SPHÄREN.02 | PRELJOCAJ
Zeitgenössische Ballette von Edouard Hue, Émilie Lalande und Angelin Preljocaj, kuratiert von Angelin Preljocaj
empfohlen ab 12 Jahren
Dauer ca. 1 Stunden 20 Minuten
Während der Theaterferien sind die Tageskasse, der telefonische Kartenverkauf sowie das Abonnementbüro vom 1. August bis einschließlich 31. August 2026 geschlossen. Schriftliche Bestellungen werden weiterhin bearbeitet. Auch online können Sie weiterhin Karten erwerben.
SPHÄREN.02 | PRELJOCAJ
Dauer ca. 1 Stunden 20 Minuten
In der Reihe Sphären richtet Ballettdirektor Laurent Hilaire seinen Fokus auf die jüngere Generation von Tanzschaffenden. Es geht darum, Verbindungen innerhalb einer choreographischen „Sphäre“ aufzuspüren und daraus Elemente einer möglichen tänzerischen Sprache der Zukunft abzuleiten. Die Aufführungen im Cuvilliéstheater erfreuen sich großer Beliebtheit und zeigen das breite Spektrum an künstlerischen Handschriften, mit denen das Ballett heutzutage gestaltet wird. Erzählerische, abstrakte, improvisierte, klassische sowie Elemente aus der Performance-Art gelangen zum Einsatz und zeigen auf, in welche Richtung sich das Ballett entwickeln könnte. Die diesjährige Ausgabe #02 in der Saison 2023/24 wird von Angelin Preljocaj kuratiert.
UN TRAIT D‘UNION
Die zweite Ausgabe der Reihe Sphären beginnt mit einem Stück von Angelin Preljocaj, der zugleich als Kurator des Abends fungiert. Mit Un trait d‘union hat der in Frankreich beheimatete Choreograph ein archaisch wirkendes Stück geschaffen, das zwei Tänzer in einer spannungsgeladenen Konstellation zeigt. Wir sehen zu Beginn einen Mann, der in einer existenziellen Einsamkeit gefangen zu sein scheint. Diese vergeht auch dann nicht, als eine zweite Figur den Raum betritt und versucht, eine Verbindung zu ihm herzustellen. Ob es sich um sein eigenes Alter Ego, einen Freund oder einen Feind handelt, lässt Angelin Preljocaj bewusst offen. Wie zwei Wörter, die nebeneinanderstehen und durch einen Bindestrich (französisch: trait d’union) aneinandergekettet werden, kreieren die Tänzer in der weiteren Folge des Duetts neue Bedeutungsschichten. Ihre „Aneinanderkettung“ führt unweigerlich zu einer Änderung ihres Status als Individuum. Das verbindende Element, der trait d’union, ist der Tanz. Die beiden Männer stützen sich gegenseitig, verkrallen und bekämpfen sich, wehren den jeweils anderen ab, ergänzen sich und halten sich fest in einem Tanz, der zugleich als Kriegs- und Liebeserklärung gelesen werden kann.
LE SPECTRE DE LA ROSE
Émilie Lalande war als Tänzerin zehn Jahre in der Compagnie von Angelin Preljocaj engagiert und begann ab 2017 eigene Stücke zu entwickeln. In ihrer Version von Le spectre de la rose reflektiert sie über Liebesbeziehungen und ihre Kehrseiten. Der „Geist der Rose“ ist für sie mit den Verbindungen von Vergangenheit und Gegenwart verbunden: „Im Vordergrund steht für mich die Rose, ihre Symbolik und ihr Geruch, ein Geruch, der Erinnerungen zu wecken und Assoziationen zu anderen Ideen auszulösen vermag.“ In der Choreographie repräsentieren die beiden Paare zwei verschiedene Lesarten einer einzigen Situation. Diese wird von einem Paar klassischer, vom anderen zeitgenössischer interpretiert. Darin spiegelt sich das Interesse von Émilie Lalande, das Ausdruckspotenzial des Balletts für die Gegenwart auszuloten: „Ich bin auf der Suche, wie das Zeitgenössische für den klassischen Tanz nützlich gemacht werden kann. Es gibt viel Leichtigkeit im klassischen Ballett, aber mich interessiert ebenso der Bezug zum Boden und die Energie, die man als Tänzer daraus gewinnen kann.“
SKINNY HEARTS
Edouard Hue lässt seine Kreation Skinny Hearts mit acht Tänzerinnen in der Kälte beginnen: „Es ist Winter und es fühlt sich an, als würde ein langer Schlaf auf uns warten, aus dem wir vielleicht nie wieder erwachen. Die Figuren, die wir auf der Bühne sehen, sind in einem winterschlafähnlichen Zustand gefangen. Aber dann gibt es eine Person, die sich dem entgegenstellt, eine neue Dynamik schafft und die Energie verändert.“ Für den choreographischen Ablauf hat Edouard Hue eine Struktur entwickelt, die eine Einfachheit besitzt, es ihm aber ermöglicht, komplexere Formen zu entwickeln und durchzuspielen. Er lässt das Stück in einer kontemplativen Stimmung enden, die Schönheit und Melancholie in sich vereint. Dazu erklingt eine Komposition von Jonathan Soucasse, mit dem Edouard Hue eine langjährige künstlerische Partnerschaft verbindet.
Sphären.02 (Plakat, A1)