DIE KAMELIENDAME
Choreographie John Neumeier. Musik Frédéric Chopin.
empfohlen ab 12 JahrenDauer ca. 3 Stunden
Während der Theaterferien sind die Tageskasse, der telefonische Kartenverkauf sowie das Abonnementbüro vom 1. August bis einschließlich 31. August 2026 geschlossen. Schriftliche Bestellungen werden weiterhin bearbeitet. Auch online können Sie weiterhin Karten erwerben.
Choreographie John Neumeier. Musik Frédéric Chopin.
empfohlen ab 12 JahrenDauer ca. 3 Stunden
Alexandre Dumas’ epochemachender Roman La dame aux camélias (1848) wurde zur Vorlage der Oper La traviata und von unzähligen Filmen. John Neumeier kreierte seine Ballettversion des Stoffes 1978 für Marcia Haydée und das Stuttgarter Ballett. 1986 führte er zudem Regie bei der Verfilmung dieses Erfolgsballetts.
Die erschütternde Geschichte um die lungenkranke Kurtisane Marguerite Gautier und ihren Liebhaber Armand Duval erzählt Neumeier in dichtester Choreographie und mit beispielloser dramaturgischer Raffinesse. Dazu kommt die Musik von Frédéric Chopin, deren romantische Virtuosität und existentielle Verlorenheit dem Ballett vollends das Siegel tiefster Wahrhaftigkeit aufdrückt. Chopins Zweites Klavierkonzert, die Romanze aus seinem Ersten Klavierkonzert, die Grande Fantasie op. 13 und die Grande Polonaise brillante op. 22 werden ergänzt durch reine Klavierkompositionen Chopins. Eine musikalische Klammer bildet das Largo aus derSonate h-Moll op. 58, das an dramaturgisch entscheidenden Stellen auftaucht. Raffiniert nimmt Neumeier außerdem das Motiv des Theaterbesuchs der Protagonist:innen aus der Romanvorlage auf. Er konkretisiert dieses Motiv, indem er das unglückliche Schicksal von Marguerite und Armand im ’Bühnenschicksal’ zweier anderer literarischer Figuren aus einem früheren Jahrhundert, Manon Lescaut und ihres Liebhabers Des Grieux, spiegelt.
Seit der Uraufführung von Neumeiers Werk gehören die Hauptpartien zu den begehrtesten Rollen großer Tanzschauspieler:innen, die darin herausfordernde tanztechnische Aufgaben und unvergleichliche Möglichkeiten finden, sich in hochdifferenziertere Charaktere einzufühlen.
Das Ballett spielt während einer Auktion. Die Handlung entfaltet sich in einer Reihe von Rückblenden, die aus unterschiedlichen Perspektiven – derjenigen Armands, seines Vaters und Marguerites – erzählt werden. Alle Ereignisse, die in der Gegenwart, also während der Auktion, stattfinden, sind im Folgenden in kursiver Schrift gehalten.
Prolog
März 1847, Rue d’Antin Nr. 9.
Marguerite Gautier, eine der begehrtesten Kurtisanen von Paris, ist gestorben. Um ihre Schulden zu begleichen, sollen nach ihrem Tod ihre luxuriöse persönliche Habe sowie die prächtige Einrichtung der Wohnung versteigert werden. Nanina, Marguerites treue Dienerin, tritt ein – sie trägt das Tagebuch ihrer Herrin, das sie Armand zu übergeben versprochen hat. Sie nimmt traurig Abschied von der Wohnung, gerade als neugierige Besucher eintreffen, um das üppige Inventar zu begutachten. Inmitten der geschäftigen Auktionsmitarbeiter erkennen wir Gestalten aus Marguerites Vergangenheit – den Herzog, ihre Vertraute Prudence, den jungen Grafen N. und die Kurtisane Olympia. Ebenfalls anwesend ist ein älterer Mann, Monsieur Duval, dessen Sohn Armand plötzlich atemlos in den Raum stürmt. Überwältigt von seinen Erinnerungen an Marguerite bricht er zusammen.
1. Akt
Während sein Vater ihn beruhigt und tröstet, erzählt Armand, angeregt durch den Anblick des violetten Kleides, das Marguerite bei ihrer ersten Begegnung trug, seine Geschichte:
Alles nahm im Théâtre des Variétés seinen Anfang, während einer Aufführung des Balletts Manon Lescaut, das auf humorvolle Weise die Launen der berühmten Rokoko-Kurtisane darstellt, die ihren Geliebten Des Grieux mit zahlreichen Verehrern betrügt. Im Publikum sitzend, ist Marguerite Gautier von Manons frivoler Untreue angewidert. Armand Duval, der Marguerite schon seit langem bewundert, wird ihr von Gaston Rieux vorgestellt. Marguerite verspottet Armands unbeholfene Aufrichtigkeit. Während er das komische Ballett verfolgt, befürchtet Armand, dass seine eigene Zukunft das traurige Schicksal von Des Grieux widerspiegeln könnte. Unerwartet lädt Marguerite Armand nach der Vorstellung in ihre Wohnung ein, zusammen mit Gaston, Prudence und dem lästigen jungen Grafen N., ihrem Begleiter an diesem Abend. Ungehalten über die unwillkommenen Annäherungsversuche des eifersüchtigen Grafen, erleidet Marguerite später am Abend einen schweren Anfall, bedingt durch ihre todbringende Krankheit – die Schwindsucht. Unfähig, seine Sorge um Marguerite zu zügeln, eilt Armand ihr spontan nach, bietet ihr seine Hilfe an und gesteht ihr dann seine tiefe Liebe. Zunächst hierüber amüsiert, lässt sich Marguerite langsam von seinem strahlenden Optimismus und der Aufrichtigkeit seiner glühenden Leidenschaft bewegen. Da sie sich jedoch stets ihrer todbringenden Krankheit bewusst ist und weiß, dass die Annehmlichkeiten eines Luxuslebens Linderung mit sich bringen, gibt sie Armand unmissverständlich zu verstehen, dass sie ihren Lebenswandel nicht ändern könne und die Affäre daher geheim bleiben müsse. Marguerite setzt ihr rastloses Leben fort und eilt von einem Ball, von einem Liebhaber zum nächsten – doch immer besteht die Möglichkeit, dass Armand da ist und auf sie wartet…Als Marguerite zu dem Landhaus aufbricht, das der Herzog ihr zur Verfügung gestellt hat, folgt Armand ihr.
2. Akt
Als er den Strohhut entdeckt, den Marguerite in jenem Sommer getragen hatte, fährt Armand mit seiner Erzählung fort…
Auf dem Land, umgeben von feiernden Freunden und glühenden Verehrern, führt Marguerite ihr turbulentes Leben weiter. Doch mit der Ankunft des Herzogs und dem Herannahen der unvermeidlichen Konfrontation mit Armand kommt für Marguerite der Moment der Entscheidung. Sie bekennt sich öffentlich zu ihrer Liebe zu Armand.
Armand und Marguerite sind allein. Die Zeit scheint stillzustehen…
Armands Vater erinnert sich mit Bedauern an seine Rolle in dieser Geschichte.
Ohne dass sein Sohn davon weiß, besucht Monsieur Duval Marguerite auf dem Land. Beschämt darüber, dass Armand mit einer Prostituierten zusammenlebt, beharrt er darauf, dass diese Beziehung Armand und seine Familie ruinieren werde. Schockiert protestiert Marguerite vehement. Dann fleht sie verzweifelt. Schließlich ereilt sie eine Vision von Manon, die Marguerite an ihre eigene Vergangenheit erinnert und den Wahrheitsgehalt von Monsieur Duvals Anschuldigungen bestätigt. Er verlangt, dass sie Armand sofort verlässt. Aufgrund ihrer tiefen und aufrichtigen Liebe zu Armand willigt Marguerite ein.
Armand erzählt seinem Vater, wie er nach der Rückkehr von einem Ausritt mit Freunden das Haus verlassen vorfand.
Er wartete. Dann brachte Nanina ihm einen Brief von Marguerite, in dem stand, dass sie nach Paris und in ihr früheres Leben zurückgekehrt sei. Ungläubig eilt Armand nach Paris und findet Marguerite in den Armen des Herzogs.
3. Akt
Armand erzählt seinem Vater, wie er Marguerite später auf den Champs-Élysées traf.
Marguerite wurde von Graf N. und der schönen jungen Kurtisane Olympia begleitet. Aus dem Bestreben heraus, jener Frau zu schaden, die ihn so tief verletzt hat, flirtet Armand mit Olympia und verführt sie. Todkrank besucht Marguerite Armand und fleht ihn an, ihr nicht weiter wehzutun, indem er seine Affäre mit Olympia zur Schau stellt. Die Konfrontation entfacht erneut die tiefe Liebe der beiden und mündet in eine Nacht intensiver, fieberhafter Leidenschaft. Im Schlaf scheint eine Vision von Manon Marguerite zurück in ihr früheres Leben zu locken. Als sie erwacht, erinnert sie sich an ihr Versprechen gegenüber Armands Vater und verlässt Armand erneut.
Der Herzog begleitet Marguerite zu einem „Goldenen Ball“. Armand, der ebenfalls mit Olympia anwesend ist, demütigt Marguerite öffentlich, indem er ihr Geld als „Bezahlung“ für vergangene Dienste überreicht. Marguerite bricht zusammen.
Armand ist am Ende seiner Erzählung angelangt. Tief bewegt bricht sein Vater auf, just in jenem Moment, als Nanina hereinkommt und Armand Marguerites Tagebuch überreicht. Beim Lesen scheint Armand Marguerite auf ihrem letzten Theaterbesuch zu begleiten.
Während sie auf den Stuhl blickt, auf dem Armand bei ihrer ersten Begegnung saß, durchlebt Marguerite erneut das Ballett Manon Lescaut. Diesmal ist es die letzte Szene, in der Manon, verarmt und verloren in der Wüste, in den Armen ihres treuen Geliebten Des Grieux stirbt.
Schwerkrank verlässt Marguerite das Theater – doch die Figuren aus dem Ballett folgen ihr in einem Fiebertraum. In jenem Moment, in welchem das Trugbild der Liebenden mit ihren Erinnerungen zur Deckung gelangt, scheint ihre Identifikation mit Manon vollkommen zu sein.
Verlassen und voller Sehnsucht nach Armand vertraut Marguerite ihre letzten Liebesbekundungen dem Tagebuch an, das sie Nanina zu treuen Händen gibt, auf dass diese es Armand überbringe.
Marguerite stirbt allein.
Armand schließt schweigend ihr Tagebuch.
Die Kameliendame (Programm)
Die Kameliendame (Plakat)