VORTRAG: DER MUSIKTHEATER-SOLITÄR
Dauer ca. 0 Stunden 30 Minuten
Hinweis: Eintritt frei.
Robert Maschka
Der Musiktheater-Solitär Fidelio: Beethovens Anverwandlung eines seinerzeit populären Operngenres und die Folgen daraus – nicht zuletzt in Calixto Bieitos Münchner Inszenierung.
Im Opernrepertoire behauptet Beethovens einzige Oper eine Sonderstellung. In Fidelio erleben wir einen ambitionierten Komponisten, der zunächst vor allem mit Instrumentalwerken Aufmerksamkeit erregt hat und nun seine dort entwickelte persönliche Handschrift in die Gattung Oper einbringt. Dies setzt einen komplexen Umarbeitungsprozess in Gang, an dem wir beobachten können, wie Beethoven mit dem Fidelio-Projekt ringt: Vier Ouvertüren und drei Opern-Versionen geben davon Zeugnis. Auch war Beethoven, der die Ideale der französischen Revolution hochhielt, von dem auf die Freiheitsidee fokussierenden Plot seiner Textvorlage geradezu berauscht. Deshalb war er darauf bedacht, den ursprünglich im revolutionären Frankreich entwickelten Typ der Rettungs- und Befreiungsoper in eine deutsche Version zu übersetzen, in der der deutsche Idealismus der Spätaufklärung sein utopisches Potenzial entfalten sollte. Damit aber sind Beethovens Protagonisten von einem idealistischen Feuer durchdrungen, das Fidelio zum Faszinosum macht: Es öffnet sich hier ein Denkraum, der bis heute anspruchsvolle Gegenwartskunst in sich hineinzieht. Demgemäß stellt sich Calixto Bieitos nach wie vor brisante Münchner Inszenierung dem hohen intellektuellen Anspruch Beethovens. Indem ihre Bildsprache zwischen Nähe und Distanz zu Beethovens Musik changiert, erzeugt sie ein Spannungsfeld – durchaus in Abkehr von den Abgründen politischer Vereinnahmung, in die frühere Zeiten Beethovens Fidelio getrieben hatten.
Im Anschluss: Fidelio
