Münchner Merkur
Markus Thiel
„Hier ist einer extrem tief eingedrungen ins Stück, verliert sich aber nicht darin. Was Kratzer ebenso beherrscht: Er kann „Ring“-Neulinge abholen. (…) Ein Heldenbariton aus dem Klangbilderbuch, mit Erz in der Kehle, naturgewaltigen Tönen, auch das Zärteln beherrscht Brownlee. Singt Brownlee manchmal riskant, gibt Miina-Liisa Värelä eine in allen Lagen abgesicherte Brünnhilde. Eine nimmermüde, gedeckte Stimme mit viel Substanz, die nie über die Ufer tritt. Mehr auf Entäußerung gestaltet Irene Roberts, die ihre Sieglinde in kühlen Farben lodern lässt. Joachim Bäckström ist als Siegmund nicht nur getriebener Held, sondern strahlt auch Selbstbewusstsein aus. Mit seinem nicht sonderlich reichen, eng kanalisierten Tenor kann er sich gut Gehör verschaffen. Der schwarzbassige Ain Anger wird als Hunding gern gebucht. Man merkt ihm an, dass auch er die Rolle neu durchdenkt. Ekaterina Gubanova gibt das Fricka-Biest, eine effektvolle Intrigantin und Spielmacherin, Texttransport ist nicht unbedingt ihre Domäne.“