LESUNG: GESCHWISTERLIEBE
Dauer ca. 0 Stunden 30 Minuten
Hinweis: Eintritt frei.
Tara Ewers (Schauspielerin)
Geschwisterliebe in Robert Musils Mann ohne Eigenschaften
Im Streitgespräch zwischen Wotan und Fricka im zweiten Aufzug von Richard Wagners Walküre empört sich die Gattin und Hüterin der Ehe über die Blutsschande, die mit dem Bund des Zwillingspaars Siegmund und Sieglinde in einer Mondnacht einhergegangen sei: „Mir schaudert das Herz, es schwindelt mein Hirn: bräutlich umfing die Schwester der Bruder!“ Im Ring des Nibelungen kann jedoch nur aus dieser normwidrigen Verbindung der freie Held Siegfried hervorgehen. Die geschwisterliche Liebe wird auch in Robert Musils monumentalem Roman Der Mann ohne Eigenschaften thematisiert. Mit der platonischen und auch explizit physischen Verbindung seines Protagonisten Ulrich mit dessen Zwillingsschwester Agathe schildert der österreichische Schriftsteller eine Utopie, in der Gegensätze verschmelzen und sich das Ich als menschliche Identität mit der Natur und der Welt als allem Nicht-Ich vereint. Im Nachlass zu dem gewaltigen Fragment findet sich das Kapitel „Beginn einer Reihe wundersamer Erlebnisse“. Wir werden Zeuge von „Mondgesprächen“ zwischen Ulrich und Agathe, in denen auch der Schluss gezogen wird, dass „jeder Vorgang in Mondnächten die Natur des Unwiederholbaren“ habe.
Im Anschluss: Die Walküre
