ängste richtet und nicht auf das Meer um ihn herum. Ist es für uns in der heutigen Zeit schwieriger geworden, uns auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren?
Die digitalen Medien haben ein völlig neues Umfeld geschaffen. Denken wir an einen Feed eines Social-Media-Kanals. Was bleibt eigentlich in meiner Erinnerung hängen, nachdem ich mich durchgeklickt habe? Im Gegensatz zu anderen Erfahrungen eher wenig, wenn ich ehrlich bin. Es ist noch nicht so lange her, da war man als Künstlerin nicht gezwungen, dauernd etwas zu posten. Man hielt auf eine andere Weise Kontakt und war nicht auf ein mobiles Gerät angewiesen. All das beeinflusst auch die Art, wie wir eine Theatervorstellung besuchen oder unseren Medienkonsum organisieren. Früher gab es viel öfters Filmszenen, die ohne Schnitt zehn Minuten dauerten. In den Serien-Produktionen werden Erzählungen gekürzt, damit sie den heutigen Sehgewohnheiten entgegenkommen. Mir scheint es wichtig, dass wir uns darin üben, uns auf die Dinge zu konzentrieren, die sich in unserem direkten Umfeld abspielen. Das Theater ist dafür der ideale Raum.
In der Erzählung von Alan Watts ist für den Fisch die Entdeckung der vielen Möglichkeiten, die das Große Meer bietet, ganz zentral. In welchem Meer fühlst du dich besonders zuhause?
Bei mir ist es ganz klar das Ballettstudio. Auch dort ist die Aufmerksamkeit ein ganz wichtiges Element. Man verpasst rasch wichtige Momente oder vergisst eine gute Sequenz, die man gerade entwickelt hat, wenn man nicht konzentriert ist. Wir sind alle Teil der Generation Goldfisch, weil wir uns in dieser Welt heute bewegen und Wege finden müssen, wie wir damit zurechtkommen.
Was für Bewegungsmaterial sehen wir in deiner Choreographie?
Ich selber mag fließende Bewegungen, weshalb mir die Unterwasser- und Fischwelt natürlich besonders gefällt. Was sind interessante Motive für eine tänzerische Fischwelt? Wie würde sich ein Fisch in einer bestimmten Situation verhalten? Wie können wir das auf unseren Körper übertragen? Wo gibt es Ähnlichkeiten im Verhalten zwischen Fischen und Menschen? Mit solchen Fragen im Hinterkopf haben wir im Ballettstudio zuerst improvisiert. Es ging darum, Bewegungsmaterial zu sammeln, die Bühnenräume zu erkunden und das Verhalten von Fischen anzuschauen: die Füße als Flossen, Zittern der Hände, Luftblasen, Schlängelbewegungen, rasche Richtungswechsel, von der Arabeske in eine Tauchbewegung, das Schwebende des Körpers mittels Demi Pointe und so weiter. Auf diese Weise näherten wir uns dem, was ein Fisch für uns ist und bedeutet.
Ich weiß, dass du dich intensiv mit wissenschaftlichen Artikeln zum Thema Aufmerksamkeit beschäftigt hast. Hatte diese Recherche einen Einfluss auf die Choreographie?
Im Zuge der Vorbereitung der Choreographie bin ich auf einen Vergleich zwischen den unterschiedlichen Aufmerksamkeitsspannen von Menschen und Goldfischen gestoßen. Das hat mich total fasziniert. Eine Choreographie für ein Ballett hat ja viele Ähnlichkeiten mit der Struktur zum Netzwerk unseres Gehirns. Dieses Netzwerk ist dauernd am Arbeiten, Verbinden und Ausbilden neuer Strukturen. Wenn wir den Fisch-Tänzer:innen folgen, schauen wir gewissermaßen auf ein lebendiges Netzwerk. Manchmal ist es sehr beschäftigt, manchmal etwas schläfrig. Das Netzwerk und die verschiedenen Aufmerksamkeitsgrade sind immer präsent. Die einzelnen Orte sind miteinander verbunden und reagieren aufeinander. Wir haben quasi ein Theater des Verstandes vor uns. Zugleich befinden wir uns im Falle von Wie der Fisch zum Meer fand ja tatsächlich in einem Theater, das uns über Aufmerksamkeit nachdenken lässt.